Leo ist ein ausgezeichneter Schauspieler, der alle Arten von Emotionen ausdrücken kann. Er scheint jedoch besonders gern zu schreien.
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Leo ist ein ausgezeichneter Schauspieler, der alle Arten von Emotionen ausdrücken kann. Er scheint jedoch besonders gern zu schreien.
Trotz meiner nicht sonderlich enthusiastischen ersten Reaktion auf „Inception“ habe ich mir die Zeit genommen, den von so vielen hochgelobten Streifen noch einmal in aller Ruhe anzusehen, weil: a) nicht viel anderes im Kino lief und b) ich mich vergewissern wollte, dass Christopher Nolans achtes Werk definitiv kein Meisterwerk ist.
Und es ist keines. Sicher, „Inception“ ist das visuell beeindruckendste Spektakel, das ich in diesem Jahr gesehen habe, und die letzte Stunde ist äußerst gelungen, aber es gibt doch auch einige störende Dinge, die dafür sorgen, dass der Film nicht das Magnum Opus ist, zu dem ihn manche (Christopher Nolan eingeschlossen) erklären wollen. Genau genommen handelt es sich um 10 Dinge.
1. Die erste Hälfte ist todlangweilig
Wenn der Abspann läuft und die Lichter angehen, ist man versucht, „Inception“ gegenüber besonders großzügig zu sein. Immerhin macht es einem eine letzte Stunde vollgepackt mit spektakulärer Action sehr leicht, all das zu vergessen, was davor kam: 90 Minuten des banalsten Schwachsinns, den man sich nur vorstellen kann.
Man lässt furchtbare, furchtbare Dialoge über sich ergehen, von denen die meisten auf Ken Watanabe entfallen (hat sich der gute Mann etwas zuschulden kommen lassen?), erduldet eine scheinbar endlose Parade verrückter computergenerierter Architektur und kann sich irgendwie des Gefühls nicht erwehren, dass man die ganze Zeit auf den Beginn des Hauptfilmes wartet.
2. Irgendjemand hat Christopher Nolan in den Erklärungsmodus versetzt
Christopher Nolan zählt nicht zu den Filmemachern, die auf Mehrdeutigkeit versessen sind. Zumeist gereicht das seinen Filmen zum Vorteil: ein Film wie „Prestige – Die Meister der Magie“ hätte sehr leicht auf irritierende Weise unschlüssig wirken können, hätte er nicht so streng auf die Logik geachtet. Dasselbe kann jedoch nicht von „Inception“ gesagt werden, denn 50% des Filmes könnte man durch eine Einstellung ersetzen, in der Nolan in die Kamera blickt und den Plot erklärt.
Einige Kritiker haben den Film mit „Mullholland Drive“ verglichen, aber während David Lynchs Streifen durch das Vorenthalten jedweder Eindeutigkeit oder Erklärung mühelos fasziniert, hat Nolan nicht annähernd so viel Vertrauen zu seinem Publikum.
Deshalb führte er Ariadne ein, eine Figur die so offensichtlich „für das Publikum sprechen“ soll, dass Herr Nolan gut daran getan hätte, statt Ellen Page einen richtigen Spiegel zu engagieren. Es ist ziemlich schockierend, in einem Film, der weithin als Meisterwerk gehandelt wird, mit so einer linkischen, durchschaubaren Exposition konfrontiert zu werden. Könnte man dem Film nicht folgen ohne diese ständigen Fragen von Ariadne, was denn nun gerade geschieht??
3. Es gibt keine Charaktere
Ich gebe nur allzu gerne zu, dass „Inception“ mit einem der interessantesten Ensembles des Jahres 2010 aufwartet. Leo, Joseph, Ellen, Cillian und Marion stehen gemeinsam für so ziemlich alles, was es derzeit an Positivem in Hollywood gibt, und ich erwartete mir von ihnen allen herausragende darstellerische Leistungen. Stattdessen erscheint jeder Charakter in Nolans ausschließlich auf den Plot fixiertem Film zu einem hohlen Archetyp reduziert. Mehrere von ihnen scheinen sogar derselbe Archetyp zu sein.
