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The Fighter (Review)

Freitag, 8. April 2011

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Die Darsteller sind das Beste an dieser Verfilmung der wahren Geschichte des Underdog-Faustkämpfers Micky Ward

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Originaltitel: The Fighter
Herstellungsland: USA 2010
Regie: David O. Russell
Drehbuch: Scott Silver, Paul Tamasy, Eric Johnson, nach einer Story von Paul Tamasy, Eric Johnson und Keith Dorrington
Darsteller: Mark Wahlberg, Christian Bale, Amy Adams, Melissa Leo, Mickey O´Keefe, Jack McGee, Melissa McMeekin, Bianca Hunter, Erica McDermott, Jill Quigg

Schon lange bevor er zum ersten Mal Boxhandschuhe überstreifte, stand Micky Ward immer wieder auf und steckte Schläge ein.

Diese Kämpfe - nicht immer physischer Natur – ereigneten sich bei ihm zu Hause und in seiner Heimatstadt Lowell, Massachusetts, wo er im Schatten seines größeren, leichtsinnigeren Bruders in einer riesigen, zänkischen Familie aufwuchs.

Bis er sich schließlich wehrte – und auch selbst in den Ring stieg.

Das ist die Geschichte von „The Fighter“, einem toll gespielten Drama mit Mark Wahlberg, Christian Bale, Amy Adams und Melissa Leo.

Doch während die Darsteller größtenteils hervorragend sind, bereitet das Set-up Filmemacher David O. Russell ziemliche Probleme.

Das Hauptproblem ist Micky Ward selbst. So wie er im Film dargestellt wird, ist er ein passiver Mensch, der von seiner aufdringlichen Familie beherrscht wird, die drauf und dran ist, dafür zu sorgen, dass seine Karriere den Bach hinunter geht – während Micky sich zurücklehnt und nur ein ganz klein wenig verärgert zu sein scheint.

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Es fällt schwer, so jemandem die Daumen zu drücken. Und obwohl Micky sich letztendlich aus den Klauen dieser Tyrannen befreien kann, gelingt im das nur dank einer resoluten und hübschen Barkeeperin, die genauso ich-weiß-was-gut-für-dich-ist ist wie seine Mutter. Hier kommt der neue Boss, hübscher als der alte Boss.

Zugegeben, am Ende des Films ist Micky für sich selbst eingetreten, zumindest ein wenig. Er ist aber noch immer zu unterwürfig, um als Aufhänger für ein Drama zu dienen. Und falls es einen tieferen Sinn gibt – war zum Beispiel Wards behäbiger Boxstil, dieses geduldige Einstecken von Schlägen, etwas, worauf ihn sein ganzes Leben vorbereitete? -, dann vergisst Russell darauf, dies deutlich zu machen.

Am Ende bleibt es den Schauspielern überlassen, den Film über die Runden zu bringen.

Und diese Aufgabe meistern sie über weite Strecken recht gut. Obwohl Bale die mit Abstand meiste Aufmerksamkeit zuteil wurde, ist seine Darstellung von Mickys Bruder Dickie – einem herumkaspernden Cracksüchtigen – die offensichtlichste, eine auffällige Aneinanderreihung von Mienen und Gesten. Übertrieben und exzentrisch - und somit genau jene Art Schauspielerei, die den Oscarjuroren gefällt.

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Subtiler ist die zugleich harte und kitschige Arbeit von Amy Adams als Mickys Mädchen, eine eiserne Faust in einem Netzhandschuh. Und Melissa Leo liefert in der Rolle der Mutter der beiden Brüder eine weitere großartige Leistung ab und wurde dafür zu Recht mit einem Oscar belohnt.

Selbstverständlich ist Mark Wahlberg der Star des Films, und er war es auch, der maßgeblich dafür verantwortlich war, dass dieses Projekt überhaupt zustande kam. Er ist äußerst solide im Ring und wirklich bewegend in den ruhigeren Momenten des Streifens - wenn er etwa stumm auf der Couch sitzt, während seine Schwestern und seine neue Freundin ihn beschimpfen.

Aber ist das der wahre Micky Ward? Schwer zu sagen. Das Drehbuch kehrt sowohl Beschämendes (etwa Dickies Rückfall in die Kriminalität) als auch Wesentliches (Wards drei erstaunliche Kämpfe gegen Arturo Gatti) unter den Tisch. Das wird wahrscheinlich den einen oder anderen Fans (falls es in unseren Breiten überhaupt welche gibt) enttäuschen.

