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Die schlimmsten Filmereignisse des Jahres 2010

Donnerstag, 30. Dezember 2010

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Ehe wir das schrecklichste Jahr für Filme in der bisherigen Geschichte des Films zusammen mit ausgefallenen Haaren und getrockneten Popeln (diese Dinge finden sich doch unter jedermanns Teppichen, oder nicht?) ein für alle Mal unter den Teppich kehren, hielt ich es für angebracht, die schlimmsten Dinge, die in diesem Jahr über die Filmwelt hereinbrachen, noch einmal Revue passieren zu lassen. Sie sollten vielleicht ein Video mit einem herzigen Kätzchen bei de Hand haben, sobald das Ganze vorbei ist; ich empfehle dieses hier.

Die Entwicklung des nächsten James-Bond-Projekts wurde „auf unbestimmte Zeit verschoben“

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Dank eines kleinen Buchhaltungsmissgeschicks ist MGM mit ungefähr einhundert Millionen Milliarden Billionen Dollar verschuldet, was bedeutet, dass niemand das Geld hat, Daniel Craig für seinen nächsten Auftritt als James Bond mit schicken Hosen auszustatten. Es sieht zwar so aus, als würde langsam wieder alles in die richtigen Bahnen gelenkt, seit Spyglass Entertainment die Kontrolle über MGM übernommen hat und die Produktion von „The Hobbit“ wider aufgenommen wurde, aber auf den nächsten Bond werden wir wohl noch mindestens zwei Jahre warten müssen, was Daniel Craig auf den Gedanken bringen könnte, „einen Dalton zu machen“ und Shia LaBeouf das Feld zu überlassen. Da gerade von ihm die Rede ist…

Shia LaBeouf wurde auch in diesem Jahr wieder beschäftigt

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Der Typ muss einige sehr belastende Photos in seinem Besitz haben. Anders lässt sich das nicht erklären.

Der Misserfolg von „Gentlemen Broncos“

Der neue Film des Regisseurs von „Napoleon Dynamite“ war ungefähr 4 Sekunden lang in einigen wenigen Ländern im Kino zu sehen, ehe er mehr oder weniger unbemerkt auf DVD herausgebracht wurde. Warum bloß?

Das… passierte

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Das vermutlich Schlimmste, das jemals irgendwo passierte, ist diese Dokumentation über die 2008 – 2009 Tournee der kreischendsten Harpyie der Welt, die dem Seher „eine einmalige Gelegenheit bietet, Celine überallhin zu folgen… Dieser Film wird alles zeigen.“ Celine Dion selbst sagte dazu: „Ich ließ die Kamera mich überallhin begleiten. Es sind definitiv die intimsten Einblicke, die ich meinen Fans je gewährt habe.“ Also wenn wir nicht zu sehen bekommen, wie sie in die Badewanne pinkelt, sich Tampons einführt und beim Hinternabwischen versehentlich scheiße auf die Finger bekommt, werden wir hier von den Marketingleuten massiv beschwindelt.

Der nächste Batman-Film bekam einen beschienenen Titel verpasst

Der Titel „The Dark Knight Rises“ ist aus zwei Gründen problematisch:

1. Er ist langweilig. Der Titel klingt so, als wäre Batman gerade von Alfred mit einer Tasse Tee und einem Marmeladebrot geweckt worden und würde sich vor dem Ankleiden strecken.

2. Er lässt die Alarmglocken schrillen. Warum ist er nur für einen Film Batman, aber für zwei der Dunkle Ritter? Manche von uns sehnen sich nach Kontinuität, verdammt noch einmal!

Christopher Nolans Batrilogie hätte folgende Titel haben sollen, ja müssen:

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Ich belohne mich selbst mit Extrapunkten für die Verwendung eines weiteren Chris-Nolan-Titels, für die Verwendung der Original-Zeichensetzung und die netten Reime.

James Cameron gab gleich zwei „Avatar“-Fortsetzungen bekannt

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Eine Fortsetzung einer der unverzeihlichsten Verschwendungen von Zeit und Geld in der Geschichte des Films bekanntzugeben, wäre schon schlimm genug gewesen, aber zwei Fortsetzungen bekanntzugeben – wovon noch dazu eine unter Wasser spielen soll, damit das Ganze noch langweiliger wird -, das ist so, als würde einem eine wütende Wespe in beide Augen stechen. In 3D. Da fällt mir ein, habe ich Ihnen schon gesagt, was ich von 3D halte?

