John Hughes zufolge verbringen Jugendliche ihre Zeit mit Nachsitzen, Schuleschwänzen oder Streitereien mit ihrem lieben, lieben Onkel. Aber viele haben wohl schon wieder vergessen, dass er uns wenige Monate nach „Breakfast Club“ wieder mit seinem magischen Stab berührte und uns diese sträflich unterbewertete, vergnügliche und durch und durch dämliche Teeny-Komödie bescherte. Zeit für den Trailer:
Die Lektion dieses Filmes lautet, dass man, wenn man ein einsamer Streber ist und sich verzweifelt nach weiblicher Bekanntschaft sehnt, keine Zeit damit vergeuden sollte, auf Partys abzuhängen, sondern einfach seine Lade voller Playboy-Hefte dazu nutzen sollte, eine außerordentlich scharfe Frau wie diese zu erschaffen. Anthony Michael Hall, der zu den von Hughes am häufigsten eingesetzten Darstellern zählte, glänzt in der Hauptrolle und ist sein übliches streberisches Selbst. Neben ihm sind Ilan Mitchell-Smith und irgendein Typ namens Robert Downey zu sehen. Aber aus letzterem scheint nicht viel geworden zu sein…
Es ist offensichtlich, warum „L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“ (Originaltitel: „Weird Science“) im Rahmen von Hughes´ Gesamtwerk zu den weniger beachteten Streifen zählt: Er ist nicht so involvierend wie „Breakfast Club“, nicht so scharfsinnig wie „Ferris macht blau“ und nicht so unglaublich lustig wie „Ein Ticket für zwei“. Aber selbst wenn Hughes nicht auf seinem höchsten Niveau agiert, ist er noch immer eine Million Mal besser als alle andern. Und sollten Sie Bill Paxtons Darstellung nicht nach Ihrem Geschmack sein, können Sie sich ja darauf beschränken, Kelly LeBrock anzustarren. Diese Frau ist (oder war) so atemberaubend, dass Angelina Jolie neben ihr wie eine jener liebenswürdigen Drogensüchtigen wirkt, die einen am Bahnhof um ein wenig Kleingeld bitten.
Wie in der Musik gibt es auch im Kino einen beinharten Kampf um die Chartspitze zu Weihnachten. Aus irgendeinem Grund möchten die Leute im unfreundlichsten Wetter ins Kino gehen. Ehrlich, sie wären besser dran, würden sie zu Hause bleiben.
Wie dem auch sei, Harry Potter & Co. haben bei ihrem Versuch, am Ende des Jahres die Liste der erfolgreichsten Filme anzuführen, einen perfekten und perfekt getimten Start hingelegt.
Wirklich geschickt, denn so wird der erste Teil des großen Finales noch allen gut in Erinnerung sein, wenn sie ihre Listen der besten Filme des Jahres 2010 zusammenstellen.
Es ist eine dieser Film- und Buchreihen, die die Menschen wirklich in Aufregung versetzt. Ich nehme an, dass es nicht wenige Menschen gibt, die - ähnlich wie die verrückten „Star Wars“-Fans – aus dem Kino kommen und sich gleich wieder in die Schlange vor den Kassen einreihen, um den Film ein weiteres Mal zu sehen. Und so machen sie es wieder und wieder, bis sie irgendwann auf die große Seite müssen oder bemerken, dass sie so stinken, dass eine Dusche unumgänglich ist.