Selbst DiCaprios Cobb, der einzige Charakter, der wenigstens ein bisschen emotionale Tiefe aufweist, hat nur einen einzigen Charakterfehler, und selbst der wird innerhalb von fünf Minuten nach dem Auftauchen von Ariadne der großen Erklärerin enthüllt, definiert und beseitigt.
4. Der Subplot mit der toten Ehefrau funktioniert nicht
„Inception“ ist der zweite Film hintereinander, in dem wir Leonardo DiCaprios Verkörperung eines verwitweten Mannes zu sehen bekommen, der versucht, sich in eine Welt der Selbsttäuschung und Halluzination zu flüchten. Die unvermeidlichen Vergleiche mit Martin Scorseses „Shutter Island“ fallen für „Inception“ unglücklicherweise immer wenig schmeichelhaft aus.
Nolan scheint sich bewusst zu sein, dass Emotionen nicht gerade zu seinen Stärken zählen, weshalb er verzweifelt an bombastischer Musik, unnötigen Kommentaren aus dem Off und bedeutsamem Symbolismus auffährt, was er nur finden kann, womit er Leonardo DiCaprio und Marion Cotillard wahrlich einen Bärendienst erweist, denn die beiden spielen in ihren gemeinsamen Szenen groß auf - was das Publikum jedoch kaum bemerken dürfte.
Wie gar nicht so wenige Kritiker bereits bemerkt haben, wirkt der plötzliche Wechsel im Ton, durch den diese Szenen auffallen, so, als wäre das Räderwerk des Filmes unvermittelt zum Stillstand gekommen – gezwungen, sich durch die Liebesgeschichte zu schleppen bis er wieder in sein gewohntes Territorium der sich verbiegenden Häuser und teuren Anzüge zurückspringen darf.
5. „Inception“ ist zu sehr in sich selbst verliebt
„Inception“ ist mit Sicherheit ein wunderschöner Film. Seine visuellen Effekte, von denen viele direkt in der Kamera gemacht wurden, sind oftmals erstaunlich und sehr originell. Aber nach einer Weile macht das Ganze eher den Eindruck eines dieser Effekt-Demos, die mitunter auf Twitter kursieren.
Die Szene, in der Arthur Ariadne das unendliche Stiegenhaus zeigt, ist ein besonders krasses Beispiel für Nolans Bedürfnis, allen zu zeigen, wie clever er ist, auch wenn sie zwei Stunden später durch ein sinnloses Wiederauftauchen in der Hotel-Welt „gerechtfertigt“ erscheint.
6. Alles ist eine verdammte Montage
Eines der besten Dinge an „The Dark Knight“ - und an allen von Nolans Filmen – ist der gezielte Einsatz von Parallelmontagen (Cross-cutting). Was auch immer Sie von dem genannten Film halten mögen, sie werden zugeben müssen, dass die Szene, in der der Joker die verschiedenen Mordanschläge koordiniert, genial aufbereitet ist.
Unglücklicherweise scheint sich Nolan das Lob für diesen Film allzu sehr zu Herzen genommen zu haben, weshalb er so in „Inception“ vom Cross-cutting so exzessiven Gebrauch macht, dass der ganze Film wie eine einzige lange Montage wirkt. Fast jede Szene vermengt sich irgendwie mit der nächsten und es ist ganz und gar nicht hilfreich, dass Hans Zimmers Musik eine nicht enden wollende Mauer ununterbrochener Spannung ist. Ermüdend.
7. Dem Film fehlt jeder Humor
Christopher Nolan ist nicht gerade dafür bekannt, für große Lacher sorgen zu können, aber es ist nicht so sehr der Mangel an humoriger Auflockerung der „Inception“ schadet, sondern vielmehr die Schwerfälligkeit jener Momente, in denen er sich entscheidet, ein bisschen etwas Lustiges einfließen zu lassen.
