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Stag Night

Montag, 5. Juli 2010

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Billig produzierter, aber recht unterhaltsamer U-Bahn-Horror.

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Originaltitel: Stag Night
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Peter A. Dowling
Drehbuch: Peter A. Dowling
Darsteller: Scott Adkins, Breckin Meyer, Kip Pardue, Vinessa Shaw, Karl Geary, Luca Bercovici

Die U-Bahn war schon immer ein beliebter und äußerst geeigneter Schauplatz für Horrorfilme, man denke etwa an „Creep“ mit Franka Potente oder „The Midnight Meat Train“. Die nervenaufreibende Vorstellung, dass die Protagonisten nur wenige Meter von der rettenden Erdoberfläche entfernt sind, wo unzählige Menschen mehr oder weniger zufrieden ihren alltäglichen Beschäftigungen nach gehen, ohne auch nur zu ahnen, welche Gefahren unter ihnen lauern, hat schon etwas für sich. Bedient man sich dieses schon von Natur aus mulmige Gefühle auslösenden Schauplatzes, kann im allgemeinen nicht mehr allzu viel schiefgehen, und das tut es auch bei „Stag Night“, dem aktuellsten in den Schächten unter der Großstadt angesiedelten Genrestreifen nicht.

„Stag Night“ ist das Regiedebüt von Peter A. Dowling, der zuvor schon das Drehbuch zu dem Jodie-Foster-Vehikel „Flight Plan“ schrieb, und erzählt die Geschichte des künftigen Bräutigams Mike (Kip Pardue), mit vier Freunden beim Junggesellenabschied die Stadt unsicher macht. Als sein dickköpfiger und streitsüchtiger Bruder Tony (Breckin Meyer, der die Rolle des Arschlochs wirklich gut drauf hat) dafür sorgt, dass die Gruppe aus einem Stripclub hinausfliegt, entschließen sich die aufgekratzten jungen Männer, die U-Bahn zu besteigen, um ein anderes Lokal aufzusuchen. Im Zug treffen sie auf einige Stripperinnen, an die sich Tony auf so penetrante Weise heranmacht, dass die Ladies zum Pfefferspray greifen, woraufhin die munteren Gesellen bei einem außerplanmäßigen Zwischenstopp aussteigen und die Garnitur ohne sie weiterfährt.

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Nun sind sie in einem Teilstück der U-Bahn gestrandet, das in den 1970-er Jahren gesperrt wurde. Natürlich funktionieren dort ihre Mobiltelefone nicht, und während die jungen Leute noch überlegen, was sie nun tun sollen, werden sie zufällig Zeugen, wie ein Sicherheitsbeamter von einer Bande obdachloser Psychopathen aufgeschlitzt wird. Als sie entdeckt werden, bleibt ihnen nur noch die Flucht vor den Macheten schwingenden „Tunnel Rats“ (Tunnelratten).

Sobald die Handlung mit dem Auftauchen der „Tunnel Rats“ so richtig in Gang kommt, entpuppt sich „Stag Night“ als heftiges und spannendes Werk. Dowling versteht es, das Tempo hoch zu halten – er legt nur kurze Pausen ein, um die Protagonisten (und das Publikum) ein wenig durchatmen zu lassen oder beeindruckend nervenaufreibende Versteckspiel-Szenarien zu gestalten, ehe die Jagd weitergeht. Visuell gibt es wenig auszusetzen, die Beleuchtung in der dumpfen, nasskalten Umgebung ist zumeist gelungen, und oft helfen überlegt eingebaute Details – zum Beispiel Fliesen, die von der Wand bröckeln, als jemand aufgespießt wird – dabei, den Szenen das gewisse Etwas zu verleihen. Besondere Erwähnung verdient auch die Filmmusik alter Schule von Benedikt Brydern, die perfekt zu dem Gemetzel passt. Er hat einfache, aber effektive Musikstücke geschaffen, die mit den Bildern hervorragend harmonieren, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen.