Fans von soliden darstellerischen Leistungen und stilvoller Regiearbeit werden zufriedener aus dem Kino kommen. Die Schauspieler landen einige gute Gerade. Und Russells Beinarbeit – er verpasst den Kampfszenen den Look von billigen alten Videoaufnahmen und unterlegt sie mit Power Rock – ist beeindruckend.

Doch der eine dramatische K.O.-Schlag? Auf den wartet man vergeblich. Als Film ist „The Fighter“ ein kräftiger, solider Schläger – aber kein wahrer Champion.

Betty Anne Waters (Review)

Dienstag, 22. März 2011

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Ein gut gemeinter, ernster Film, der leider viel zu vorhersehbar ist

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Originaltitel: Conviction
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Tony Goldwyn
Drehbuch: Pamela Gray
Darsteller: Hilary Swank, Sam Rockwell, Minnie Driver, Melissa Leo, Juliette Lewis, Loren Dean, Clea DuVall, Talia Balsam, Peter Gallagher

Dieser gut gemeinte Film beginnt mit der klickenden Doppelbedeutung des (Original-)Titels (Überzeugung und Verurteilung) und müht sich redlich und ohne allzu viel aufzudecken durch das reale Drama eines Mannes, der 1983 zu Unrecht wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Chance auf Bewährung verurteilt wurde, und den Kampf seiner Schwester, die sich, unerschütterlich von seiner Unschuld überzeugt, für die Aufhebung des Urteils einsetzt und dafür sogar extra ein Jusstudium absolviert. Sam Rockwell spielt Kenny Waters, einen Durchschnittstypen, der leicht in Rage gerät und zu Gewaltausbrüchen neigt. Hilary Swank spielt seine Schwester Betty Anne, die ihm sehr nahe steht und einst ähnlich unbeherrscht und rauflüstern war wie er. Melissa Leo spielt Nancy Taylor, die ehrgeizige Polizistin, die es auf den unverschämten Kenny abgesehen hat.

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Als eine alte Frau brutal ermordet wird, bringt Officer Taylor eine Reihe von Zeugen bei, die aussagen, Kenny hätte mit diesem Mord geprahlt. Diese Hörensagen-Indizien reichen aus, um ihn lebenslänglich hinter Gitter zu bringen. Doch in den 1990-er Jahren werden plötzlich DNA-Analysen von Tatortspuren möglich und Betty Anne erkennt, dass sie Kenny möglicherweise freibekommen kann – doch hat die Polizei die Beweise aufgehoben? Und so steuert der Film auf ein vorhersehbares Ende zu: Rockwells Kenny ist nicht sonderlich interessant und Swank lässt nicht einmal ansatzweise jene Intensität erkennen, die Julia Roberts´ Erin Brockovich zu einem Liebling des Publikums machte.

Der Film flirtet gelegentlich mit der Idee von Zweideutigkeit und Suspense – könnte Kenny vielleicht doch der Täter sein? Obwohl dies dem Streifen viel mehr Substanz verliehen und das, was im Wesentlichen ein Fernsehdrama ist, vielleicht in einen mitreißenden Thriller verwandelt hätte, muss „Betty Anne Waters“ die Vorstellung von Kennys Unschuld in jedem Moment aufrechterhalten. Ein viel interessanterer Film hätte über Officer Taylor gedreht werden können: Leo erscheint leider viel zu kurz auf der Leinwand. Die Methoden und Motive dieser Polizistin, deren Machenschaften schlussendlich zu Kennys Verurteilung führen, werden in Frage gestellt – aber ist sie die Böse oder nicht? Dieser ernsthafte und langweilige Film möchte darauf keine Antwort geben.

Fazit: Ein glorifiziertes Fernsehdrama, das auf wahren Tatsachen beruht, bei dem jedoch nie Spannung aufkommen will. Einzig einige Darstellerinnen – Melissa Leo, Juliette Lewis, Minnie Driver - vermögen zu überzeugen.

Justin Bieber: Never Say Never (Review)

Montag, 14. März 2011

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Ein bewundernder, unkritischer Blick auf eine Popsensation

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Originaltitel: Justin Bieber: Never Say Never
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Jon Chu
Stars: Justin Bieber, Boys II Men, Usher, Miley Cyrus, Sean Kingston, Ludacris, Jaden Smith

Es ist nur allzu leicht, sich über Justin Bieber lustig zu machen - nicht dass uns das davon abhalten sollte.

