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Alice im Wunderland weiter DER Kassenschlager

Mittwoch, 17. März 2010

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helena-bonham-carter-alice-in-wonderland Wenn es zwei Gründe gibt, die das Publikum garantiert in Scharen in die Kinos strömen lassen, dann sind dies wohl Robert Pattinson und das verrückte Mädchen aus „Lost“.

In „Remember Me“ wirken beide mit. Und trotzdem ist „Remember Me“ an den Kinokassen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und droht, ein veritabler Flop zu werden. „Alice im Wunderland“ ist in den USA nach wie vor der große Publikumsmagnet und konnte seine Position an der Spitze der Box-Office-Liste mit Bravour behaupten. Dahinter hat sich der Irakkriegsthriller „Green Zone“ mit Matt Damon recht unspektakulär auf Platz zwei geschlichen. Aber „Remember Me“ hat es nur auf den enttäuschenden vierten Platz geschafft und nicht einmal $ 10 Millionen eingespielt. Warum?copyrightjps2010_2

Ganz einfach – wenn er nicht gerade einen strahlenden Vampir spielt, interessiert sich niemand sonderlich für Robert Pattinson. Und wenn sie nicht ein Baby mit sich herumträgt, das aus einem Tierschädel gemacht ist und Knöpfe anstelle der Augen hat, dann interessiert sich kaum jemand für das verrückte Mädchen aus „Lost“. Dieser Umstand sollte den Machern von „Remember Me“ eine Lehre sein – benennt den Film für die DVD/Blu-ray-Veröffentlichung in „Erinnere dich an meinen strammen Körper, alptraumhaftes Tierschädel-Baby“ um, dann wird er vielleicht doch noch ein Hit. 

„Alice im Wunderland“ hat in den USA am vergangenen Wochenende wieder das meiste Geld eingespielt, und das wird, falls mich nicht alles täuscht, auch noch eine Weile so bleiben. Nicht zuletzt aufgrund der derzeit grassierenden Begeisterung für 3-D-Filme füllt Tim Burtons neuester Streich die Kinosäle in aller Welt. Hat „Alice im Wunderland“ am Ende gar das Potenzial, „Avatar“ als erfolgreichsten Film aller Zeiten abzulösen?

Hier nun die US-Einspielergebnisse vom letzten Wochenende:

1„Alice im Wunderland“ (Sollte es „Alice im Wunderland“ wider Erwarten doch schaffen, der erfolgreichste Film aller Zeiten werden, wird Tim Burton vielleicht James Camerons Beispiel folgen und daraus ein Buch machen. Ein Buch basierend auf „Alice im Wunderland“! Was für eine verrückte Idee!) $62,000,000

2„Green Zone” (Cool, da Matt Damon mitspielt, ist der Film vielleicht so aufregend wie „The Bourne Identity“! Aber, da Matt Damon mitspielt, ist das Ganze wahrscheinlich so langweilig und überlang und ohne nennenswerte Handlung wie „Syriana“!) $14,535,000

3 „She´s Out Of My League” (Ein Film über ein Mädchen, das viel zu gut für irgendeinen Typen ist. Oder so ähnlich.) $9,600,000

4„Remember Me” (Mit jedem weiteren unterdurchschnittlichen Film, den Robert Pattinson dreht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er für den Rest seines Lebens nur noch in von „Twilight“ inspirierten Streifen mitspielen wird. Wenn man „Remember Me“ als Maßstab nimmt, dann sollten Sie sich vielleicht schon jetzt Tickets für den großen Hit des Jahres 2048 mit dem Titel „Die Früh-zu-Bett-Geher: Vampirpensionisten gehen schon am frühen Nachmittag zum Abendessen“ sichern.) $8,300,000

5 „Our Family Wedding“ (Ein Film, in dem Oscar-Preisträger Forest Whitaker von einem Ziegenbock belästigt wird. Ich kann nicht verstehen, warum dieser Film nur auf Platz fünf gelandet ist.) $7,600,000

Alice im Wunderland sahnt an den Kinokassen ab

Dienstag, 9. März 2010

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johnny-depp-mad-hatter-burton-wonderland Kein Wunder, dass die Besucher in Scharen ins Kino strömen, um „Alice im Wunderland“ zu sehen – wo sonst könnten sie das Traumteam Tim Burton, Johnny Depp und Helena Bonham Carter bewundern?