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An den schauspielerischen Leistungen gibt es wenig auszusetzen, besonders gut gefielen mir Breckin Meyer und der aus den Fernsehserien „The Burrowers“ und „Gravity“ bekannte Karl Geary. Unter den Hauptdarstellern werden Sie vielleicht auch den kampfsporterprobten Scott Adkins erkennen, der hier genau null Schläge gegen die Psychopathen austeilt, die ihm ans Leder wollen! Es wäre schön gewesen, hätte er sich mit einigen von ihnen einen Kampf geliefert, aber andererseits ist es beruhigend zu sehen, dass er sich nicht in eine Schublade pressen lassen möchte.

Was Blut und Gewalt angeht, ist „Stag Night“ nicht gerade zimperlich: reichlich spritzende Arterien, blutige Enthauptungen, eingeschlagene Schädel – für die meisten Geschmäcker dürfte das mehr als ausreichend sein. Die wilden (und kannibalischen) „Tunnel Rats“ sind bösartige Wesen - knurrende, grunzende Untermenschen, die anscheinend nur existieren, um ihre Beute auf möglichst brutale Weise zur Strecke zu bringen. Deshalb ist es traurig, dass gerade diese Bösewichte eines der größten Probleme des Films darstellen. Sie alle sehen identisch aus – fast so, als hätte man Rob Zombie, einen Höhlenmenschen, und einen Serienkiller in einen von Seth Brundles Transportkammern gesteckt. Im Verlauf der Handlung erfährt man ein wenig mehr darüber, wie sie da unten leben, aber umfassendere Informationen über die wilde Meute und ein wenig mehr Originalität in punkto Design/Make-up der Antagonisten hätten „Stag Night“ mit Sicherheit gut getan.

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Im Großen und Ganzen jedoch ist „Stag Night“ ein gelungener Genrestreifen, der genug überdurchschnittliche Gewaltszenen und Effekte bietet, um einen Empfehlung wert zu sein. Er gibt nicht vor, mehr sein zu wollen als er ist, weiß genau, was das Publikum erwartet, und ist deshalb ein würdiger, wenn auch anspruchsloser Gruselfilm für einen unterhaltsamen Samstagabend. Allerdings sollen Sie einen guten Magen haben, denn von den sehr wackeligen Handkameraaufnahmen kann einem leicht übel werden.

Fazit: Nicht sonderlich origineller, aber solide gemachter Genrestreifen, dem man das geringe Budget bisweilen anmerkt, der aber doch weitgehend zu überzeugen versteht.

 

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The Collector (Filmkritik)

Pontypool

Donnerstag, 31. Dezember 2009

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Originaltitel: Pontypool
Herstellungsland: USA/Kanada 2008
Regie: Bruce McDonald
Drehbuch: Tony Burgess
Darsteller: Stephen McHattie, Lisa Houle, Hrant Alianak, Georgina Reilly

Zombies sind momentan wieder groß im Kommen. In allen Größen und Formen, von frisch dem Grab entstiegen bis zu durch Virenbefall verwandelt, in immer mehr Filmen – vom blutrünstigen Horrorstreifen bis hin zur seichten Komödie (siehe „Zombieland“) – erfreuen diese Untoten die Fans. Und gerade wenn man glaubt, alles gesehen zu haben, tritt ein Filmemacher auf den Plan, der den Zuschauern tatsächlich etwas Neues zu bieten versteht, und das in einem Subgenre, das zuweilen schon recht verstaubt wirkt. Bruce McDonalds „Pontypool“ ist ein sehr unterhaltsames Werk. Eines, das dem Zuschauer in einem Moment den Atem stocken und ihn im nächsten Moment vor Schreck zusammenfahren lässt.copyrightjps

Wir lernen Radiomoderator Grant Mazzy kennen (gespielt von dem großartigen Stephen McHattie, der hier eine echte Talentprobe ablegt). Er ist unterwegs zu seinem neuen Job bei einem lokalen Radiosender in Pontypool, Ontario, Kanada, und äußerst schlecht gelaunt, denn für seinen Geschmack ist es viel zu früh am Morgen, es ist eisig kalt und den job empfindet er als Abstieg. Aber was bleibt ihm übrig, irgendwie muss man die Rechnungen ja bezahlen. Außerdem, wie schwer kann es sein, eine geistlose Unterhaltungssendung bei einem Radiosender in einem Provinzstädtchen zu moderieren? Was kann da schon schief gehen? Leider eine ganze Menge.

