Ein gut gemeinter, ernster Film, der leider viel zu vorhersehbar ist
Originaltitel:Conviction Herstellungsland: USA 2010 Regie:Tony Goldwyn Drehbuch:Pamela Gray Darsteller:Hilary Swank, Sam Rockwell, Minnie Driver, Melissa Leo, Juliette Lewis, Loren Dean, Clea DuVall, Talia Balsam, Peter Gallagher
Dieser gut gemeinte Film beginnt mit der klickenden Doppelbedeutung des (Original-)Titels (Überzeugung und Verurteilung) und müht sich redlich und ohne allzu viel aufzudecken durch das reale Drama eines Mannes, der 1983 zu Unrecht wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Chance auf Bewährung verurteilt wurde, und den Kampf seiner Schwester, die sich, unerschütterlich von seiner Unschuld überzeugt, für die Aufhebung des Urteils einsetzt und dafür sogar extra ein Jusstudium absolviert. Sam Rockwell spielt Kenny Waters, einen Durchschnittstypen, der leicht in Rage gerät und zu Gewaltausbrüchen neigt. Hilary Swank spielt seine Schwester Betty Anne, die ihm sehr nahe steht und einst ähnlich unbeherrscht und rauflüstern war wie er. Melissa Leo spielt Nancy Taylor, die ehrgeizige Polizistin, die es auf den unverschämten Kenny abgesehen hat.
Als eine alte Frau brutal ermordet wird, bringt Officer Taylor eine Reihe von Zeugen bei, die aussagen, Kenny hätte mit diesem Mord geprahlt. Diese Hörensagen-Indizien reichen aus, um ihn lebenslänglich hinter Gitter zu bringen. Doch in den 1990-er Jahren werden plötzlich DNA-Analysen von Tatortspuren möglich und Betty Anne erkennt, dass sie Kenny möglicherweise freibekommen kann – doch hat die Polizei die Beweise aufgehoben? Und so steuert der Film auf ein vorhersehbares Ende zu: Rockwells Kenny ist nicht sonderlich interessant und Swank lässt nicht einmal ansatzweise jene Intensität erkennen, die Julia Roberts´ Erin Brockovich zu einem Liebling des Publikums machte.
Der Film flirtet gelegentlich mit der Idee von Zweideutigkeit und Suspense – könnte Kenny vielleicht doch der Täter sein? Obwohl dies dem Streifen viel mehr Substanz verliehen und das, was im Wesentlichen ein Fernsehdrama ist, vielleicht in einen mitreißenden Thriller verwandelt hätte, muss „Betty Anne Waters“ die Vorstellung von Kennys Unschuld in jedem Moment aufrechterhalten. Ein viel interessanterer Film hätte über Officer Taylor gedreht werden können: Leo erscheint leider viel zu kurz auf der Leinwand. Die Methoden und Motive dieser Polizistin, deren Machenschaften schlussendlich zu Kennys Verurteilung führen, werden in Frage gestellt – aber ist sie die Böse oder nicht? Dieser ernsthafte und langweilige Film möchte darauf keine Antwort geben.
Fazit: Ein glorifiziertes Fernsehdrama, das auf wahren Tatsachen beruht, bei dem jedoch nie Spannung aufkommen will. Einzig einige Darstellerinnen – Melissa Leo, Juliette Lewis, Minnie Driver - vermögen zu überzeugen.
Die netten Leute von Icon Film haben den ersten Trailer für den Hammer-Horrorfilm „The Resident“ veröffentlicht.
In dem von Antti Jokinen (er gibt sein Spielfilmdebüt) inszenierten Streifen spielen Hilary Swank, Jeffrey Dean Morgan, Christopher Lee, Lee Pace und Peggy Miley.
Als eine junge Ärztin (Swank) vermutet, dass sie nicht allein in ihrer neuen Wohnung in Brooklyn möglicherwiese nicht allein ist, muss sie erfahren, dass ihr Vermieter (Lee) auf erschreckende Weise von ihr besessen ist.