Oh ja, stimmt. In unzähligen anderen Filmen. Aber warum ist „Alice im Wunderland“ so erfolgreich? Die Kritiken waren überwiegend negativ und beklagten die lieblos zusammengezimmerte Handlung sowie das allzu große Vertrauen auf die Wirkung computergenerierter 3D-Effekte, was den Verdacht nahe legt, dass der Erfolg von Tim Burtons Film darauf beruht, dass ihn viele mit „Avatar“ verwechseln.

Es war ein tolles Wochenende für Filme und die Filmindustrie. Dank der Oscars wissen wir jetzt, welcher Film der beste des vergangenen Jahres war, und - was noch viel wichtiger ist – wir wissen, wie Meryl Streep in einem eleganten Kleid aussieht. Und dank der nordamerikanischen Einspielergebnisse wissen wir, dass „Alice im Wunderland“ bei den Leuten recht gut ankommt. Oder zumindest, dass die Optik von „Alice im Wunderland“ für sie Anreiz genug war, Eintrittskarten zu kaufen, und dass das Gebotene nicht so sehr ihren Unmut erregte, dass sie sich veranlasst sahen, die Kinos noch während der Vorführung abzufackeln. Das läuft doch fast aufs selbe hinaus, oder nicht?

Hier nun die fünf finanziell erfolgreichsten Filme des letzten Wochenendes:

1 – „Alice im Wunderland“ (Tim Burton scheint regelrecht vernarrt zu sein in Großbritannien, denn er hat mittlerweile „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Sweeney Todd“ und „Alice im Wunderland“ verfilmt.) $116,300,000

2 „Brooklyn´s Finest“ (Ein mittelprächtiges Polizei-Action-Drama von Antoine Fuqua, dem Macher von „Training Day“, mit Ethan Hawke und Richard Gere in den Hauptrollen.) $13,500,000

3 „Shutter Island“ (Hätte ich nicht schon „Memento“, „Identität“ und „Angel Heart“ gesehen, dann hätte mich die „überraschende“ Wendung am Schluss auch tatsächlich überraschen können. Ich hoffe, ich habe nicht zuviel verraten.) $13,300,000

4 „Cop Out“ (Es ist sehr wahrscheinlich, dass an diesem Wochenende mehr Menschen den Cameo-Auftritt von Bruce Willis in dem neuen Video von den Gorillaz gesehen haben als Bruce Willis in „Cop Out“. Diese Lektion sollte er sich zu Herzen nehmen.) $9,145,000

5 „Avatar“ (Hoffentlich das letzte Wochenende von „Avatar“ unter den Top fünf der US-Einspielergebnisse. Außer die Leute fangen an, sich darüber zu mokieren, wie schlecht der Film bei den Oscars abgeschnitten hat, und schauen ihn sich aus Trotz noch einmal an. Dann könnte es passieren, dass der Film nächste Woche wieder auf Nummer eins klettert und der Alptraum von vorne anfängt.) $7,700,000

Alice im Wunderland – Optisch beeindruckend, sonst wenig überzeugend

Freitag, 5. März 2010

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Originaltitel: Alice in Wonderland
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Linda Woolverton, basierend auf 2 Büchern und einem Gedicht von Lewis Carroll
Darsteller: Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Crispin Glover, Matt Lucas, Stephen Fry, Michael Sheen, Alan Rickman, Timothy Spall

 