Er verdankt seinen Erfolg YouTube-Clips, Auftritten in Einkaufszentren und 11-jährigen Mädchen. Seine berühmte Frisur sieht aus, als hätte er sie einer Ice Capades-Königin der 1970-er Jahre gestohlen.

Er ist uncool.

Worauf ich, wie seine Millionen 11-jähriger Fans, nur sagen kann – yeah, well, whatever.

Denn bei dem Phänomen Bieber hat nichts mit Ihnen oder mit mir zu tun, genauso wenig wie die Monkees (oder Shaun Cassidy oder Rick Springfield oder Hanson – picken Sie sich den Teenyschwarm Ihrer Generation heraus) etwas mit unseren Eltern zu tun hatten. Es geht einzig und allein darum, leicht verdauliche Popmusik für Heranwachsende zu machen.

Und das ist ein viel härterer Job, als viele zugeben wollen.

Der Knabe verdient ein wenig Anerkennung – und sein neuer 3D-Konzertfilm „Justin Bieber: Never Say Never“ sorgt dafür, dass sie ihm zuteil wird. Doch der Streifen ist so klinisch sauber, so autorisiert, dass der Zuschauer nicht die Möglichkeit hat, sich eine eigene Meinung über den singenden Knirps und das, wofür er steht, zu machen.

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Fragen, die Teenager vielleicht interessieren („Hat Justin eine Freundin?“), werden hier nicht beantwortet. Diejenigen, die die Eltern bewegen („Erhält der Bub überhaupt richtigen Unterricht?“) werden größtenteils nicht gestellt.

Und etliche unangenehme Details – etwa der Umstand, dass seine Mutter ihn seinen ersten professionellen Vertrag nicht unterschreiben lassen wollte, weil der Manager Jude war – werden völlig ausgeklammert.

Das war aber auch nicht anders zu erwarten. Schließlich ist dies nur ein weiteres gut verpacktes Popstar-Produkt.

Dennoch beweist der Streifen – inszeniert von Jon Chu, dem Veteranen zweier „Step Up“-Filme – ab und zu einen hinterhältigen Sinn für Humor.

Er beginnt damit, dass er Bieber in den entsprechenden historischen Kontext bringt – der kleine Kanadier ist eine virale Internet-Sensation, genau wie Videos von herzigen Kätzchen oder Hochzeitspannen. Er beinhaltet eine Zeitlupenode an die berühmte Frisur. (Leute, die ihn vor allem aufgrund seiner Haare werden wahrscheinlich entsetzt sein, wenn sie sehen, dass sein Großvater ein Glatzkopf ist.)

Und wir bekommen (obwohl es seltsamerweise nur sehr wenige Szenen gibt, die Bieber beim Proben zeigen) jede Menge Bildmaterial von seinem Weg an die Spitze zu sehen - von den Jahren, in denen er bei lokalen Talentshows und in Wasservergnügungsparks auftrat. Diese teils privaten Videoaufnahmen sind mitunter so schlecht, so verschwommen, dass sie fast schon als impressionistisch bezeichnet werden können.

Dennoch, sein Tanzen ist eher athletisch als künstlerisch (als Usher im kurz auf der Bühne Gesellschaft leistet, stiehlt der Ältere unserem kleinen Helden mit einem einzigen raschen Hüftschwung die Show). Obwohl er mittlerweile 17 Jahre alt ist, scheinen seine Stimme und sein Gesicht in der Kindheit steckengeblieben zu sein. (Es ist fast schon gruselig, kreischende erwachsene Frauen unter seinen Fans zu sehen.)

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Nicht dass die jüngeren Fans diesen Dingen besondere Aufmerksamkeit schenken würden. Die überproduzierte Musik hämmert professionell vor sich hin. Die Texte sind blitzsauber und anständig bis zur Langeweile. Das Image - ganz Baseballkappe und Herzchen und Kapuzen und violett (seine Lieblingsfarbe) - ist durchgehend dasselbe und äußerst gut vermarktbar.