„The Resident“ kommt am 11. März in die britischen Kinos, erscheint aber schon am 10. Februar in Deutschland auf DVD und Blu-ray.
Dieser Film kommt, ähnlich wie seine Heldin, nie ans Ziel
Originaltitel:Amelia Herstellungsland:USA 2009 Regie:Mira Nair Drehbuch:Ronald Bass, Anna Hamilton Phelan, basierend auf Büchern von Susan Butler und Mary S. Lovell Darsteller:Hilary Swank, Richard Gere, Ewan McGregor, Christopher Eccleston, Joe Anderson, Cherry Jones, Mia Wasikowska, Dylan Roberts
Amelia Earhart trug Hosen.
Außerdem Männerkrawatten und eine zerzauste Bubenfrisur. Und sie weigerte sich standhaft, ihre mehr als reichlich vorhandenen Sommersprossen mit Make-up zu verdecken – zumindest wenn es nach „Amelia“ geht, einem neuen Drama, in dem Hilary Swank die legendäre Luftfahrtpionierin spielt.
Auch nahm sie es in ihrer Ehe mit dem Verleger George „G.P.“ Putnam (Richard Gere) mit der sexuellen Treue nicht allzu genau. Um es mit den Worten eines ihrer Flugkameraden, des Navigators Fred Noonan (Christopher Eccleston), zu sagen: Sie genoss es, wie ein Mann durch die Betten zu turnen.
Oh, ja. Und außerdem war sie die ersten Frau, die allein über den Atlantik flog, und das zu einer Zeit, und das im Jahre 1928, also zu einer Zeit, da die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen noch nicht einmal Auto fuhren. Einige Jahre später gelang es ihr zusammen mit Noonan beinahe, die Erde zu umrunden. Doch dann verschwand ihr Flugzeug irgendwo über dem Pazifik. Das war 1937.
Amelia Earhart war eine unkonventionelle Frau. Eine außergewöhnliche sogar.
Weshalb wirkt dann diese Filmbiographie, in Szene gesetzt von Mira Nair - deren einzige Qualifikation darin zu bestehen scheint, dass sie eine Frau ist, die andere Filme mit und über Frauen gedreht hat („Mississippi Masala“, „Vanity Fair“) – so durch und durch gewöhnlich , ja konservativ?
Könnte es daran liegen, dass den meisten, die sich für diese Art von Filmen interessieren, schon ausreichend über Earharts Leistungen und die noch immer mysteriösen Umstände ihres Verschwindens/Todes Bescheid wissen? Schon als Amelia Earhart gleich zu Beginn des Filmes zu ihrem letzten großen Abenteuer aufbricht, muss jedem klar sein, wie das Ganze enden wird. Selbst denjenigen, die bis dato noch nie von der Frau gehört haben, wird von der ersten Einstellung an der tragische Ausgang mehr als deutlich signalisiert. „Werden Sie das Fliegen aufgeben“, fragt sie ein Reporter, „wenn sie diesen Meilenstein erreicht haben?“ „Nicht, so lange noch ein Funken Leben in mir ist“, erwidert Earhart unheilschwanger. Nair lässt Swank diesen Satz später, gegen Ende des Filmes, wiederholen, nur für den Fall, dass irgendjemand im Publikum schwer von Begriff sein sollte.