In Tim Burtons „Alice im Wunderland“ ist Alice – nicht etwa durch „Trink mich“-Trank oder „Iss mich“-Kuchen, sondern auf ganz natürliche Weise – zu einem 19-jährigen Mädchen herangewachsen.copyrightjps2010_2

Linda Woolverton hat sich großzügig bei den beiden klassischen „Alice“-Büchern von Lewis Carroll sowie seinem Gedicht „Jabberwocky“ bedient und ein stark an aktuellen Hollywoodtrends orientiertes Drehbuch verfasst. In dieser Adaption wird aus dem Kind Alice eine fast erwachsene Frau, was Tim Burton die Möglichkeit gibt, ihre Reise durch einen düstereren und viel gefährlicheren Spiegel zu betrachten.

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Zu Beginn des Films erhaschen wir einen kurzen Blick auf das spröde, viktorianische Mädchen aus Carrolls Geschichte als es allem Anschein nach von seiner Reise ins Wunderland erwacht. Ihr Vater erklärt Alice, dass ihre verstörenden Träume tatsächlich bedeuten, dass sie verrückt ist, worauf sie erwidert: „Alle wirklich guten Menschen sind es“.

Das ist zugleich die Grundaussage von Burtons 3-D-Version des bekanntesten Werkes von Lewis Carroll, die, wie erwähnt, auch viele Elemente aus der Fortsetzung „Durch den Spiegel und was Alice dahinter fand“ (Through the Looking Glas) mit einbezieht. Der Film wurde in 2-D - also ganz konventionell – gedreht und erst in der Nachbearbeitung in das 3-D-Format umgewandelt, was sehr deutlich zu bemerken ist und dazu führt, dass die Effekte weniger spektakulär, sondern eher ablenkend wirken. Nach ungefähr einer Stunde wünschte ich mir sehnlichst, die unangenehme Plastikbrille abnehmen und den Rest des Filmes ganz konventionell ansehen zu können.

Man kann sich eines gewissen Unbehagens nicht erwehren, wenn man hört, dass lieb gewonnene Klassiker ein „Update“ erfahren sollen als wären sie Lokalnachrichten oder Softwareprogramme.

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Der Film überbrückt sehr rasch 13 Jahre. Alice (gespielt von der vielversprechenden jungen Australierin Mia Wasikowska, die zuvor unter anderem in der von HBO produzierten Fernsehserie „In Treatment“ zu sehen war) wird von dem bekannten, pünktlich paranoiden Hasen (gesprochen von Michael Sheen) zurück ins Wunderland gelockt.

Sie entflieht einer in Weiß und Pastellfarben gehaltenen Realität (wo sie mit großem Tamtam einen Mann heiraten soll, den sie verachtet) und fällt in das Loch, das sich direkt unter einem Baum befindet, der dem aus Burtons „Sleepy Hollow“ zum Verwechseln ähnlich sieht.

Alice kann sich an ihre letzte Reise ins Wunderland nicht erinnern. Dieses Mal ist der Plot ähnlich, aber es gibt doch gewisse Unterschiede. Es ist Unterland, nicht Wunderland. Die Teegesellschaft wirkt irgendwie verblasst und heruntergekommen. Und es scheint, als wäre Alice aus unerfindlichen Gründen die „falsche Alice“.

Diese Alice unterscheidet sich sehr von der, die Carroll geschaffen hat. Während die Alice aus dem Buch von 1865 unsicher ist und sich auf einer Reise befindet, die im Wesentlichen der Selbsterkenntnis dient, ist die „neue“ Alice viel selbstbewusster. Die Begegnung mit dem blauen Raupe (gesprochen von Alan Rickman) ist weniger „We-e-er bist Du-u-u?“, sondern eher eine Gelegenheit für Alice, sich zu beweisen – gegenüber der Raupe und allen anderen.

„Das ist mein Traum. Ich gestalte den Weg“, sagt sie.