Erinnern Sie sich an den Moment in „The Dark Knight“, als von der Action der Verfolgung in der Unterführung plötzlich zu den beiden Jugendlichen geschnitten wird, die im Auto sitzen und so tun, als würden sie auf etwas schießen? Er sticht heraus, denn der kitschige Sommer-Blockbuster-Humor passt so gar nicht zu Nolans todernster Grundeinstellung.
„Inception“ ist dieser Moment ausgedehnt auf Spielfilmlänge (und noch ein wenig länger), wobei jeder „Witz“ vom Unverständnis des Regisseurs für das komödiantische Fach untergraben wird. Die „Ich habe die Fluglinie gekauft“-Szene ist ein hervorragendes Beispiel für einen einfachen Gag, der sehr, sehr schlecht umgesetzt wurde.
8. Die Aspekte, die dafür sorgen könnten, dass der Film funktioniert, werden ignoriert
Im Grunde handelt „Inception“ von einer Mission, deren Ziel es ist, eine Idee in den Kopf von Robert Fischer, dem Erben eines Großunternehmens, zu pflanzen. Diese Idee, hoffen wir, wird ihn dazu ermutigen, das Unternehmen aufzulösen, sobald er es erbt.
Selbst wenn man eine gute Stunde darauf verwendet, all die mentale CGI-Zauberei abzuhandeln, die man plant, sollte es dennoch selbstverständlich sein, dass man auch die moralischen Aspekte eines solchen Unterfangens zur Sprache bringt.
Ich würde normalerweise nicht darauf bestehen, dass sich ein Film mit moralischen Fragen befassen muss, aber es ist nun einmal so, dass „Inception“ keine bewusste Entscheidung trifft, diese Fragen nicht anzusprechen; der Streifen weicht ihnen auf zynische Weise mit einigen wenigen abschätzigen Zeilen Dialog aus. Können Sie sich an die Szene im Lieferwagen erinnern, wo einer der Charaktere sagt: „Wir bringen [Fischers] Verhältnis zu seinem Vater wieder in Ordnung, er sollte uns bezahlen“ (oder so ähnlich)?
Auf so komplexe Weise geht „Inception“ mit dem Thema Moral um.
9. Der Film ist völlig anders als die richtige Traumerfahrung
So verblüffend sich verbiegende Häuser und Penrose-Stiegen auch sein mögen, sie haben nicht das Geringste mit echten Träumen zu tun. In Träumen sind die Personen und Situationen verwirrend, befremdlich und bizarr, nicht nur die Architektur. Im Film sind Cobb & Co in ihren Träumen genau dieselben. Sie kleiden sich elegant, handeln effizient und haben immer Zeit, einige witzige Sprüche abzusondern.
Und ehe Sie Nolan mit dem Argument verteidigen, er hätte das ganze so machen müssen, damit der Plot funktioniert oder was auch immer, überlegen Sie bitte, wie toll ein Film wäre, der das tatsächliche Gefühl des Träumens heraufbeschwört.
10. Das Ende passt nicht zum Rest des Films
„Inception“ wartet mit einem gelungenen Ende auf, von dem nur wenige enttäuscht sein werden, aber es gehört zu einem anderen Film. Als Abschluss ist es im Prinzip die Antithese von allem, was davor kam: Ein plötzlicher Schuss Mehrdeutigkeit in einem Film, der gerade mehr als zwei Stunden damit verbracht hat, sicherzustellen, das jedes noch so kleine Detail zu Tode erklärt wird.
Es ist so, als würde man das Ende von „Das weiße Band“ zu „Ocean´s Eleven“ hinzufügen.
Leonardo DiCaprio, Du bist ein Idiot. Ein echter, sabbernder, kaum zu verstehender Blödmann. Deine Dummheit erschreckt mich.
Hast Du die Medienberichte nicht verfolgt? Was ist die wichtigste Lektion, die man im Laufe der letzten paar Wochen gelernt hat? Das ist richtig – man macht Mel Gibson nicht wütend. Das macht man einfach nicht. Man macht, was immer er verlangt, denn falls man sich weigert, wird man in Windeseile zum Empfänger von 30 zunehmend bedrohlich werdender Anrufe, wo Mel Gibson flucht, einem sagt, dass man es verdient, vergewaltigt zu werden, einen dafür schilt, dass man beim Oralsex mit zu wenig Engagement zu Werke geht, und jedes Mal mindestens 45 Minuten wie ein Verrückter schnauft. Um es noch einmal zu wiederholen: MAN MACHT MEL GIBSON NICHT WÜTEND.
