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Whip It (DVD-Review)

Donnerstag, 16. September 2010

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Rasante Rollschuh-Action mit attraktiven jungen Damen, die durch Kitsch und einige Durchhänger etwas getrübt wird

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Originaltitel: Whip It
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Drew Barrymore
Drehbuch: Shauna Cross, basierend auf ihrem Roman
Darsteller: Ellen Page, Marcia Gay Harden, Kristen Wiig, Drew Barrymore, Juliette Lewis, Jimmy Fallon, Alia Shawkat, Eve, Zoe Bell, Andrew Wilson

Wenn man an all das jugendliche pseudo-intellektuelle Kauderwelsch denkt, das Ellen Pages Juno in dem gleichnamigen Oscar-prämierten Film von sich gibt, dann fällt es schwer, sie mit etwas anderem als barbarischem Abscheu zu betrachten.

Obwohl ihr schauspielerisches Können für kaum mehr als die von ihr zumeist gespielten Indie-Grundge-Klugscheißer ausreicht, ist sie in „Whip It“ immerhin liebenswert.

Obwohl ebenfalls eine Offbeat-Komödie und den Teenager-Idealen verhaftet, ist „Whip It“ eine um einiges gelungenere und vor allem nachvollziehbarere Geschichte über das Erwachsenwerden als „Juno“. Und hat mehr Girl-Power zu bieten als alle Mädchenbands der 1990-er Jahre zusammen.

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Seine besondere Wirkung verdankt der Film natürlich in erster Linie dem rücksichtslosen, geradezu brutalen Treiben im Roller-Derby-Ring. Das knochenbrecherische Spektakel der Mädchen-gegen-Mädchen-Action ist auf unterhaltsame Weise haarsträubend und erhöht den Puls des (männlichen) Zuschauers beträchtlich. Aber dieses Spektakel wird mit viel Mitgefühl, Humor und Emotionen präsentiert.

Drew Barrymore - ja, der kleine Fratz aus „E.T.“, der zu einem von Charlies Engeln mutierte – stellt ihre Fähigkeiten als Regisseurin vor allem in den Action-Szenen unter Beweis, in denen sie problemlos das rasante Tempo der Rennbahn einzufangen vermag (wenn auch zu oft mit Großaufnahmen, bei denen Dynamik und Übersicht au der Strecke bleiben). Lediglich in den Momenten, da sie in die allzu bekannte Bildsprache des Indie-Genres verfällt, lässt die Wirkung nach und wird offensichtlich, dass dies ihr erster Kinospielfilm ist.

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Mit der darstellerischen Leistung von Ellen Page verhält es sich ganz ähnlich: Sie ist einnehmend, wenn sie mit ihren Teamkameradinnen interagiert und ihr Schneckenhaus verlässt, wann immer sie sich auf der Roller-Derby-Bahn von der alltäglichen Bliss in die rücksichtslos kämpfende Sportlerin Babe Ruthless verwandelt, und sprüht sogar vor Energie und Witz in den humorvollen Wortwechseln mit dem Coach (exzellent gespielt von Andrew Wilson, dem vergessenen Bruder von Luke und Owen). Wenn sie jedoch mit ihrem Freund, dem Prog-Rock-Sänger Oliver, einen auf romantisch macht, dann möchte man am liebsten wegschauen. Die unkonventionelle Soundtrack-Musik wird lauter, um Unwohlsein verursachende Vorstellungen von Romantik (gemeinsames Singen auf der Motorhaube des mitten im Nirgendwo geparkten Autos; unbefugtes Benutzen eines Swimmingpools mit scheinbar minutenlangem Atemanhalten, um unter Wasser Sex haben zu können; etc.) zu untermalen, die den Mittelteil des Filmes zu einem Durchhänger machen.

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Das ebenfalls eingebaute Familiendrama macht sich da besser. Bliss´ schönheitsbesessene Mutter (Marcia Gay Harden, mit einer schicken Plastikstirn) weiß nicht so recht, wie sie mit ihrer hässlichen Tochter umgehen soll, während der Vater (Daniel Stern, bekannt aus „City Slickers“ und „Kevin –Allein zu Haus“) seine eigenen Geheimnisse mit sich herumträgt.

Im dritten Akt gibt es so viele lose Enden, dass es kaum mehr möglich ist, alles zu einem sinnvollen Abschluss zu bringen. Vermutlich ist diese darauf zurückzuführen, dass zu viel von dem Roman, auf dem er basiert, in den Film übernommen wurde, weshalb die Auflösungen allzu rasch aufeinander folgen und bisweilen reichlich dämlich sind.

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Aber das Finale von „Whip It“ hat es in sich: Ruthless muss sich im Roller-Derby-Ring gegen ihre neue Feindin mit dem Künstlernamen Iron Maven (gespielt von Juliette Lewis, die hier ziemlich bedrohlich starrt) behaupten. Immer schneller und immer brutaler schlagen einander die beiden jungen Damen aufeinander ein und tragen dabei superkurze Hosen. Wenn das nicht Freude macht, dann weiß ich auch nicht mehr…

Fazit: „Whip It“ ist ein Film der zu viel auf einmal sein möchte, Drama, Komödie, Liebesfilm, Sportfilm, und deshalb Gefahr läuft, gar nichts zu sein. Der Mittelteil hat einige Längen, aber die rasante Rollschuh-Action und die liebenswerten Charaktere machen so manches wieder wett. Ein unbeschwertes Filmvergnügen für einen entspannten Abend zu Hause.