Justin Bieber bringt sehr vielen Menschen sehr viel Geld ein, nicht zuletzt seiner doch arg frömmelnden Mutter und dem aalglatten Manager. (Selbst der Vater, der Biebers Mutter verließ, als der kleine 10 Monate alt war, taucht, vermutlich vom Klang des Geldes angelockt, hinter der Bühne auf.) Doch wer ist Justin Bieber wirklich? Was könnte aus ihm werden?

Trotz seiner viel gerühmten 3D-Effekte bleibt „Never Say Never“ eine ziemlich eindimensionale Angelegenheit und nähert sich dem winzigen kanadischen Pophänomen nie wirklich an.

Fazit: Eine perfekt produzierte, doch allzu oberflächliche filmische Lobhudelei, die kaum Einblicke in das Leben des Teenyschwarms bietet.

The Lady: Neue Bilder von Luc Bessons nächstem Film

Mittwoch, 22. Dezember 2010

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The-Lady-4-217x150 Der britische Guardian veröffentlichte vor kurzem die ersten Standbilder von Luc Bessons nächstem Projekt, das den Titel „The Lady“ trägt. Es erzählt die Geschichte der burmesischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die erst vor wenigen Wochen wieder einmal aus langjährigem Hausarrest entlassen wurde.

Die Hauptrolle wurde mit Michelle Yeoh besetzt, die die Gelegenheit hatte, die Frau zu treffen, die sie auf der Leinwand darstellen wird und von der sie sehr beeindruckt war.

Außerdem wurden erste Einzelheiten des Filmes bekannt geben, der kein typisches Biopic werden, sondern sich auf einige wenige dramatische Jahre im Leben von Aung San Suu Kyi und ihrem von David Thewlis gespielten Ehemann konzentrieren wird:

Der Film wird ihren bemerkenswerten Weg von der Hausfrau, die ihre Kinder in Oxford großzieht, zu der starken Kämpferin und Führerin der Opposition, die sich ohne Furcht Burmas Generälen entgegenstellt, schildern.

Am Höhepunkt des Filmes muss sie eine schwere Entscheidung treffen: Soll sie sich ganz ihrer Familie, besonders dem unheilbar an Krebs erkrankten Ehemann, widmen oder sich mit aller Kraft für ihr Land einsetzen?

Die Dreharbeiten für dieses interessante Projekt sollen in den nächsten Wochen beginnen. Wenn alles wie geplant läuft, kommt der Film im zweiten Halbjahr 2011 in die Kinos.

Hier sind die Bilder:

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Ben Barnes ist nicht der einzige, der auf dem neuen Poster Bono killt

Mittwoch, 15. Dezember 2010

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killing-bono-220x139 Wie stellt man es eigentlich an, wenn man Bono wirklich killen möchte? Einen Mann, der so zu so einem großen Star wurde, dass er praktisch unangreifbar ist, zumal für seine ehemaligen Schulkameraden, die nur gleich ihm Rockstars werden möchten.

Das ist die Prämisse von Nick Hamms neuem Film „Killing Bono“ mit Ben Barnes („Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“), Robert Sheehan, Krysten Ritter und Pete Postlethwaite…allerdings ohne das tatsächliche Töten.

Vor kurzem wurde das neueste Poster veröffentlicht, auf dem die Hauptdarsteller mehr oder weniger wie auf Fahndungsfotos aussehen. Es sieht fast so aus wie das „Burlesque“-Poster, nur dass es mit zwei zusätzlichen Gesichtern „aufgefettet“ wurde. Ich überlasse es Ihnen, zu entscheiden, ob das eine gute Idee ist.

„Killing Bono“ kommt am 1. April zunächst einmal in die britischen Kinos. (Sollten Sie den Trailer verpasst haben, finden Sie ihn im Anschluss an das Poster.)

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Nowhere Boy (Review)

Montag, 13. Dezember 2010

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Portrait des Künstlers als junger Musiker

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Originaltitel: Tangled
Herstellungsland: GB/CAN 2009
Regie: Sam Taylor-Wood
Drehbuch: Matt Greenhalgh, basierend auf den Memoiren von Julia Baird
Darsteller: Aaron Johnson, Kristin Scott Thomas, David Threlfall, Josh Bolt, Ophelia Lovibond, Kerrie Hayes, Angela Walsh, Paul Ritter, Richard Syms, Anne-Marie Duff, David Morrissey

Jeder große Künstler beginnt als Kind, auf das niemand hört.