Aber es gibt noch einen weiteren Neueinsteiger unter den Top Five:
1. Das Zaubermännchen (er ist schließlich kein Junge mehr, oder?) hat sich mit seinem neuesten Abenteuer „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ souverän an die erste Stelle der Charts gesetzt und die Konkurrenz in Grund und Boden gezaubert. Es besteht kaum Hoffnung, dass ihn bis zum Jahresende irgendein anderer Film aus diesen luftigen Höhen auf die Erde zurückholen könnte. $125,017,372
2.Pixars „Megamind“ ist weiterhin sehr beliebt und hält sich schon seit einigen Wochen in den Kinocharts, weshalb mit zu diesem Animationsfilm mit dem übergroßen Blaukopf nichts Originelles mehr einfällt. $16,012,831 Gesamt: $109,313,429
3.„Unstoppable“? Der führerlose Zug rast dahin, rast dahin, rast dahin – und wird doch von zwei anderen Filmen ausgebremst. $13,005,855Gesamt: $41,867,769
4. Von „Due Date“ („Stichtag“) haben Sie vermutlich schon gehört. Es ist der Film, in dem as Mann-Kind aus „Hangover“ mit Robert Downey Jr. quer durch die USA fährt, weil letzterer zusehen möchte, wie sein Frau ein Kind herauspresst. $8,912,182 Gesamt: $72,431,594
5. In „The Next Three Days“ wird eine Frau (Elizabeth Banks) beschuldigt, einen Mord begangen zu haben. Sie ist aber unschuldig. Die Sache hat aber ziemliche Auswirkungen auf ihre Ehe mit einem College-Professor (Russell Crowe). Dieser möchte seiner Frau einen lebenslangen Aufenthalt im Gefängnis ersparen und wendet sich hilfesuchend an einen üblen Kriminellen (Liam Neeson). Und so beginnen die Versuche, die arme Frau aus dem Gefängnis zu befreien. $6,452,779
Gehen Sie etwa immer noch ins Kino, um sich Filme anzusehen? Ich weiß gar nicht, warum ich das fragte, denn es ist mehr als offensichtlich, dass Sie es noch tun. Deshalb schreibe ich über Filme, die gerade im Kino laufen, Trailer und ähnliche Dinge.
Das Problem ist nur, dass man, wenn man einen Beitrag über die Kinocharts schreibt, das Ganze etwas ausschmücken muss, damit Sie sich die Mühe machen, weiterzulesen.
Selbstverständlich sind diese postmodernen Einleitungen, die so tun, als würden sie sich über das Thema lustig machen, während sie es gar nicht tun, nicht wirklich hilfreich. Deshalb beende ich jetzt diese Farce, um Ihnen mitzuteilen, welche Filme sich letztes Wochenende unter den Top Fünf der amerikanischen Kinocharts platzieren konnten.
Also gehen wir es an.
Kinocharts. Ja. Welche Filme konnten sich ganz vorne platzieren? Nun, eine Geschichte über Superbösewichte mit blauen Köpfen und Robert Downey Jr. in einer nicht ganz so lustigen Komödie.
1 – „Megamind“ schoss am letzten Woche an die Spitze der amerikanischen Kinocharts und stellte damit eindrucksvoll unter Beweis, dass die Welt nach wie vor einen riesigen Appetit auf alles hat, was DreamWorks Animation auf die Leinwand bringt. In diesem neuen Animationsfilm sind die Stimmen von Will Ferrell, Tina Fey, Jonah Hill, David Cross und Brad Pitt zu hören. Er handelt davon dass, ein Böser gut, ein Guter böse wird und…nun ja…es kommt zu allerlei Verwicklungen. $46,016,833
2 – Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis sind die Stars von „Due Date“ [„Stichtag“], der neuen Komödie von Todd Phillips, die leider nicht an „Hangover“ herankommt. Für einige Lacher ist sie aber dennoch gut. Ha ha ha. Der hochgradig nervöse Vaterfreuden entgegensehende Peter Highman muss wohl oder übel mit dem nicht mehr ganz so jungen Nachwuchsschauspieler Ethan Tremblay quer durch die USA fahren, was uns diese ganze Ungleiches-Paar-Geschichte von flatterhaftes Schwein trifft gestressten Spießbürger beschert. Die beiden streiten natürlich die meiste Zeit, um letztendlich doch Freunde zu werden. WERDEN SIE RECHTZEITIG ZUR GEBURT ANKOMMEN? WIRD DER VATER DAS KIND NACH DEM SCHAUSPIELER BENENNEN? VERMUTLICH! $32,689,406