Und was hat Leonardo DiCaprio gemacht? Er hat entschieden, dass er bei Mel Gibsons nächstem Film doch nicht mitmachen will. Der Idiot. Möge Gott seiner Seele gnädig sein.
Leonardo DiCaprio könnte einiges von Mel Gibson lernen. Einst war Mel Gibson genauso wie Leonardo DiCaprio – ein junger, erfolgreicher, gefragter Schauspieler, dem die Welt zu Füßen liegt. Aber Gibson ist der lebende Beweis, dass all das ganz schnell zu Ende sein kann. Es bedarf dazu nur eines kleinen Konzentrationsfehlers. Oder vielleicht auch mehr als 30 verbale Entgleisungen, durchsetzt mit rassistischen Äußerungen, Flüchen, Todesdrohungen und offenkundigen Eingeständnissen häuslicher Gewalt. Wie dam auch sei, Leonardo DiCaprio könnte einiges von Mel Gibson lernen.
Aber nein, nun da Leonardo DiCaprio der Star dieses protzigen neuen Films ist, hat er beschlossen, dass er sich zu gut dafür ist, in einem Film mitzuspielen, bei dem der Welt aggressivster sozialer Außenseiter Regie führt. Der Boston Herald berichtet:
Der Titanic-Schauspieler hat die Idee aufgegeben, in Mel Gibsons neuem Film, einem Periodenstück über Wikinger, mitzuspielen. DiCaprio, der dank seines aktuellen Films „Inception“ auf einer Erfolgswelle schwimmt, möchte sein Image in der Öffentlichkeit nicht durch eine Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Regisseur beschädigen. „Leo hat sich das Recht verdient, zu entscheiden, mit wem er arbeiten möchte - und Mel Gibson zählt nicht zu diesen Leuten“, sagte ein Insider.
Was? Wirklich? Mel Gibson plant einen Film über Wikinger? Vergessen Sie den ganzen Leonardo-DiCaprio-Unsinn, kapiert denn Mel Gibson nicht, dass das sein Ausweg sein kann? Wäre ich an seiner Stelle, würde ich zur Pete-Townshend-Ausrede Zuflucht nehmen und behaupten, die ganze Gewalt und das Fluchen und die Besessenheit von Vergewaltigung sei nur Research für den Wikingerfilm gewesen, ganz ehrlich. Wer würde das nicht glauben? Das ist alles, was er tun muss. Behaupten, dass sein nächster Film von Wikingern handelt und der darauf folgende von ganz und gar nicht liebenswerten, alkoholabhängigen Volltrotteln, und schon hat er sich nach allen Seiten abgesichert.
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Leonardo DiCaprio taucht ein in einen Traum
Originaltitel: Inception
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Michael Caine, Lukas Haas, Dileep Rao
Christopher Nolan scheint froh darüber zu sein, sich eine Pause von den großen Schatten von Gotham City gönnen zu können. „Inception“ sieht ebenso sehr wie ein Blockbuster aus wie „The Dark Knight“. Er wirkt auch von der ersten Minute an so. Aber er ist frei von Düsternis und dem Gefühl drohenden Verderbens. Wohl oder übel, er ist federleicht, was aber nicht bedeuten soll, dass er ganz ohne Bedeutung ist.
Nolans Hauptthema in diesem Hochglanzstreifen ist das Träumen, und die Welt, die er für uns erdacht hat, ist durchaus anregend und unterhaltsam. In „Inception“ ist es möglich, in die Träume anderer einzudringen, und in diesen Träumen kann sich ein ganzer Wohnblock in Paris in aller Ruhe zusammenfalten und eine Art lebende Esche-Lithographie kreieren. Es ist Joseph Gordon-Levitt auch möglich, durch einen Hotelkorridor und einen Liftschacht entlang zu schwimmen wie ein gewandter Astronaut, während er aufregende, aufwändig choreographierte Kämpfe austrägt.