Tolle alte Filme werden unnötigerweise in eine neue Dimension hineinvergewaltigt

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Als wären eine computergenerierte Sy Snootles und ein zuerst schießender Greedo nicht schon genug für George Lucas, besteht der bärtige Vollkoffer jetzt doch allen Ernstes darauf, dass die originalen „Star Wars“– und auch „Indiana Jones“-Filme nachträglich in 3D umgewandelt werden müssen, um all das Kleingeld aufzusammeln, dass James Cameron übriggelassen haben mag, die Magie einer neuen Generation von wandelnden Geldbörsen Kinogehern näherzubringen. Leck mich Gut so, George.

Einige persönliche Helden starben

Martin Grace

„Indiana Jones“ und „James Bond“ Stuntman

Dennis Hopper

Schauspieler, Autor und Regisseur

Tom Mankiewicz

„Bond“ und „Superman“ Drehbuchautor

Leslie Nielsen

Schauspieler und Schießmuskelentspanner

Irvin Kershner

Regisseur von „Das Imperium schlägt zurück“

Ich brachte viel Zeit damit zu, mir Filme wie diese anzusehen

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Das sind 1279 weitere Minuten, die ich dazu hätte nützen können, mir die neuste, ultimativste Version von „Avatar“ bis zum Erbrechen reinzuziehen.

Das war also das Jahr 2010. 2011 dürfen wir uns auf „Transformers 3“, „Smurfs“ und „Justin Bieber: Never Say Never 3D“ freuen sowie auf die Abwesenheit eines weiteren Bond-Filmes, weshalb ich Sie bitten möchte, nächstes Jahr um dieselbe Zeit wieder vorbeizuschauen, um festzustellen, ob ich mich bis dahin vor einen Zug geworfen haben werde.

Inception Enters The Matrix – Der Trailer

Mittwoch, 1. September 2010

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inception-matrix Es gab in den letzten Wochen und Monaten schon etliche Mixes des Trailers von Christopher Nolans „Inception“ mit Trailern anderer Filme, aber kaum einer ist so passend und ergreifend wie dieser. Diese Version des Trailers verwendet Bildmaterial aus „Matrix“, einem film über eine virtuelle Traumwelt, in der die Menschen nicht wissen, dass sie leben, und macht daraus unter Einbeziehung der Tonspur des Trailers von „Inception“ ein großartiges Stück Fankunst.

Es ist ein verblüffender Vergleich, denn die beiden Filme heben mehr gemein, als man vielleicht glauben mag. Für zwei Dinge ist der Clip besonders zu loben: Er bietet eine weitere Gelegenheit, sich den hervorragenden „Inception“-Soundtrack von Hans Zimmer zu Gemüte zu führen,, und er gaukelt dem Gehirn des Betrachters vor, die „Matrix“-Fortsetzungen „Reloaded“ und „Revolutions“ wären wirklich gut und nicht nur aufgeblähte Collge-Philosophieprojekte. Und wenn etwas das zuwege bringen kann, dann verdient es mehr als nur Applaus.

Auf einen groben Fehler in diesem gelungenen Filmchen muss jedoch hingewiesen werden: Leonardo DiCaprios Name ist zu lesen, obwohl man den wesentlich weniger talentierten Keanu Reeves sieht. Mit ein wenig mehr Aufwand und Sorgfalt hätte der Name verdeckt werden können, aber ansonsten ist das ein sehr ordentliches und unterhaltsames Werk.

Hier der getürkte Trailer für „Inception Matrix“:

 

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10 Gründe, warum Inception nicht so gut ist, wie viele behaupten

Donnerstag, 5. August 2010

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Trotz meiner nicht sonderlich enthusiastischen ersten Reaktion auf „Inception“ habe ich mir die Zeit genommen, den von so vielen hochgelobten Streifen noch einmal in aller Ruhe anzusehen, weil: a) nicht viel anderes im Kino lief und b) ich mich vergewissern wollte, dass Christopher Nolans achtes Werk definitiv kein Meisterwerk ist.