3 – Der Film „For Colored Girls“ basiert auf einem Theaterstück mit einem langen und dämlichen Namen – Ntozake Shanges „For Colored Girls Who Have Considered Suicide When the Rainbow Is Enuf”. Der Titel würde natürlich auf einem Poster überhaupt nicht guit aussehen. Wie dem auch sei, im Stück trugen 7 Frauen, die nur durch Farben zu unterscheiden waren, 20 Gedichte vor, deer Film gibt jedoch jeder der 20 Personen einen Namen. Jedes der Gedichte behandelt frauenspezifische Themen. Es ist Ganken aufwühlender Stoff, also sollten alle Fans seichter romantischer Komödien lieber einen großen Bogen um den Film machen. $19,497,324
4 – Sehen Sie! „Red“ ist noch immer in den Charts! Das ist doch schön für Bruce Willis, oder nicht? $8,652,086
5 – „Saw 3D“, der Film der dafür sorgt, dass Sie sich in glorreichen 3 Dimensionen übergeben können. Der Horrorstreifen ist seit dem Start sehr erfolgreich, wird aber vermutlich ziemlich beschissen aussehen, wenn man ihn auf einem Nicht-3D-Fernseher betrachtet. Da haben Sie es. $7,731,075
In seiner neuen Komödie verwertet Todd Phillips die Reste von „Hangover“
Originaltitel:Due Date Herstellungsland:USA 2010 Regie:Todd Phillips Drehbuch:Alan R. Cohen, Alan Freedland, Adam Sztykiel, Todd Phillips Darsteller:Robert Downey Jr., Zach Galifianakis, Michelle Monaghan, Jamie Foxx, Juliette Lewis, Danny McBride, RZA, Matt Walsh, Brody Stevens, Mimi Kennedy
„Hangover“ verfügte über ein Budget von $ 35 Millionen, hatte keine großen Stars zu bieten und wurde von einem Mann inszeniert, dessen letzter Film ein Riesenflop war. Es sah also alles andere als gut für diese Komödie aus, aber da sie ziemlich gut war, wurde sie in den USA zum finanziell zehnterfolgreichsten Film des Jahres 2009, der in den USA meistverkauften DVD aller Zeiten, ehe „Avatar“ herauskam, spielte weltweit $ 467 Millionen ein und gewann einen Golden Globe in der Kategorie „Beste Komödie“. Nun, was soll man tun, um an so einen riesigen und unerwarteten Hit anzuschließen? Falls Sie Todd Phillips sind, besteht die Antwort auf diese Frage darin, einige der Dinge zu nehmen, die in „Hangover“ so gut funktionierten, das Baby in einen Hund zu verwandeln, einen schwarzen Mann (Mike Tyson) durch einen anderen (Jamie Foxx) zu ersetzen und dem Ganzen eine große Portion „Planes, Trains and Automobiles“ („Ein Ticket für zwei“) hinzuzufügen. Da ich zu einem gewissen Grad von „Hangover“ besessen bin (es ist meine liebste Komödie von 2009), war es unvermeidlich, dass mir noch einige weitere Dinge auffallen.
Die Frist
In „Hangover“ hatten die Typen bis zur Hochzeit zwei Tage Zeit, ihren Freund zu finden, und in „Stichtag“ muss der Architekt Peter Highman (Robert Downey Jr.) in Los Angeles eintreffen, bevor seine Frau (Michelle Monaghan) das erste gemeinsame Kind zur Welt bringt.
Der Verrückte
Verschiedentlich war zu hören, dass Zach Galifianakis der plötzliche Ruhm, den „Hangover“ ihm bescherte, unangenehm ist. Warum entschied er sich dann, hier im Prinzip genau denselben Charakter noch einmal zu spielen? Ich bin ein wenig verwirrt.
Die Musik
Schon nach den ersten fünf Minuten des Films fand ich es unmöglich, die seltsam bekannt klingende Musik zu ignorieren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Christophe Beck die Musik sowohl für diesen Film als auch für „Hangover“ komponierte, obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass er gebeten wurde, genau dasselbe noch einmal zu machen. (Vielleicht ist es auch nur darauf zurückzuführen, dass er vom Fernsehen – „Buffy the Vampire Slayer“ – kommt, wo immer wieder sehr ähnliche Musikstücke verwendet werden.) Davon abgesehen, ist „Stichtag“ durchsetzt mit Rap-Nummern, was dem Ganzen eine Note und einen Stil verleiht, der „Hangover“ viel zu ähnlich ist, als dass es einem entgehen könnte.