Nolan bedient sich filmischer Kunstgriffe, um die Funktionsweise der Träume zu evozieren oder zu verändern. Wenn zum Beispiel ein Lieferwagen von einer Brücke stürzt, dauert der ganze Vorgang in einem Film von Tony Scott einige Sekunden, während hier dieselbe Szene zu einem wahren Ballet gerät. Der Lieferwagen braucht nahezu eine Stunde, um auf dem Wasser aufzuschlagen. Er wird in der Schwebe gehalten vom Fruchtwasser der Zeitlupe, und die Schnitte zurück zu seinem aufgeschobenen Absturz sind so etwas wie die Hollywood-Variante von Zen-Buddhismus.
Warum der Lieferwagen von der Brücke stürzt und ewig lange braucht, bis er das Wasser erreicht, ist eine andere Geschichte. Wenn es in „Inception“ ganz normal ist, in das Unterbewusstsein anderer Menschen einzuschleichen, dann interessiert sich Nolan in erster Linie für das kriminelle Unterfangen, das sich rund um diese Möglichkeit entwickelt. Dies ist im Prinzip ein Film über Einbrecher. Statt das Casino eines reichen Mannes auszurauben, überfallen Cobb (Leonardo DiCaprio) und sein Team das Unterbewusstsein des Mannes. Saito (Ken Watanabe), der japanische Geschäftsmann, dem Cobb und sein Partner Arthur (Joseph Gordon-Levitt) gerade Geheimnisse entwenden wollten, schlägt eine schier unmögliche Mission vor – Inception. Sie sollen in die Psyche des Erben (Cillian Murphy) von Saitos Geschäftsrivalen eindringen und dort ausnahmsweise nichts stehlen, sondern einen entscheidenden Gedanken einpflanzen.
Der Plan macht es erforderlich, eine Reihe von Leuten zu engagieren: Ellen Page als Architektin von Traumlandschaften, Dileep Rao als Anästhesisten der Gruppe und Tom Hardy als Eames, eine Art Traumzeit-Imitationskünstler. Es macht Spaß, diese Leute beim gegenseitigen Abtasten zu beobachten. Page ist perfekt besetzt, wenn auch sträflich unterbeschäftigt als Aufsagerin der Exposition, aber wenigstens ist sie in den Nahaufnahmen wunderschön anzusehen.
Der Auftrag gibt Cobb die Gelegenheit, zu den Kindern zurückzukehren, die er aus ziemlich komplizierten Gründen verlassen musste, die alle mit seiner emotional unausgeglichenen verstorbenen Frau zu tun haben, die sein Unterbewusstsein nur mit Mühe verdrängen kann. Marion Cotillard hat sichtlich Spaß daran, die Skizzen zu spielen, aus denen sich Mrs. Cobb zusammensetzt. Es hat fast den Anschein, als wäre sie durch vieler Männer Unterbewusstsein gesaust.
Der Einsatz erscheint hier ein wenig niedrig. Der visionäre Regisseur Nolan, der auch das Drehbuch schrieb, wird enttäuschend konventionell, wenn es um Dinge wie Liebe, Schuld und Sehnsucht geht. Er versucht zu angestrengt, aus seinem Gaunerfilm eine Odyssee zu machen. Aber das Zuhause – wo zwei herzige Kinder der Kamera von Cobbs Erinnerung immer den Rücken kehren - wirkt wie ein Grußkartenalptraum. Nicht zu vergessen, dass wir DiCaprio erst vor kurzem in „Shutter Island“, einem Film, der ähnlich wie „Inception“ mit mehrdeutig endet, mit denselben familiären Problemen konfrontiert gesehen haben.