Und es ist keines. Sicher, „Inception“ ist das visuell beeindruckendste Spektakel, das ich in diesem Jahr gesehen habe, und die letzte Stunde ist äußerst gelungen, aber es gibt doch auch einige störende Dinge, die dafür sorgen, dass der Film nicht das Magnum Opus ist, zu dem ihn manche (Christopher Nolan eingeschlossen) erklären wollen. Genau genommen handelt es sich um 10 Dinge.

1. Die erste Hälfte ist todlangweilig

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Wenn der Abspann läuft und die Lichter angehen, ist man versucht, „Inception“ gegenüber besonders großzügig zu sein. Immerhin macht es einem eine letzte Stunde vollgepackt mit spektakulärer Action sehr leicht, all das zu vergessen, was davor kam: 90 Minuten des banalsten Schwachsinns, den man sich nur vorstellen kann.

Man lässt furchtbare, furchtbare Dialoge über sich ergehen, von denen die meisten auf Ken Watanabe entfallen (hat sich der gute Mann etwas zuschulden kommen lassen?), erduldet eine scheinbar endlose Parade verrückter computergenerierter Architektur und kann sich irgendwie des Gefühls nicht erwehren, dass man die ganze Zeit auf den Beginn des Hauptfilmes wartet.

2. Irgendjemand hat Christopher Nolan in den Erklärungsmodus versetzt

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Christopher Nolan zählt nicht zu den Filmemachern, die auf Mehrdeutigkeit versessen sind. Zumeist gereicht das seinen Filmen zum Vorteil: ein Film wie „Prestige – Die Meister der Magie“ hätte sehr leicht auf irritierende Weise unschlüssig wirken können, hätte er nicht so streng auf die Logik geachtet. Dasselbe kann jedoch nicht von „Inception“ gesagt werden, denn 50% des Filmes könnte man durch eine Einstellung ersetzen, in der Nolan in die Kamera blickt und den Plot erklärt.

Einige Kritiker haben den Film mit „Mullholland Drive“ verglichen, aber während David Lynchs Streifen durch das Vorenthalten jedweder Eindeutigkeit oder Erklärung mühelos fasziniert, hat Nolan nicht annähernd so viel Vertrauen zu seinem Publikum.

Deshalb führte er Ariadne ein, eine Figur die so offensichtlich „für das Publikum sprechen“ soll, dass Herr Nolan gut daran getan hätte, statt Ellen Page einen richtigen Spiegel zu engagieren. Es ist ziemlich schockierend, in einem Film, der weithin als Meisterwerk gehandelt wird, mit so einer linkischen, durchschaubaren Exposition konfrontiert zu werden. Könnte man dem Film nicht folgen ohne diese ständigen Fragen von Ariadne, was denn nun gerade geschieht??

3. Es gibt keine Charaktere

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Ich gebe nur allzu gerne zu, dass „Inception“ mit einem der interessantesten Ensembles des Jahres 2010 aufwartet. Leo, Joseph, Ellen, Cillian und Marion stehen gemeinsam für so ziemlich alles, was es derzeit an Positivem in Hollywood gibt, und ich erwartete mir von ihnen allen herausragende darstellerische Leistungen. Stattdessen erscheint jeder Charakter in Nolans ausschließlich auf den Plot fixiertem Film zu einem hohlen Archetyp reduziert. Mehrere von ihnen scheinen sogar derselbe Archetyp zu sein.

Selbst DiCaprios Cobb, der einzige Charakter, der wenigstens ein bisschen emotionale Tiefe aufweist, hat nur einen einzigen Charakterfehler, und selbst der wird innerhalb von fünf Minuten nach dem Auftauchen von Ariadne der großen Erklärerin enthüllt, definiert und beseitigt.

4. Der Subplot mit der toten Ehefrau funktioniert nicht

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„Inception“ ist der zweite Film hintereinander, in dem wir Leonardo DiCaprios Verkörperung eines verwitweten Mannes zu sehen bekommen, der versucht, sich in eine Welt der Selbsttäuschung und Halluzination zu flüchten. Die unvermeidlichen Vergleiche mit Martin Scorseses „Shutter Island“ fallen für „Inception“ unglücklicherweise immer wenig schmeichelhaft aus.