„Stichtag“ ist mit Sicherheit kein origineller Film, aber ich musste immer wieder kichern und bei einigen Szenen sogar laut lachen. Allerdings finden sich auch Gags, die auf geradezu desaströse Weise nach hinten losgehen. (Wenn etwa Downey Jr. einem Kind einen Schlag in die Magengrube versetzt, kann man wirklich nur mehr das Gesicht verziehen.) Für eine Komödie, die in der Kino-Nebensaison läuft, ist „Stichtag“ nicht einmal unlustig, aber alles in allem lässt sich nur sagen, dass der Film immerhin besser ist als „Dinner für Spinner“. Wahrlich hohes Lob.
Dass„Stichtag“ trotz vieler Schwächen und der spätestens ab der unnötigen Szene an der mexikanischen Grenze aufkommenden Langeweile als eine der besten Komödien des Kinojahres 2010 bezeichnet werden kann, ist weniger den Verdiensten des neuesten Streichs des Teams Phillips/Galifianakis zu verdanken als vielmehr dem Umstand, dass Hollywood einfach keine vernünftigen Komödien mehr hervorzubringen vermag.
Es kommt nur äußerst selten vor, dass man noch in der Woche, in der ein Film anläuft, einen neuen Trailer für diesen veröffentlicht. TV-Spots? Sicher. Poster? Warum nicht. Aber einen richtigen Trailer? Das ist seltsam. Zum Glück haben die Produzenten von „Due Date“ [„Stichtag“] ein Schlupfloch gefunden – sie nennen das Filmchen einfach einen Clip.
Auf MySpace wurde dieser so genannte „Restricted Clip“ veröffentlicht, der eben Clip heißt, obwohl er fast zwei Minuten lang ist und aus mehreren Szenen besteht – Sie wissen schon, wie ein Trailer. Musikalisch untermalt von dem Doors-Klassiker „When You´re Strange“, schafft es der „Clip“, an die Heiterkeit der vorangegangenen Trailer anzuschließen, was wahrlich nicht leicht ist. Natürlich werden so kurz vor dem Kinostart einige Gags wiederholt, aber ich denke dass Sie Gefallen daran finden werden, was Zach Galifianakis und sein Hund jede Nacht tun, um einschlafen zu können.
Die Fortsetzung des mega-erfolgreichen „Iron Man“ ist akzeptabel, mehr nicht
Originaltitel:Iron Man 2 Herstellungsland:USA 2010 Regie:Jon Favreau Drehbuch:Justin Theroux, basierend auf dem Comic von Stan Lee Darsteller:Robert Downey Jr., Mickey Rourke, Scarlett Johansson, Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Sam Rockwell, Samuel L. Jackson, Jon Favreau, Paul Bettany, Leslie Bibb
Die bis dato unfehlbare Regel in Bezug auf Comic-Superhelden-Filme ging davon aus, dass, wenn der erste Streifen gut ist, der zweite noch um einiges besser wird. Sind erst einmal all diese lästigen Expositionen aus dem Weg, können die Filmemacher befreit mit dem von ihnen kreierten Universum spielen und die Charaktere aus den ursprünglichen Geschichten herauslösen, um auf diese Weise tiefer in ihre Welt einzudringen. Teil eins etabliert die grundlegenden Regeln. Teil zwei erlaubt dann, die Geschichte breiter und komplexer anzulegen und große Geschütze aufzufahren.
Diese Regel war auf alle erfolgreichen Verfilmungen von Comicbuchreihen anwendbar, die mir gerade einfallen - Spider-Man, X-Men, Superman, Batman. Doch nun sind wir mit dem seltsamen Fall von „Iron Man 2“ konfrontiert. Alle wichtigen Darsteller sind wieder mit von der Partie (mit Ausnahme von Terrence Howard, der durch Don Cheadle ersetzt wurde), das Budget ist noch größer und auch der etwas respektlose Ton des ersten Streifens bleibt dank Robert Downey Jr. erhalten, der in der Rolle des Tony Stark, des Milliardärs mit dem schwachen Herzen und dem supercoolen Kampfanzug, wieder sehr lustig und einnehmend agiert.