Die Künstler mögen in ihrer Kindheit nicht unglücklich gewesen sein. Sie mögen sehr geliebt worden sein. Aber sie hatten nie das Gefühl, richtig verstanden zu werden. Und Kunst wird ihre Art zu sagen: „Hört mich an!“

Bisweilen schreien sie es auch hinaus, immer und immer wieder.

So war es bei John Lennon der Fall. Er füllte ganze Notizbücher mit Gedichten. Seine Lehrer sagten ihm, er solle aufhören, seine Zeit zu vergeuden. Er begann, die Grundlagen der Musik zu erlernen. Seine Tante Mimi sagte zu ihm, eine Gitarre sei „in Ordnung“, aber „du wirst damit nie deinen Lebensunterhalt verdienen.“

Unzählige großartige Popsongs waren seine Methode, allen Kritikern zu zeigen, dass sie Unrecht hatten.

„Nowhere Boy“ ist der neueste in einer Reihe von Filmen - „Geliebte Jane“, „Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft“ -, die uns zeigen, wie der oder die Heranwachsende zum Künstler wurde. Diese spezielle Geschichte beginnt 1955, als Johns Onkel George ihm eine Mundharmonika schenkt; sie endet fünf Jahre später, als John für seinen ersten großen Auftritt mit den Beatles nach Hamburg aufbricht.

Sein Leben hatte sich total verändert. Und die Musikwelt sollte sich bald ändern…

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Falls sie sich auch nur ein wenig für die Beatles interessieren, sind Ihnen die Fakten der Story sicher bekannt – wie Lennons lebensfrohe, aber verantwortungslose Mutter ihn zu ihrer strengen Schwester abschob, damit diese ihn erziehe, und wie Mutter und Sohn Jahre später wieder zueinander fanden, nur um erneut getrennt zu werden.

Zorn und Vergebung, Rebellion und häusliches Leben - das waren die Pole, zwischen denen er für den Rest seines Lebens hin und her schwanken würde.

Der nicht sonderlich geglückte Streifen „Nowhere Boy“ versucht dies zu dramatisieren, was vor allem dank einiger sehr guter Darsteller auch halbwegs gelingt. Obwohl er blaue Augen hat (waren braune Kontaktlinsen zu viel der Mühe?), bekommt Aaron Johnson den Tonfall eines jungen Lennon recht gut hin, ohne dabei in billige „Beatlemania“ Mimikry zu verfallen – er wird vor den Augen des Zuschauers tatsächlich zu dem, der er werden sollte.

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Während Kristin Scott Thomas´ Tante Mimi ein wenig eindimensional ist - sie scheint „Kein Spaß“ auf ihrer Stirn stehen zu haben -, ist Anne-Marie Duffs Julia wunderbar kompliziert. Kokett, zerbrechlich, schamlos unangepasst, ist sie alles das, was eine Mutter nicht sein sollte – und alles, was ihr Sohn in späteren Jahren verehren und betrauern sollte.

Das alles findet sich im Film – doch leider zusammen mit einer Regie, die zeitweise unsicher wirkt und zu unbeholfenen Erfindungen Zuflucht nimmt. (Das liebste Stilmittel von Regisseur Sam Taylor-Wood ist der surreale Traum, immer ein Zeichen dafür, dass man es mit einem Filmemacher zu tun hat, der zu blenden versucht, weil er keine klare Linie hat.)

Die tatsächlichen musikalischen Details sind ebenfalls dürftig, was ein wesentlich größeres Problem darstellt. Es wäre schön, zu sehen, wie es genau ablief, als John und sein neuer Freund Paul McCartney ihre ersten gemeinsamen Songs schrieben. (Und es wäre noch schöner, sähe der junge Darsteller auch wirklich wie der junge Paul McCartney aus.)

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Und selbstverständlich gibt es - vor allem wegen der Zeit, in der der Film spielt, aber auch dank der allenfalls zu zahlenden Tantiemen – in „Nowhere Boy“ keine Musik der Beatles zu hören, sondern nur ein kleines Stückchen von Lennons herzzerreißendem Solo-Song „Mother“ im Abspann.

Aber schließlich waren die Beatles damals auch noch nicht Teil der musikalischen Landkarte. „Nowhere Boy“ erzählt von John, ehe er berühmt wurde - von einer Zeit, als er nur John Winston Lennon aus der Menlove Avenue in Liverpool war. Als er etwas zu sagen hatte, aber niemanden, der ihm zuhören wollte.