Nolan scheint sich bewusst zu sein, dass Emotionen nicht gerade zu seinen Stärken zählen, weshalb er verzweifelt an bombastischer Musik, unnötigen Kommentaren aus dem Off und bedeutsamem Symbolismus auffährt, was er nur finden kann, womit er Leonardo DiCaprio und Marion Cotillard wahrlich einen Bärendienst erweist, denn die beiden spielen in ihren gemeinsamen Szenen groß auf - was das Publikum jedoch kaum bemerken dürfte.

Wie gar nicht so wenige Kritiker bereits bemerkt haben, wirkt der plötzliche Wechsel im Ton, durch den diese Szenen auffallen, so, als wäre das Räderwerk des Filmes unvermittelt zum Stillstand gekommen – gezwungen, sich durch die Liebesgeschichte zu schleppen bis er wieder in sein gewohntes Territorium der sich verbiegenden Häuser und teuren Anzüge zurückspringen darf.

5. „Inception“ ist zu sehr in sich selbst verliebt

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„Inception“ ist mit Sicherheit ein wunderschöner Film. Seine visuellen Effekte, von denen viele direkt in der Kamera gemacht wurden, sind oftmals erstaunlich und sehr originell. Aber nach einer Weile macht das Ganze eher den Eindruck eines dieser Effekt-Demos, die mitunter auf Twitter kursieren.

Die Szene, in der Arthur Ariadne das unendliche Stiegenhaus zeigt, ist ein besonders krasses Beispiel für Nolans Bedürfnis, allen zu zeigen, wie clever er ist, auch wenn sie zwei Stunden später durch ein sinnloses Wiederauftauchen in der Hotel-Welt „gerechtfertigt“ erscheint.

6. Alles ist eine verdammte Montage

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Eines der besten Dinge an „The Dark Knight“ - und an allen von Nolans Filmen – ist der gezielte Einsatz von Parallelmontagen (Cross-cutting). Was auch immer Sie von dem genannten Film halten mögen, sie werden zugeben müssen, dass die Szene, in der der Joker die verschiedenen Mordanschläge koordiniert, genial aufbereitet ist.

Unglücklicherweise scheint sich Nolan das Lob für diesen Film allzu sehr zu Herzen genommen zu haben, weshalb er so in „Inception“ vom Cross-cutting so exzessiven Gebrauch macht, dass der ganze Film wie eine einzige lange Montage wirkt. Fast jede Szene vermengt sich irgendwie mit der nächsten und es ist ganz und gar nicht hilfreich, dass Hans Zimmers Musik eine nicht enden wollende Mauer ununterbrochener Spannung ist. Ermüdend.

7. Dem Film fehlt jeder Humor

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Christopher Nolan ist nicht gerade dafür bekannt, für große Lacher sorgen zu können, aber es ist nicht so sehr der Mangel an humoriger Auflockerung der „Inception“ schadet, sondern vielmehr die Schwerfälligkeit jener Momente, in denen er sich entscheidet, ein bisschen etwas Lustiges einfließen zu lassen.

Erinnern Sie sich an den Moment in „The Dark Knight“, als von der Action der Verfolgung in der Unterführung plötzlich zu den beiden Jugendlichen geschnitten wird, die im Auto sitzen und so tun, als würden sie auf etwas schießen? Er sticht heraus, denn der kitschige Sommer-Blockbuster-Humor passt so gar nicht zu Nolans todernster Grundeinstellung.

„Inception“ ist dieser Moment ausgedehnt auf Spielfilmlänge (und noch ein wenig länger), wobei jeder „Witz“ vom Unverständnis des Regisseurs für das komödiantische Fach untergraben wird. Die „Ich habe die Fluglinie gekauft“-Szene ist ein hervorragendes Beispiel für einen einfachen Gag, der sehr, sehr schlecht umgesetzt wurde.

8. Die Aspekte, die dafür sorgen könnten, dass der Film funktioniert, werden ignoriert

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Im Grunde handelt „Inception“ von einer Mission, deren Ziel es ist, eine Idee in den Kopf von Robert Fischer, dem Erben eines Großunternehmens, zu pflanzen. Diese Idee, hoffen wir, wird ihn dazu ermutigen, das Unternehmen aufzulösen, sobald er es erbt.