Nolans Film ist zweifellos der bessere. Er treibt weniger Aufwand als Scorsese, selbst bei der Orchestrierung des großen Raubzugs. Dieser dauert ungefähr 80 Minuten (der Film selbst ist fast zweieinhalb Stunden lang), schließt zumindest zwei Träume im Traum mit ein und ist fehlerlos inszeniert. Nolan springt gekonnt zwischen dem abstürzenden Lieferwagen, dem Verschwinden der Schwerkraft und einer Lawine, die aus jedem beliebigen James-Bond-Film stammen könnte, hin und her. Seltsamerweise sind diese Traumlandschaften Orte der Vernunft und strahlender Reinheit – kein abartiger Sex und keine unterdrückten Erinnerungen. Stattdessen ist das Unterbewusstsein perfekt geeignet für die Inszenierung eines Action-Thrillers.
Ich nehme an, das passiert, wenn man sich zu lange in der Psyche eines Managers aufhält. In den zwei Batman-Filmen, bei denen Nolan Regie führte, ging es schließlich auch um die aufgewühlte Psyche eines reichen Mannes.
Was ich an Nolan als Regisseur besonders schätze ist, dass er nicht allzu viel reflektiert. Seine Filme entfalten und falten sich ohne erkennbare Mühe und Effekthascherei. Aber dieses Fehlen von Reflexion ist zugleich auch Nolans größte Schwäche. Während „Inception“ mit der Zeit immer komplizierter wird, gewinnt der Film nicht an Substanz. Er gleitet, schwebt vorwärts oder hinunter, aber die Tiefe ist nur direktional, nie psychologisch. Die vielen Ebenen stellen sich letztlich nur als Anordnungen von Oberflächen heraus. Wir befinden uns nicht in einer Psyche, sondern lediglich in einer Boutique.
Selbstverständlich sind dies die Träume anderer Leute, und sie stellen Cobb vor dieselbe physische Herausforderung wie Nolan. Wie soll man das zuwege bringen? Und zwar, indem man hofft, dass das Publikum zu geblendet ist, um Fragen zu stellen.
Fazit: „Inception“ ist ein perfekt inszenierter Action-Thriller, der intelligenter sein will, als er ist. Deshalb geriet die Exposition zu lang und dem ganzen Film mangelt es an Tempo. Dennoch bessere Unterhaltung als die meisten anderen Blockbuster dieses Sommers.
Am vergangenen Wochenende drehte sich an den amerikanischen Kinokassen alles um den Kampf Inception vs Salt. Der regierende Champion gegen den beherzten Außenseiter.
Leonardo DiCaprio vs Angelina Jolie. Ein Film über das unvorstellbar labyrinthartige Durcheinander des menschlichen Unterbewusstseins vs einen Film über, ich weiß nicht so genau, ein wenig Salz oder so ähnlich. Ein Film voller bahnbrechender Effekte und atemberaubender erzählerischer Kunstgriffe vs denselben dämlichen Actionfilm mit Pistolen und Agenten, den Angelina Jolie jedes Mal dreht, nachdem sie einen traurigen Film über eine Frau, die den Verlust ihres Kindes beweint, gemacht hat. Wer würde gewinnen?