Als er – noch nicht - wusste, wie er sich Gehör verschaffen sollte.

Fazit: Bemühte Filmbiographie, die vor allem von den hervorragenden Schauspielern lebt. Beatles-Fans werden sich vor allem an fehlenden Details stoßen, alle anderen wahrscheinlich an etlichen Längen.

127 Hours: Neuer Clip gelandet

Dienstag, 2. November 2010

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Danny Boyles neuester Film bildete vor wenigen Tagen den Abschluss des 54. London Film Festival. Reaktionen von Publikum und Presse waren eher zurückhaltend, aber alle waren sich einig, dass James Francos darstellerische Leistung so ziemlich das Beste an „127 Hours“ ist. Der neue Clip gewährt uns einen kurzen Blick auf den Mann.

Dieser Clip stammt eher vom Anfang des Films und das kleine Missgeschick, das dem Helden hier widerfährt, ist gar nichts im Vergleich zu dem, was Aron Ralston, dem Abenteurer, dessen Geschichte Boyle und Franco hier erzählen, später blüht.

„127 Hours“ kommt am 24. Februar in die deutschen Kinos.

Amelia – Das Leben der Amelia Earhart

Donnerstag, 17. Juni 2010

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Dieser Film kommt, ähnlich wie seine Heldin, nie ans Ziel

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Originaltitel: Amelia
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Mira Nair
Drehbuch: Ronald Bass, Anna Hamilton Phelan, basierend auf Büchern von Susan Butler und Mary S. Lovell
Darsteller: Hilary Swank, Richard Gere, Ewan McGregor, Christopher Eccleston, Joe Anderson, Cherry Jones, Mia Wasikowska, Dylan Roberts

Amelia Earhart trug Hosen.

Außerdem Männerkrawatten und eine zerzauste Bubenfrisur. Und sie weigerte sich standhaft, ihre mehr als reichlich vorhandenen Sommersprossen mit Make-up zu verdecken – zumindest wenn es nach „Amelia“ geht, einem neuen Drama, in dem Hilary Swank die legendäre Luftfahrtpionierin spielt.

Auch nahm sie es in ihrer Ehe mit dem Verleger George „G.P.“ Putnam (Richard Gere) mit der sexuellen Treue nicht allzu genau. Um es mit den Worten eines ihrer Flugkameraden, des Navigators Fred Noonan (Christopher Eccleston), zu sagen: Sie genoss es, wie ein Mann durch die Betten zu turnen.

Oh, ja. Und außerdem war sie die ersten Frau, die allein über den Atlantik flog, und das zu einer Zeit, und das im Jahre 1928, also zu einer Zeit, da die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen noch nicht einmal Auto fuhren. Einige Jahre später gelang es ihr zusammen mit Noonan beinahe, die Erde zu umrunden. Doch dann verschwand ihr Flugzeug irgendwo über dem Pazifik. Das war 1937.

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Amelia Earhart war eine unkonventionelle Frau. Eine außergewöhnliche sogar.

Weshalb wirkt dann diese Filmbiographie, in Szene gesetzt von Mira Nair - deren einzige Qualifikation darin zu bestehen scheint, dass sie eine Frau ist, die andere Filme mit und über Frauen gedreht hat („Mississippi Masala“, „Vanity Fair“) – so durch und durch gewöhnlich , ja konservativ?

Könnte es daran liegen, dass den meisten, die sich für diese Art von Filmen interessieren, schon ausreichend über Earharts Leistungen und die noch immer mysteriösen Umstände ihres Verschwindens/Todes Bescheid wissen? Schon als Amelia Earhart gleich zu Beginn des Filmes zu ihrem letzten großen Abenteuer aufbricht, muss jedem klar sein, wie das Ganze enden wird. Selbst denjenigen, die bis dato noch nie von der Frau gehört haben, wird von der ersten Einstellung an der tragische Ausgang mehr als deutlich signalisiert. „Werden Sie das Fliegen aufgeben“, fragt sie ein Reporter, „wenn sie diesen Meilenstein erreicht haben?“ „Nicht, so lange noch ein Funken Leben in mir ist“, erwidert Earhart unheilschwanger. Nair lässt Swank diesen Satz später, gegen Ende des Filmes, wiederholen, nur für den Fall, dass irgendjemand im Publikum schwer von Begriff sein sollte.