Selbst wenn man eine gute Stunde darauf verwendet, all die mentale CGI-Zauberei abzuhandeln, die man plant, sollte es dennoch selbstverständlich sein, dass man auch die moralischen Aspekte eines solchen Unterfangens zur Sprache bringt.

Ich würde normalerweise nicht darauf bestehen, dass sich ein Film mit moralischen Fragen befassen muss, aber es ist nun einmal so, dass „Inception“ keine bewusste Entscheidung trifft, diese Fragen nicht anzusprechen; der Streifen weicht ihnen auf zynische Weise mit einigen wenigen abschätzigen Zeilen Dialog aus. Können Sie sich an die Szene im Lieferwagen erinnern, wo einer der Charaktere sagt: „Wir bringen [Fischers] Verhältnis zu seinem Vater wieder in Ordnung, er sollte uns bezahlen“ (oder so ähnlich)?

Auf so komplexe Weise geht „Inception“ mit dem Thema Moral um.

9. Der Film ist völlig anders als die richtige Traumerfahrung

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So verblüffend sich verbiegende Häuser und Penrose-Stiegen auch sein mögen, sie haben nicht das Geringste mit echten Träumen zu tun. In Träumen sind die Personen und Situationen verwirrend, befremdlich und bizarr, nicht nur die Architektur. Im Film sind Cobb & Co in ihren Träumen genau dieselben. Sie kleiden sich elegant, handeln effizient und haben immer Zeit, einige witzige Sprüche abzusondern.

Und ehe Sie Nolan mit dem Argument verteidigen, er hätte das ganze so machen müssen, damit der Plot funktioniert oder was auch immer, überlegen Sie bitte, wie toll ein Film wäre, der das tatsächliche Gefühl des Träumens heraufbeschwört.

10. Das Ende passt nicht zum Rest des Films

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„Inception“ wartet mit einem gelungenen Ende auf, von dem nur wenige enttäuscht sein werden, aber es gehört zu einem anderen Film. Als Abschluss ist es im Prinzip die Antithese von allem, was davor kam: Ein plötzlicher Schuss Mehrdeutigkeit in einem Film, der gerade mehr als zwei Stunden damit verbracht hat, sicherzustellen, das jedes noch so kleine Detail zu Tode erklärt wird.

Es ist so, als würde man das Ende von „Das weiße Band“ zu „Ocean´s Eleven“ hinzufügen.

Die Filmmusik von Inception basiert einzig und allein auf einem Lied von Edith Piaf

Dienstag, 3. August 2010

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Komponist Hans Zimmer enthüllt, dass sein Score für Christopher Nolans „Inception“ von Non, Je Ne Regrette Rien” abgeleitet ist

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Siebenundvierzig Jahre nach ihrem Tod leistet Edith Piaf einen wesentlichen Beitrag zur Filmmusik für den größten, düstersten und bombastischsten Blockbuster des Sommers. Komponist Hans Zimmer hat enthüllt, dass der gesamte Soundtrack von „Inception“, vom dröhnenden Posaunenthema bis zu den Tönen der zunehmenden Furcht, von einem der berühmtesten der Lieder der Sängerin herstammt.

Jeder, der Christopher Nolans Film gesehen hat, wird sich an Non, Je Ne Regrette Rien” erinnern, jenen Song, der benützt wird, um einen „Kick” in eine andere Realität zu signalisieren. Aber Piafs berühmte Ballade spielt nicht nur als Sample eine wichtige Rolle in „Inception” – sie ist eingebettet in die DNA des Soundtracks.

„Nur so zum Spaß“, erzählte Hans Zimmer der New York Times diese Woche, „basiert die gesamte Musik des Scores aus Unterteilungen und Vervielfachungen des Tempos der Aufnahme von Edith Piaf.“ Das am klarsten auszumachende Beispiel ist das Thema von „Inception“, das ein unternehmungslustiger YouTube-Nutzer bereits entschlüsselt hat (Den Clip können sie weiter unten sehen). Hier verdeutlichen die dröhnenden, schneller werdenden Posaunen auf Piafs gallische Melancholie. „Ich war überrascht, wie lange man gebraucht hat, bis man dahinter gekommen ist“, sagte Zimmer. „Es sollte kein Geheimnis sein.“