Das Hauptproblem von „Iron Man 2“ ist das Drehbuch, geschrieben von dem eher als Schauspieler bekannten Justin Theroux (er spielte unter anderem den temperamentvollen Regisseur in „Mullholland Drive“ und Drew Barrymores Exfreund in „Drei Engel für Charlie – Volle Power“). Anstatt den Einsatz zu erhöhen und die Beziehungen der Figuren untereinander weiterzuentwickeln - wie zum Beispiel Starks heißes Flirten mit seiner verlässlichen persönlichen Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), die zur Vorstandsvorsitzenden von Stark Enterprises aufgestiegen ist -, wärmt „Iron Man 2“ einfach die meisten Elemente aus dem ersten Film auf, allerdings mit geringerem Erfolg. Man erwartet, dass der Film endlich in Fahrt kommt und einen Gang zulegt, aber es passiert nie.
Wiederum muss sich Tony Stark in seinem Labor verkriechen, um einen Ersatz für sein schwaches Herz zu bauen (derjenige, den er im ersten Teil zusammenbaute, hat, wie sich herausstellt, giftige Nebenwirkungen). Wiederum gibt es einen Bösewicht, den Russen Ivan Vanko (gespielt von dem sträflich unterforderten Mickey Rourke), der einen Roboter bauen möchte, der stark und böse genug ist, um Iron Man in Altmetall zu verwandeln. Neben Vanko gibt es einen zweiten schlimmen Finger, einen Waffenproduzenten (Sam Rockwell), der das tun möchte, was sich Stark selbst weigert zu tun: Das U.S. Militär mit der Technologie auszustatten, die der Milliardär sich selbst vorbehalten will.
Regisseur Jon Favreau, der es immer besser versteht, sündhaft teure Hochglanzproduktionen in Szene zu setzen, schafft es immerhin, den Film auf einem rein optischen Level interessant zu halten, aber auch er ist weitgehend machtlos gegen ein Drehbuch, das mit mehr Dialog belastet ist als ein durchschnittlicher Merchant/Ivory –Streifen über gehemmte Briten, die beim Fünf-Uhr-Tee sitzen und Gebäck knabbern. „Iron Man 2“ ist ein extrem dialoglastiger Film: Mit Ausnahme einer (zugegeben recht gelungenen) Szene zu Beginn, in der Vanko ein Autorennen mit seinen elektrischen Peitschen, die alles durchtrennen wie Laserschwerter, empfindlich stört, gibt es keine wie auch immer geartete Action – und ich meine wirklich: keine – bis zum 20-minütigen Grande Finale (und selbst dabei stiehlt die fantastische Scarlett Johansson als Natasha Romanoff, den Fans von Marvel Comics auch als The Black Widow bekannt, der Titelfigur die Show.)
Aber im Gegensatz zu „Avatar“, der die Geduld des Zuschauers mit einem überwältigenden Actionfeuerwerk belohnte, ist das hier Gebotene das lange Warten nicht wert. Ich habe durchaus etwas übrig für Filme, die sich Zeit nehmen für die Entwicklung der Charaktere, aber das ist lächerlich. „Iron Man 2“ wirkt mehr wie eine Vorbereitung auf den im Entwicklungsstadium befindlichen „The Avengers“-Film von Joss Whedon als ein eigenständiges Abenteuer – eine verwirrende und unerwartete Enttäuschung, wenn man bedenkt, wie originell und unterhaltsam der erste Teil war. Die Sommer-Blockbuster-Saison beginnt mit einem ziemlichen Rohrkrepierer.
Fazit: Zu viel Gerede, zu wenig originelle Action, einzig die fantastische Scarlett Johansson in ihrem hautengen Kostüm und der wuchtige Soundtrack von AC/DC ragen über das Mittelmaß hinaus. Ein typischer Popcorn-Film, der um einiges zu lang geraten ist.
„Iron Man 2“ wird mit Sicherheit einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 2010 – schließlich lieben die Kinogeher kaum etwas mehr als kräftig zuschlagende bärtige Roboter mittleren Alters.