Nicht dass es in dieser Lebensgeschichte nicht genug Möglichkeiten zu dramatischer Gestaltung bieten würde. Die feministische Fliegerin hatte jede Menge Sexismus zu überwinden, um überhaupt im Cockpit akzeptiert zu werden. Bei einem Transatlantikflug, der ihrem Solotrip voranging, musste sie mit dem Status eines Passagiers vorlieb nehmen. Obwohl sie den Titel „Commander“ trug, saß sie auf der Rückbank, während ein Mann das tatsächliche Fliegen übernahm. Und die Flüge selbst waren mit vielen Gefahren verbunden, wie uns Putnam ein ums andere Mal erinnert, denn viele Piloten starben bei dem Versuch, das zu tun, was Amelia gelang. Auch hätte die Möglichkeit bestanden, die Idee aufzugreifen, dass Earhart die erste Kreation der modernen Massenmedien war, eher versiert in der Selbstvermarktung (sie war ein Genie, wenn es darum ging lukrative Ausrüsterverträge abzuschließen) als wirklich talentiert (zeitgenössische Flieger hielten nicht sonderlich viel von ihr).

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Vielleicht ist das ja teil des Problems. Es gibt hier so viel zu erzählen, dass es eben erzählt und nicht gezeigt wird. „Wir fliegen seit mehr als 19 Stunden!“ ruft Bill (Joe Anderson), der Pilot, der bei Earharts erster Atlantiküberquerung an den Instrumenten saß. Nair nimmt sogar zu dem ältesten aller Filmtricks Zuflucht, um die Exposition ein wenig zu kürzen: einer Montage von rotierenden Zeitungsschlagzeilen. („Citizen Kane“ lässt grüßen.)

Niemand erwartet hier einen tollen Actionkracher oder eine Miniserie, aber über weite Strecken hat man das Gefühl, eine Dokumentation auf dem History Channel zu verfolgen – respektvoll und übergenau bis zur Ehrerbietigkeit – als eine unterhaltsame Geschichte. Und das trotz einer Szene, in der Earhart beinahe aus dem Flugzeug fällt, während sie über dem Atlantik in einem seltsamen Etwas dahinschwebt, das wie eine fliegende Blechdose aussieht.

Hätten die Macher des Films doch nur ebensoviel riskiert. Es gibt unzählige Theorien darüber, was Amelia Earhart auf ihrem letzten Flug zugestoßen sein könnte, doch in dem Streifen wird darauf nicht im geringsten eingegangen, stattdessen begnügt man sich mit einem vagen, offenen Ende, das historisch unbedenklich und filmisch langweilig ist.

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Es scheint auch nicht sonderlich hilfreich gewesen zu sein, dass Hilary Swank bei diesem Streifen als Ausführende Produzentin fungierte. Wie es zuweilen passiert, wenn sich Schauspieler selbst Jobs geben, macht auch „Amelia“ ein wenig den Eindruck eines Eitelkeitsprojekts. Spätestens nach der zehnten Großaufnahme von Earharts sommersprossigem, vor lauter Entschlossenheit verzerrtem Gesicht an den Steuerknüppeln eines Flugzeugs wirkt der Film nur noch wie ein (letztlich fehlgeschlagener) Versuch, der zweifachen Oscargewinnerin Chancen auf eine dritte Statuette einzuräumen.

Am Ende fragt man sich nicht, was aus der Pilotin wurde, sondern wo der Mensch Amelia Earhart geblieben ist. Zugegeben, die Figur, wie sie von Hilary Swank dargestellt wird, hat auch Fehler. Aber nicht viele. Auf der Leinwand wird einem viel Mut und Entschlossenheit geboten. Lebensnahe Figuren leider nicht.

Wer kann es Hilary Swank verdenken, dass sie sich von Earharts Leben angezogen fühlt(e)? Es ist schließlich eine Quelle der Inspiration für kleine Mädchen in aller Welt, zumindest jedoch in Amerika. All diejenigen, die sich eine etwas erwachsenere Sichtweise erwarten, haben, so wie die Fliegerin, leider kein Glück.

Fazit: „Amelia“ enttäuscht auf der ganzen Linie. Der Film ist langatmig, das hervorragende Ensemble ist sträflich unterfordert, über die Titelfigur erfährt man so gut wie nichts. Einzig einige schöne Bilder bleiben im Gedächtnis.