Die Verwendung von Edith Piafs Evergreen wurde von Christopher Nolan, dem Regisseur und Drehbuchautor des Films, angeregt. „[Es war] schon immer im Script“, erklärte Zimmer. „Es war wie riesige Nebelhörner über der Stadt, und vielleicht würde man nachher herausfinden, dass ein Zusammenhang zwischen ihnen besteht.“ Aber obwohl die Filmmusik eine Sublimierung von Piafs Original ist, das von Charles Dumont geschrieben und 1960 aufgenommen wurde, stützt sie sich nicht auf einen direkten Auszug. „Ich verwendete nicht das Lied; ich verwendete nur eine Note“, sagte Zimmer, der der Ansicht ist, dass er für einen Oscar in der Kategorie „Beste Originalfilmmusik“ in Frage kommen sollte. „[Ich holte] das Originalmasterband aus den französischen Nationalarchiven. Und dann [fand ich] so einen verrückten Wissenschafter in Frankreich, der tatsächlich diese eine Zelle aus der DNA herausholte.“

 

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Sonntag, 1. August 2010

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Leonardo DiCaprio taucht ein in einen Traum

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Originaltitel: Inception
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Michael Caine, Lukas Haas, Dileep Rao

Christopher Nolan scheint froh darüber zu sein, sich eine Pause von den großen Schatten von Gotham City gönnen zu können. „Inception“ sieht ebenso sehr wie ein Blockbuster aus wie „The Dark Knight“. Er wirkt auch von der ersten Minute an so. Aber er ist frei von Düsternis und dem Gefühl drohenden Verderbens. Wohl oder übel, er ist federleicht, was aber nicht bedeuten soll, dass er ganz ohne Bedeutung ist.

Nolans Hauptthema in diesem Hochglanzstreifen ist das Träumen, und die Welt, die er für uns erdacht hat, ist durchaus anregend und unterhaltsam. In „Inception“ ist es möglich, in die Träume anderer einzudringen, und in diesen Träumen kann sich ein ganzer Wohnblock in Paris in aller Ruhe zusammenfalten und eine Art lebende Esche-Lithographie kreieren. Es ist Joseph Gordon-Levitt auch möglich, durch einen Hotelkorridor und einen Liftschacht entlang zu schwimmen wie ein gewandter Astronaut, während er aufregende, aufwändig choreographierte Kämpfe austrägt.

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Nolan bedient sich filmischer Kunstgriffe, um die Funktionsweise der Träume zu evozieren oder zu verändern. Wenn zum Beispiel ein Lieferwagen von einer Brücke stürzt, dauert der ganze Vorgang in einem Film von Tony Scott einige Sekunden, während hier dieselbe Szene zu einem wahren Ballet gerät. Der Lieferwagen braucht nahezu eine Stunde, um auf dem Wasser aufzuschlagen. Er wird in der Schwebe gehalten vom Fruchtwasser der Zeitlupe, und die Schnitte zurück zu seinem aufgeschobenen Absturz sind so etwas wie die Hollywood-Variante von Zen-Buddhismus.

Warum der Lieferwagen von der Brücke stürzt und ewig lange braucht, bis er das Wasser erreicht, ist eine andere Geschichte. Wenn es in „Inception“ ganz normal ist, in das Unterbewusstsein anderer Menschen einzuschleichen, dann interessiert sich Nolan in erster Linie für das kriminelle Unterfangen, das sich rund um diese Möglichkeit entwickelt. Dies ist im Prinzip ein Film über Einbrecher. Statt das Casino eines reichen Mannes auszurauben, überfallen Cobb (Leonardo DiCaprio) und sein Team das Unterbewusstsein des Mannes. Saito (Ken Watanabe), der japanische Geschäftsmann, dem Cobb und sein Partner Arthur (Joseph Gordon-Levitt) gerade Geheimnisse entwenden wollten, schlägt eine schier unmögliche Mission vor – Inception. Sie sollen in die Psyche des Erben (Cillian Murphy) von Saitos Geschäftsrivalen eindringen und dort ausnahmsweise nichts stehlen, sondern einen entscheidenden Gedanken einpflanzen.