Nicht dass es in dieser Lebensgeschichte nicht genug Möglichkeiten zu dramatischer Gestaltung bieten würde. Die feministische Fliegerin hatte jede Menge Sexismus zu überwinden, um überhaupt im Cockpit akzeptiert zu werden. Bei einem Transatlantikflug, der ihrem Solotrip voranging, musste sie mit dem Status eines Passagiers vorlieb nehmen. Obwohl sie den Titel „Commander“ trug, saß sie auf der Rückbank, während ein Mann das tatsächliche Fliegen übernahm. Und die Flüge selbst waren mit vielen Gefahren verbunden, wie uns Putnam ein ums andere Mal erinnert, denn viele Piloten starben bei dem Versuch, das zu tun, was Amelia gelang. Auch hätte die Möglichkeit bestanden, die Idee aufzugreifen, dass Earhart die erste Kreation der modernen Massenmedien war, eher versiert in der Selbstvermarktung (sie war ein Genie, wenn es darum ging lukrative Ausrüsterverträge abzuschließen) als wirklich talentiert (zeitgenössische Flieger hielten nicht sonderlich viel von ihr).
Vielleicht ist das ja teil des Problems. Es gibt hier so viel zu erzählen, dass es eben erzählt und nicht gezeigt wird. „Wir fliegen seit mehr als 19 Stunden!“ ruft Bill (Joe Anderson), der Pilot, der bei Earharts erster Atlantiküberquerung an den Instrumenten saß. Nair nimmt sogar zu dem ältesten aller Filmtricks Zuflucht, um die Exposition ein wenig zu kürzen: einer Montage von rotierenden Zeitungsschlagzeilen. („Citizen Kane“ lässt grüßen.)
Niemand erwartet hier einen tollen Actionkracher oder eine Miniserie, aber über weite Strecken hat man das Gefühl, eine Dokumentation auf dem History Channel zu verfolgen – respektvoll und übergenau bis zur Ehrerbietigkeit – als eine unterhaltsame Geschichte. Und das trotz einer Szene, in der Earhart beinahe aus dem Flugzeug fällt, während sie über dem Atlantik in einem seltsamen Etwas dahinschwebt, das wie eine fliegende Blechdose aussieht.
Hätten die Macher des Films doch nur ebensoviel riskiert. Es gibt unzählige Theorien darüber, was Amelia Earhart auf ihrem letzten Flug zugestoßen sein könnte, doch in dem Streifen wird darauf nicht im geringsten eingegangen, stattdessen begnügt man sich mit einem vagen, offenen Ende, das historisch unbedenklich und filmisch langweilig ist.
Es scheint auch nicht sonderlich hilfreich gewesen zu sein, dass Hilary Swank bei diesem Streifen als Ausführende Produzentin fungierte. Wie es zuweilen passiert, wenn sich Schauspieler selbst Jobs geben, macht auch „Amelia“ ein wenig den Eindruck eines Eitelkeitsprojekts. Spätestens nach der zehnten Großaufnahme von Earharts sommersprossigem, vor lauter Entschlossenheit verzerrtem Gesicht an den Steuerknüppeln eines Flugzeugs wirkt der Film nur noch wie ein (letztlich fehlgeschlagener) Versuch, der zweifachen Oscargewinnerin Chancen auf eine dritte Statuette einzuräumen.
Am Ende fragt man sich nicht, was aus der Pilotin wurde, sondern wo der Mensch Amelia Earhart geblieben ist. Zugegeben, die Figur, wie sie von Hilary Swank dargestellt wird, hat auch Fehler. Aber nicht viele. Auf der Leinwand wird einem viel Mut und Entschlossenheit geboten. Lebensnahe Figuren leider nicht.
Wer kann es Hilary Swank verdenken, dass sie sich von Earharts Leben angezogen fühlt(e)? Es ist schließlich eine Quelle der Inspiration für kleine Mädchen in aller Welt, zumindest jedoch in Amerika. All diejenigen, die sich eine etwas erwachsenere Sichtweise erwarten, haben, so wie die Fliegerin, leider kein Glück.
Fazit:„Amelia“ enttäuscht auf der ganzen Linie. Der Film ist langatmig, das hervorragende Ensemble ist sträflich unterfordert, über die Titelfigur erfährt man so gut wie nichts. Einzig einige schöne Bilder bleiben im Gedächtnis.