Na ja, „Inception“ selbstverständlich. Lesen Sie den keine Überschriften mehr? Hier nun die Top Five der amerikanischen Kinocharts vom vergangenen Wochenende:
1 – „Inception“ (Es ist offiziell: „Inception“ ist mit Sicherheit der beste Film aller Zeiten, in dem der Junge aus „Hinterm Mond gleich links“ eine Gruppe schwebender Leute in einem Lift festbindet, während ein Lieferwagen sehr, sehr langsam von einer Brücke fällt und Edith Piaf herumrennt und versucht, alle zu erstechen.) $43,505,000
2 – „Salt“ (Ernsthaft, warum „Salt“? Warum nicht „Spygirl” oder „Mystery Avenger” oder „Generic Angelina Jolie Gun Vehicle Number 12“? Stellen Sie sich nur einmal vor, die James-Bond-Filme wären nach Tischgewürzen benannt worden. Dann würde „Dr. No“ wahrscheinlich „Mr. Piccalilli“ heißen. Das ist doch einfach hirnrissig.) $36,500,000
3 – „Despicable Me“ [dt. „Ich – Einfach unverbesserlich“] (Lassen Sie uns hoffen, dass die Leute endlich aufhören, sich „Despicable Me“ anzuschauen, denn mir fällt zu diesem Film schlicht und ergreifend nichts mehr ein. Ich scherze nicht. Es ist tatsächlich so.) $24,000,000
4 - „The Sorcerer´s Apprentice“ [dt. „Duell der Magier“] (Ich nehme einmal an, dass hier ein ziemlicher Fehler bei den Abrechnungen passiert ist und dass „The Sorcerer´s Apprentice“ in Wirklichkeit die Nummer eins der amerikanischen Kinocharts ist. Es handelt sich dabei schließlich um einen Nicolas-Cage-Film, und ich kann den Gedanken einfach nicht ertragen, dass ein Film mit Nicolas Cage ein Misserfolg ist. Deshalb hat „The Sorcerer´s Apprentice“ mehr Geld eingespielt als „Inception“. Das macht Sinn.) $9,685,000
5 – „Toy Story 3“ (Ich freue mich schon auf den vierten Teil von „Toy Story“, in dem die Spielsachen gezwungen sind, in einer Welt nach dem Atomkrieg ums Überleben zu kämpfen, obwohl sie völlig deformiert sind. Sie bekommen deformierte Babys und müssen nach der Geburt selbst die völlig deformierten Nabelschnüre durchnagen.) $9,030,000
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Originaltitel: Shutter Island
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Laeta Kalogridis, basierend auf dem Roman von Dennis Lehane
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Ted Levine, Elias Koteas
Spätestens seit „Aviator“ scheint sich Martin Scorsese ganz dem Mainstream-Big-Budget-Kino verschreiben zu haben. Auch sein neuester Film „Shutter Island“ steht ganz in dieser Tradition. Der einst so risikofreudige Regisseur hat sich eines Bestsellers des gerade sehr angesagten Dennis Lehane angenommen und daraus einen hoch theatralischen und phasenweise höchst spannenden Film gemacht. Fans des Romans werden erleichtert sein, dass – nicht zuletzt dank der fast schon zu gewissenhaften Adaption durch Drehbuchautorin Laeta Kalogridis - die äußerst komplizierte Geschichte im Wesentlichen intakt geblieben ist: Im Jahre 1954 begeben sich die U.S. Marshalls Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und Chuck Aule (Mark Ruffalo) auf eine abgelegene Insel, um zu klären, wie und wohin eine Insassin der dortigen Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verschwunden ist.
Doch die Stimmung auf der Leinwand unterscheidet sich beträchtlich von der des Buches – die Schatten sind dunkler als erwartet, die Gewalt ist grässlicher, das Blut röter. „Shutter Island“ mag von Dennis Lehane erdacht worden sein, aber der Film ist von Anfang bis Ende Martin Scorseses Show. Wenn zum Beispiel ein Charakter sagt „Gott liebt die Gewalt. Warum sonst haben wir so viel davon in uns?“, dann könnte er mit dieser Bemerkung genauso gut auf Scorseses Oeuvre anspielen.
Die Exposition von „Shutter Island“ ist für einen Thriller extrem langatmig und wortreich geraten. Teddy hat eine tragische, komplizierte Vergangenheit: Seine Frau Dolores (Michelle Williams) kam in einem von einem Brandstifter gelegten Feuer ums Leben, er selbst war bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau dabei, wo er Dinge mit ansehen musste, die er nie verwinden konnte. Scorsese macht von Flashbacks und Traumsequenzen Gebrauch, um uns über Teddys Leben ins Bild zu setzen, und einige – wie etwa ein langer Schwenk über die Hinrichtung von Nazisoldaten – zählen zu den stärksten Momenten seiner Karriere.