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Der Plan macht es erforderlich, eine Reihe von Leuten zu engagieren: Ellen Page als Architektin von Traumlandschaften, Dileep Rao als Anästhesisten der Gruppe und Tom Hardy als Eames, eine Art Traumzeit-Imitationskünstler. Es macht Spaß, diese Leute beim gegenseitigen Abtasten zu beobachten. Page ist perfekt besetzt, wenn auch sträflich unterbeschäftigt als Aufsagerin der Exposition, aber wenigstens ist sie in den Nahaufnahmen wunderschön anzusehen.

Der Auftrag gibt Cobb die Gelegenheit, zu den Kindern zurückzukehren, die er aus ziemlich komplizierten Gründen verlassen musste, die alle mit seiner emotional unausgeglichenen verstorbenen Frau zu tun haben, die sein Unterbewusstsein nur mit Mühe verdrängen kann. Marion Cotillard hat sichtlich Spaß daran, die Skizzen zu spielen, aus denen sich Mrs. Cobb zusammensetzt. Es hat fast den Anschein, als wäre sie durch vieler Männer Unterbewusstsein gesaust.

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Der Einsatz erscheint hier ein wenig niedrig. Der visionäre Regisseur Nolan, der auch das Drehbuch schrieb, wird enttäuschend konventionell, wenn es um Dinge wie Liebe, Schuld und Sehnsucht geht. Er versucht zu angestrengt, aus seinem Gaunerfilm eine Odyssee zu machen. Aber das Zuhause – wo zwei herzige Kinder der Kamera von Cobbs Erinnerung immer den Rücken kehren - wirkt wie ein Grußkartenalptraum. Nicht zu vergessen, dass wir DiCaprio erst vor kurzem in „Shutter Island“, einem Film, der ähnlich wie „Inception“ mit mehrdeutig endet, mit denselben familiären Problemen konfrontiert gesehen haben.

Nolans Film ist zweifellos der bessere. Er treibt weniger Aufwand als Scorsese, selbst bei der Orchestrierung des großen Raubzugs. Dieser dauert ungefähr 80 Minuten (der Film selbst ist fast zweieinhalb Stunden lang), schließt zumindest zwei Träume im Traum mit ein und ist fehlerlos inszeniert. Nolan springt gekonnt zwischen dem abstürzenden Lieferwagen, dem Verschwinden der Schwerkraft und einer Lawine, die aus jedem beliebigen James-Bond-Film stammen könnte, hin und her. Seltsamerweise sind diese Traumlandschaften Orte der Vernunft und strahlender Reinheit – kein abartiger Sex und keine unterdrückten Erinnerungen. Stattdessen ist das Unterbewusstsein perfekt geeignet für die Inszenierung eines Action-Thrillers.

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Ich nehme an, das passiert, wenn man sich zu lange in der Psyche eines Managers aufhält. In den zwei Batman-Filmen, bei denen Nolan Regie führte, ging es schließlich auch um die aufgewühlte Psyche eines reichen Mannes.

Was ich an Nolan als Regisseur besonders schätze ist, dass er nicht allzu viel reflektiert. Seine Filme entfalten und falten sich ohne erkennbare Mühe und Effekthascherei. Aber dieses Fehlen von Reflexion ist zugleich auch Nolans größte Schwäche. Während „Inception“ mit der Zeit immer komplizierter wird, gewinnt der Film nicht an Substanz. Er gleitet, schwebt vorwärts oder hinunter, aber die Tiefe ist nur direktional, nie psychologisch. Die vielen Ebenen stellen sich letztlich nur als Anordnungen von Oberflächen heraus. Wir befinden uns nicht in einer Psyche, sondern lediglich in einer Boutique.

Selbstverständlich sind dies die Träume anderer Leute, und sie stellen Cobb vor dieselbe physische Herausforderung wie Nolan. Wie soll man das zuwege bringen? Und zwar, indem man hofft, dass das Publikum zu geblendet ist, um Fragen zu stellen.

Fazit:Inception“ ist ein perfekt inszenierter Action-Thriller, der intelligenter sein will, als er ist. Deshalb geriet die Exposition zu lang und dem ganzen Film mangelt es an Tempo. Dennoch bessere Unterhaltung als die meisten anderen Blockbuster dieses Sommers.