Aber was dürfen wir uns von „Iron Man 2“ erwarten? Wird es mehr Explosionen geben? Ja! Wird es mehr Kampfszenen geben? Ja! Werden darin mehr knorrige alte Männer vorkommen, die ohne Hemd herumlaufen und mit einem gekünstelten russischen Akzent sprechen, der so lächerlich ist, dass er beleidigend wirkte, wäre er nicht so unverständlich? Ja!
Ich weiß das, weil seit kurzem der neue „Iron Man 2“-Trailer im Internet kursiert. Aber wie bei den meisten Dingen in der heutigen Zeit geht auch hier alles viel zu schnell vor sich. Deshalb habe ich mich entschlossen, den Trailer quasi zu verlangsamen und ihn Ihnen Szene für Szene zu erläutern. Nichts zu danken…
Hier nun der neue „Iron Man 2“-Trailer…
Warten Sie, was ist da gerade passiert? Ich weiß es auch nicht. Das war so ein Durcheinander unzusammenhängender Bilder und Geräusche, dass es wohl keinen Menschen auf Erden gibt, der diesen Wust an Informationen auf einmal verarbeitet haben könnte. Darum lassen Sie mich meinen Analysehut aufsetzen und genau ergründen, womit „Iron Man 2“ aufwarten wird…
„IRON MAN 2“- TRAILER SZENE 1
Sehen sie nur, es ist Sherlock Holmes! Nein, warten Sie, nicht Sherlock Holmes, sondern der andere. Wie heißt der? Genau, Charlie Chaplin. Nein, warten Sie, auch nicht Charlie Chaplin. Der Typ aus „Ally McBeal“? Ja, genau, der ist das. Er trägt einen Metallanzug, aber dass hat wahrscheinlich etwas mit einer von Ally McBeals seltsamen Phantasiesequenzen zu tun. Ja, darum wird es sich hier mit ziemlicher Sicherheit handeln.
„IRON MAN 2“- TRAILER SZENE 2
Sehen sie, Scarlett Johansson. Das ist zweifellos eine gute Sache, denn sie erhöht die Qualität jedes Films, in dem sie mitspielt. Man denke nur an diesen schwachen Woody-Allen-Film. Oder Michael Bays „Die Insel“. Oder „Er steht einfach nicht auf Dich!“. Oder…oh, wer lässt sich von so einer Aufzählung an der Nase herumführen? Scarlett Johanssons Mitwirken macht alle Filme schlechter. Übrigens, das Geräusch, das Sie in dieser Szene des Trailers hören können stammt von Gwyneth Paltrow, die mit den Zähnen knirscht, weil sie nicht länger die schönste Frau in „Iron Man“ ist.
„IRON MAN 2“- TRAILER SZENE 3
Das ist Mickey Rourkes große Szene. Sein langer Monolog, der nicht nur die persönliche Philosophie der von ihm gespielten Figur, sondern auch eines der Hauptthemen des Films etabliert. Deshalb ist es eine ziemlich Schande, dass er sich entschlossen hat, mit so einem unverständlichen russischen Akzent zu sprechen. Ich glaube, er sagt so etwas wie “Ivooka may cobbley, pee poo wiseizto bleevim. Deyvill deploy dewatoo anna shaksucum. AHAHAHA!” Aber ich könnte mich auch irren.
„IRON MAN 2“- TRAILER SZENE 4
Hier sehen wir einige der anderen Feinde, mit denen es Iron Man in diesem Film zu tun bekommt. Das sind Stormtroopers. Nein, halt, nicht Stormtroopers. Fußsoldaten. Nein, auch nicht. Ach, ich weiß es nicht.
„IRON MAN 2“- TRAILER SZENE 5
Hier macht Robert Downey Jr – und NICHT Terrence Howard – einige von ihnen nieder. Armer Terrence Howard. Er wird sich das anschauen und traurig sein, dass hier nicht ein gänzlich computergenerierter Roboter von ungefähr seiner Statur andere computergenerierte Roboter vernichtet.
„IRON MAN 2“- TRAILER SZENE 6
In dieser Szene sorgt Scarlett Johansson dafür, dass etwas Heißes aus Robert Downey Jrs Penis herausschießt. Nein, Moment, ich wollte natürlich sagen, dass sie seine Waffe zur Ejakulation brachte. Nein, Moment, ich meinte, sie wichste seinen Metallstab. Nein, Moment, ich…eigentlich hatte ich recht. Scarlett Johansson wichste Robert Downey Jrs Metallstab.