Leider ist der Rest des Filmes nicht annähernd auf diesem Niveau. „Shutter Island“ wird irgendwann so kompliziert, dass eine der Figuren zu Kreide und Schreibtafel greifen muss, um eine kurze Zusammenfassung zu skizzieren – was darauf zurückzuführen ist, dass ein Werk, bei dem es in erster Linie um die Handlung geht, von einem Regisseur verfilmt wurde, den nahezu ausschließlich die Beobachtung menschlichen Verhaltens interessiert. Martin Scorsese scheint im Unterschied zu „The Departed“, „Good Fellas“ oder „Wie ein wilder Stier“ hier keine emotionale Beziehung zu dem Material zu haben. Stattdessen bedient er sich wie schon in „Cape Fear – Kap der Angst“ der Konventionen des Horror-Genres, erweist einigen seiner Idole Reverenz und erfindet den einen oder anderen neuen Kniff.
Unheimliche Stimmung a la Val Lewton durchzieht „Shutter Island“, dazu kommt ein starker Hitchcock-artiger Unterton (der noch durch wunderschön künstlich wirkende Aufnahmen unterstrichen wird) in Bezug auf die Realitäten, die Menschen mitunter erfinden, wenn sie mit ihrem Leben nicht zurande kommen. Dies ist Leonardo DiCaprios vierte Zusammenarbeit mit Scorsese und in vielerlei Hinsicht die intensivste und anstrengendste, wenn man bedenkt, dass der Schauspieler in die Rolle eines von Selbstzweifeln geplagten und unter seiner Vergangenheit leidenden Mannes schlüpft und das Interesse des Zuschauers aufrechterhalten muss, obwohl man ihn erst ganz zum Schluss wirklich verstehen kann.
DiCaprio, dessen offenherziges Babygesicht im Laufe der Jahre immer reservierter und voller wurde, erschafft hier einen Mann, der wirklich und Mitleid erregend leidet. Er ist seekrank. Er hat Kopfschmerzen. Und er leidet unter Alpträumen, die Ingrid Bergman in „Ich kämpfe um dich“ (Spellbound) jahrelang beschäftigt hätten. Zwar sind die darstellerischen Leistungen durchgehend hervorragend, aber DiCaprio ist eindeutig derjenige, der den Film trägt. Selten war er so überzeugend.
Je mehr Teddy die undurchsichtigen Vorgänge in der Anstalt, die von einem nicht immer kooperativen Arzt (Ben Kingsley) geleitet wird, zu ergründen sucht, desto mehr kommt er zu der Überzeugung, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Warum nur kann er sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Wächter darauf erpicht sind, von ihren Waffen bei jeder sich bietenden Gelegenheit Gebrauch zu machen? Was hat die mysteriöse Nachricht zu bedeuten, die die verschwundene Insassin in ihrer Zelle zurückgelassen hat? Kann es sein, dass das Personal die Insassen für medizinische Experimente missbraucht? Und warum muss mitten in Teddys Ermittlungen ein Hurrikan über die Insel hereinbrechen?
All diese Fragen werden bis zum Ende von „Shutter Island“ mehr oder weniger plausibel beantwortet, lediglich die seltsamen Wetterkapriolen bleiben ein Rätsel. Immerhin bietet der Hurrikan Scorsese die Gelegenheit, etliche Szenen mit Blitzen, Sturm und strömendem Regen wirkungsvoll aufzupeppen. Sie haben mit Sicherheit noch nie eine dunkle und stürmische Nacht wie diese gesehen. Kräftig unterstützt von der Musik, die stark auf dramatische Violinen setzt (Bernard Herrmann lässt grüßen!), die einen ständig fürchten lassen, dass gleich etwas schlimmes passiert, ist „Shutter Island“ auf Hochglanz poliertes Popcorn-Kino, das durchaus seine Berechtigung hat. Natürlich könnte man argumentieren, dass der Film außer Atmosphäre wenig zu bieten hat. Aber was für eine Atmosphäre.
Fazit: Alptraumhafte Bilder, tolle Schauspieler und überraschende Wendungen (bis auf die letzte, die niemanden, der „Angel Heart“ oder „Memento“ kennt, überraschen dürfte) machen noch keinen herausragenden Film, vor allem dann nicht, wenn viel zu viel geredet wird. Dennoch gute Unterhaltung von einem Regisseur, von dem man Besseres gewöhnt ist.