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Tim Burtons „Alice im Wunderland“ spiegelt viel mehr die Gegenwart wider als das Zeitalter von Lewis Carroll. Dawäre etwa der Triumph über die „Herrschaft über alle Lebewesen“, wie sie von der großköpfigen Roten Königin (brillant dünnhäutig gespielt von Helena Bonham Carter) ausgeübt wird, und da wäre Alices „Mädchenpower“. Am Ende kehrt sie zurück in ihre Welt, um sich – ausgerechnet - in China unternehmerisch zu betätigen.

Die Lehre, die man aus Carrolls Geschichte ziehen kann, ist eine ganz andere. In ihr geht es nicht um die Vorbereitung auf ein anständiges und produktives Erwachsenenleben, sondern um die Formung und Bestätigung ihres „einfachen und liebenden kindlichen Herzens“.

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Burtons Film mangelt es nicht an schrulligen Einfällen. Ein Großteil des Designs ist wunderbar originell – mit Sicherheit das Anziehendste an dem Leinwandopus. Lobend erwähnt seien auch die visuellen Effekten, für die Ken Ralston verantwortlich zeichnet, sowie die Kostüme von Colleen Atwood. Es gibt einige sehr elegante Momente im Film – etwa die Überkopf-Einstellung, in der gezeigt wird, wie Alice in den Wogen ihres Kleides versinkt, oder die enorme speicheltriefende Zunge des abscheulichen Bandersnatch. Der unglaubliche Märzhase (gesprochen von Paul Whitehouse) ist ebenfalls ein wahres Vergnügen.

Aber Burton und seine Drehbuchautorin haben die Originalgeschichte aufgefettet, weshalb sie weniger persönlich anmutet, sondern viel eher an die unzähligen Actionfilme erinnert, in denen junge Helden weit überlegene Bösewichte zur Strecke bringen müssen. Danny Elfmans Musik unterstützt diesen Eindruck noch, sorgt aber auch dafür, dass die Stimmung stets düster bleibt.

Der Cheshire Katze (gesprochen von Stephen Fry), normalerweise eine der zentralen Figuren, kommt hier kaum Bedeutung zu, es scheint fast, als existiere sie nur als eine Art Verbeugung vor dem Original.

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Und dann wäre da noch der Mad Hatter (der verrückte Hutmacher), eine Rolle, für die Johnny Depp wie geschaffen ist. Selten hat man ihn mit so viel Freude spielen gesehen, wie in dieser, seiner siebenten Zusammenarbeit mit Regisseur Burton, der wohl sein bester Freund in der Filmbranche ist. Das Vergnügen wird ein wenig getrübt durch das Gefühl, ihn schon zu oft ihn ähnlichen Rollen gesehen zu haben; doch zu wünschen, er möge nicht immer wieder verrückte Clowns spielen wäre so, als hätte man seinerzeit von Fred Astaire verlangt, in seinen Filmen nicht so viel zu tanzen. Wenn es etwas an seiner Darstellung zu kritisieren gibt, dann ist es sein seltsamer schottischer Akzent, der alles, was er sagt, irgendwie gleich klingen lässt.

Die vielen bewegenden Figuren – Anne Hathaway fügt sich als Weiße Königin angenehm in Burtons Welt ein, wenn sie auch aus unerfindlichen Gründen ein Make-up verpasst bekommen hat, das sie wie Cicciolina, die italienische Pornodarstellerin und Politikerin aussehen lässt, und auch Cripin Glover als Herzbube macht gute Figur – ergeben dennoch nur eine unterdurchschnittliche „Alice“. Die Verfilmung aus dem Jahre 1933 mit Cary Grant und W.C. Fields ist wahrscheinlich noch immer die beste.

Fazit: Obwohl Burtons Film mit einigen exzellenten schauspielerischen Leistungen aufwarten kann, ist er dennoch, wie die Raupe sagt, nur „beinahe Alice“. Am Ende fragt man sich „Wo ist das Wunder?“