„IRON MAN 2“- TRAILER SZENE 7
In „Iron Man 2“ lässt sich der Iron-Man-Anzug auf die Größe eines normalen Koffers verkleinern. Die Moral der Geschichte ist, dass Sie bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen nie hinter Robert Downey Jr stehen sollten. Wenn schon ein Passagier, der vergessen hat, seinen Laptop aus der Tasche zu nehmen, für einige Verzögerung sorgen kann, dann stellen Sie sich doch einmal vor, was passiert, wenn jemand einen voll funktionstüchtigen fliegenden Roboter durch die Scanner zu kriegen versucht. Da warten Sie sicher stundenlang und verpassen Ihr am Ende Ihr Flugzeug. Er ist einfach rücksichtslos, dieser Robert Downey Jr. Verdammter Robert Downey Jr!
Originaltitel: Sherlock Holmes Herstellungsland: USA 2009 Regie: Guy Ritchie Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg Darsteller: Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel McAdams, Mark Strong, James Fox, Kelly Reilly
Dass ein Film gewisse Schwierigkeiten hat, ist oft daran zu erkennen, dass mehrere Autoren für das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Im Falle von „Sherlock Holmes“ waren es drei, plus zwei weitere für die Entwicklung der Story. Dazu kommt noch, dass Regisseur Guy Ritchie zuletzt mit „Stürmische Liebe –Swept Away“, „Revolver“ und „RocknRolla“ drei Flops in Serie zu verantworten hatte und ein Neuling in Sachen Big-Budget-Film ist (ihm standen angeblich $80 Millionen zur Verfügung) – und diesem Druck musste er offensichtlich Tribut zollen.
Das dürfte auch der Grund sein, warum „Sherlock Holmes“ letztendlich nur ein Hochglanz-Actionfilm wurde, wie ihn wohl jeder x-beliebige Regisseur hätte drehen können. Hie und da sind Reste des typischen Ritchie –Stils auszumachen, etwa der wirkungsvolle Einsatz der Zeitlupe in den Kampfszenen, aber alles in allem haben wir es mit einer durch und durch amerikanischen Großproduktion zu tun.
Die gute Nachricht für alle Holmes-Puristen, denen allein schon bei der Vorstellung übel wird, dass der gewiefteste Detektiv der Literaturgeschichte zur Witzfigur verkommen könnte, ist zugleich eine schlechte Nachricht für alle anderen: „Sherlock Holmes“ ist nicht einmal ein großartiger Missgriff. Es ist nur ein Film, der in einem die Sehnsucht nach den früheren Werken von Mr. Ritchie weckt. Sogar nach „Snatch“.
Der Titelheld wird mit viel Übertreibung von Robert Downey Jr. gespielt, während Jude Law seinen ständigen Begleiter Dr. Watson gibt - letzterer wurde sicher allein aufgrund seines Aussehens und seiner Ausstrahlung besetzt, denn seine seltsam langweilige Aura scheint wie geschaffen für die Rolle. Aber die beiden vermögen nicht zu überzeugen: Downey Jr. spielt Holmes als Cartoon-Figur mit unstetem Blick anstatt als genialen Denker, Laws Watson ist ein wandelndes Nichts.
Der Fall, den sie zu lösen haben, ist von internationaler Bedeutung. Während Arthur Conan Doyle seinen Helden mit kleinen, recht überschaubaren Problemen konfrontierte, muss dieser Holmes die ganze Welt retten. Ein stark an Aleister Crowley erinnernder Satanist (Mark Strong, bekannt aus einigen anderen Ritchie-Filmen, mit Bela-Lugosi-Frisur) hat eine Plan ausgeheckt, der dem „Da Vinci Code“ an Größe und Komplexität in nichts nachsteht und solche Kleinigkeiten beinhaltet wie Wiederauferstehung von den Toten, Eindringen ins Parlament und Erlangen der Weltherrschaft. James Bond lässt grüßen.