clip_image001[8]Sein Arbeitstag beginnt unspektakulär, nichts deutet auf die kommenden Ereignisse hin. Irgendein Musiker, der Sachen für Kinder schreibt, wird für einen Kurzauftritt im studio erwartet, der Nachrichtenhelikopter (in Wirklichkeit ein Typ in einem Auto mit Geräuscheffekten im Hintergrund) bringt seine gewohnten Berichte, und das kalte Wetter ist die wichtigste Nachricht des Tages. Plötzlich und unerwartet passiert etwas Außergewöhnliches. Während er die Wettervorhersage aus dem Helikopter zum Besten gibt, bemerkt der Meteorologe, dass sich ganze Horden gewalttätiger Leute vor dem und im örtlichen Krankenhaus zusammenrotten. Ehe man sich versieht, bricht ein richtiger Aufstand aus. Mauern werden niedergerissen, Menschen werden niedergetrampelt, und viel noch schlimmer – unschuldige Opfer werden…gegessen. All dies wird via Satellit ins Studio übertragen und von dort live in alle Haushalte ausgestrahlt. Innerhalb weniger Augenblicke verwandelt sich die gemütliche Kleinstadtidylle in totales Chaos, und nichts wird je wieder so sein, wie Mazzy und seine Zuhörer es bis dato gekannt haben.

Aber was passiert eigentlich? Warum gebärden sich diese Menschen wie Verrückte? Ist vielleicht eine Verseuchung mit Chemikalien dafür verantwortlich, oder etwa der Ausbruch einer neuen und besonders tödlichen Form der Grippe? Nein. So einfach ist die Sache nicht. Im Laufe des Films wird nach und nach klar, dass gewisse Wörter der englischen Sprache infiziert wurden, was zur Folge hat, dass sich die Menschen, die diese infizierten Wörter hören oder aussprechen in mörderische Kannibalen verwandeln. Stellen Sie sich vor, was für Auswirkungen infizierte Sprache auf einen Radiomoderator haben kann. Kurz…ein origineller, ein großartiger Einfall.

clip_image001[10]Das Geniale an „Pontypool“ ist, dass sich die Handlung ausschließlich in den beengten Räumlichkeiten des Radiosenders abspielt; dennoch schafft es der Film, den Ernst und die Intensität der Lage mit unglaublicher Eindringlichkeit zu vermitteln und die Spannungsschraube stets weiter anzuziehen. Die Action und der Horror werden durch die Berichte der Reporter vermittelt und entfalten ihre volle Wirkung erst in der Phantasie des Zuschauers. Glauben Sie mir: das Gemetzel zu hören kann genauso schockierend und effektvoll sein wie alles mit eigenen Augen zu sehen. Regisseur Bruce McDonald hat mit viel Geschick einen der schreckenerregendsten Filme der letzten Jahre inszeniert.

Falls Sie sich fragen…ja, die Schreckensszenen sind nicht nur zu hören. Schlussendlich arbeiten sich die zombieartigen Wesen zu Mazzy und seinen Kollegen vor und belagern die Radiostation. Nur gegen Ende gleitet das Ganze ein wenig ab. Es ist deutlich zu erkennen, wie es hätte weitergehen sollen, aber leider wurde dann der Film zu überladen und unübersichtlich, worunter die Spannung ein wenig leidet, weshalb es „Pontypool“ nicht mehr schafft, den Zuschauer voll und ganz in seinen Bann zu ziehen.
Aber das ist eine verzeihbare Schwäche, die dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch tut. „Pontypool“ ist beste Horrorkost und versteht es, den Zuschauer über weite Strecken zu fesseln. Sehen Sie sich den Film auf jeden Fall bis ganz zum Schluss an, denn am Ende des Abspanns gibt es noch eine nette kleine Überraschung!

Fazit: Selten hat in letzter Zeit ein Film mit so geringem Aufwand ähnlich viel Spannung und Gruseln erzeugt wie „Pontypool“. Trotz kleiner Schwächen mit Sicherheit einer der besten Horrorfilme des Jahres. Lassen Sie sich von diesem bösartigen kleinen Film anstecken! „Pontypool“ ist Gänsehaut pur.