„Whip It“ ist als DVD und Blu-ray erhältlich. (Derzeit leider nur in der UK-Version oh n edeutschen Ton.)

Verrückt nach Dir (Review)

Montag, 6. September 2010

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Zärtlichkeit mildert den vulgären Humor dieser gelungenen romantischen Komödie

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Originaltitel: Going the Distance
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Nanette Burstein
Drehbuch: Geoff La Tulippe
Darsteller: Drew Barrymore, Justin Long, Charlie Day, Jason Sudeikis, Christina Applegate, Ron Livingston, Oliver Jackson-Cohen, Natalie Morales, Kelli Garner, Jim Gaffigan

„Verrückt nach Dir“ ist ein Film in der Tradition von „American Pie“ und „Verrückt nach Mary“. Er ist bisweilen obszön, durchwegs lustig und auf eine etwas eigenwillige Art herzig, wenn er auch nicht ganz an das Niveau der besten Werke von Judd Apatow herankommt, der das blühende Genre der eher für ein erwachseneres Publikum gedachten Komödien mit Herz derzeit dominiert. Sie werden lachen und erröten, und zwar zu gleichen Teilen.

Drew Barrymore und Justin Long geben ein reizendes Paar ab. Ob die On-Off-Beziehung der beiden Schauspieler im realen Leben nun dazu beigetragen hat, ihre Darstellung eines von der Geographie frustrierten Liebespaares – sie arbeitet in San Francisco, er in Manhattan - glaubwürdiger zu gestalten, sei dahingestellt, doch eines ist klar: Die Chemie zwischen den beiden stimmt. Sie sind eine moderne und junge Variante von Katherine Hepburn und Spencer Tracy.

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Dieser Umstand kommt ihnen im ersten Spielfilm der Dokumentarfilmerin Nanette Burstein („American Teen“), die ein Drehbuch des Newcomers Geoff La Tulippe in Szene setzte, sehr zugute. Ja, die Geschichte wurde von einem Mann geschrieben – das ist leicht erkennbar anhand der vielen Witze über autoerotische Praktiken, irrationales Verhalten der Freundin und benützen der Toilette bei offener Tür -, aber Burstein inszeniert das Ganze mit einem weisen und sanften Touch. Es ist eine Zärtlichkeit spürbar, die selbst den geschmacklosesten Moment erträglich macht. Und die von den Hauptdarstellern ausgestrahlte Wärme lässt den Zuschauer über manch kleinen Fehler der filmemacherischen Neulinge hinwegsehen.

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Als Garrett (Justin Long), ein nicht sonderlich erfolgreicher A&R(Artists and Repertoire)- Mann einer großen Plattenfirma, der sich um eine Jonas-Brothers-artige Teenieband kümmern muss, im Sommer in New York Erin (Drew Barrymore) trifft, die gerade ein Praktikum bei einer Tageszeitung macht, glauben beide nicht, dass aus der Beziehung etwas werden könnte. Er hat sich gerade erst am Abend ihres ersten Treffens von einer anderen getrennt, sie wird bald an die Westküste zurückkehren, um ihre Ausbildung zur Journalistin zu beenden. Über dem gemeinsamen Genuss von Marihuana entdecken sie erste Gemeinsamkeiten, worauf die typische Sie-verlieben-sich-Montage samt Herumhüpfen und Schmusen in der Brandung. Schnellvorlauf zum Flughafen, wo sie einander gestehen, dass sie verrückt nacheinander sind.

Keiner von ihnen verdient genug Geld, um den anderen öfter als alle paar Monate einmal zu besuchen. Deshalb sind sie gezwungen, von den gelegentlichen Wochenenden voller körperlicher Leidenschaft einmal abgesehen, mit Telefonsex und ständigem Austausch von Textmitteilungen vorliebzunehmen, sehr zur Verärgerung von Garretts Freunden, die von Jason Sudeikis („Saturday Night Live“) und Charlie Day („It´s Always Sunny in Philadelphia“) mit viel trockenem Humor gespielt werden.

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Christina Applegate und Jim Gaffigan komplettieren das Ensemble der hervorragenden Nebendarsteller als Erins unter panischer Angst vor Krankheitserregern leidende Schwester und deren abgestumpfter Ehemann, die Erin ein dach über dem Kopf bieten, während sie ihr Studium beendet. In einer wahrhaft unvergesslichen Szene erwischen die beiden das Liebespaar beim Sex auf ihrem Esszimmertisch.

Was an „Verrückt nach Dir“ jedoch am meisten überrascht, ist nicht de Umstand, dass die Komödie auf der Höhe der Zeit ist. Zugegeben, es finden sich die üblichen Potwitze, die zwanglosen sexuellen Beziehungen und die Glorifizierung der verlängerten Adoleszenz, die zu den Standardversatzstücken des Apatowschen Oeuvre zählen. Aber tief im Herzen ist dieser Film auf angenehme Weise altmodisch.

Fazit: Liebenswerte Darsteller, treffsichere Pointen und eine gelungene Mischung aus Vulgarität und Zärtlichkeit machen „Verrückt nach Dir“ zu einer der besten romantischen Komödien des Jahres.