Das Ganze ist einfach zu groß aufgezogen, als dass Holmes´ Stärke, sein Spürsinn, sich voll entfalten könnte. Die deduktiven Einsichten bleiben weitgehend auf der Strecke. Die Sachkenntnis dieses Meisterdetektivs würde wohl nicht einmal einen Streifenpolizisten beeindrucken. Die Verkleidungen überraschen kaum, die witzigen Dialoge zünden selten, die Symbolik ist wenig subtil (es gibt da zum Beispiel eine viel zu häufig auftauchende Krähe).
„Sherlock Holmes“ verwirrt und verblüfft auf die falsche Weise. Ist es eine coole Satire auf viktorianische Ernsthaftigkeit? Ein Thriller? Oder doch eine Komödie? In der Vergangenheit wusste Guy Ritchie zumindest, welche Art Film er drehte, wenn auch das Ergebnis nicht immer überzeugen konnte. Dieser Mischmasch verschiedener Genres deutet darauf hin, dass er das Vertrauen zu seinen Fähigkeiten verloren hat.
Diese Selbstzweifel mögen wohlbegründet sein, aber widerstreitende Intentionen heben einander auf, und so kann Ritchie weder für Authentizität noch für mutige Neuinterpretation Bonuspunkte sammeln.
Sein einziger Versuch in Richtung Neuinterpretation dürfte die Aufwertung der Holmes/Watson-Beziehung von geselliger Freundschaft (mit homoerotischen Untertönen) zu echter brüderlicher Liebe sein. Und zu Anfang sieht das vielversprechend aus. Mit ihren geschniegelten Anzügen und den schicken Gehstöcken, den Kleinen Wortgefechten und dem gemeinsamen häuslichen Leben erinnern sie an Gilbert und George.
Aber es ist ein sehr oberflächlicher Versuch der Modernisierung, der rasch langweilig wird. Watsons großes Dilemma – ob er sein Leben mit Holmes hinter sich lassen und die liebreizende Mary (Kelly Reilly, sträflich unterbeschäftigt) heiraten soll – hat den Tiefgang eines Wham-Songs.
Und obwohl das Drehbuch Rachel McAdams als Irene Adler ins Spiel bringt, eine junge Frau aus Jersey und eine Gegnerin, die Holmes respektvoll als „die“ Frau bezeichnet, wird aus dieser Idee wenig gemacht. Ihre Motive bleiben im Dunkeln selbst wenn sie erklärt werden, die Beziehung zwischen ihr und Holmes hat weder Witz noch Leben.
Der Film selbst ist aufgebläht, voll von Actionszenen in Zeitlupe (oder, noch langweiliger, Actionszenen, die zweimal gedreht wurden – einmal mit Holmes´ Voraussagen, was er tun wird, und dann noch einmal, wenn er das Gesagte in die Tat umsetzt). Der ganze Film wirkt weniger wie Sherlock Holmes, sondern mehr wie seltsame und unnötige Fortsetzung von „Wild, Wild West“ mit Will Smith.
„Sherlock Holmes“ scheint schon mit Blick auf mögliche Fortsetzungen inszeniert worden zu sein; nicht jeder Bösewicht wird zur Rechenschaft gezogen, und ja, das ist Moriarity selbst, der immer wieder im Schatten lauert. (Im dunkelsten Schatten; anscheinend wartet man, wie dieser Film ankommt, bevor man den Napoleon des Verbrechens besetzt.) Hier jedenfalls ist alles mehr hektisch als unterhaltsam.
Was ist nur schief gegangen, und wie hätte es verhindert werden können? Das ist ein Rätsel, das wohl nur der große Detektiv selbst lösen kann.
Fazit: „Sherlock Holmes“ will zuviel auf einmal sein. Da Ergebnis leidet unter dieser Orientierungslosigkeit. Zwar ist der Detektiv auch in der literarischen Vorlage durch aus ein Athlet, nämlich Boxer, aber hier verkommt er bisweilen zum Action-Kasper. Es sollte ein Familienfilm werden, ein Unterfangen, das mit Abstrichen geglückt ist. Doch zufrieden stellen kann der fertige Streifen wohl nur sehr einfache Gemüter. Möge uns eine Fortsetzung erspart bleiben…