Diese E-Mail wurde gestern an alle versandt, die auf der „Atlas Shrugged“ Promoliste stehen:
Striker, In response to the overwhelming reception, and seemingly endless debate, accompanying the unveiling of the Atlas Shrugged Movie trailer, we are proud to share with you a very special clip pulled directly from the film. The clip shows Henry Rearden... the clip shows Henry... Eh ehm... I guess you'll just have to watch to find out exactly what Henry's doing.
„Eh ehm“, trifft es genau. Es ist wahrlich ein gutes Zeichen, wenn der Trailer so inkompetent zusammengestellt wurde, dass man einen Teil des Filmes vorab veröffentlichen muss, um zu beweisen, dass man in der Lage ist, Einstellungen so aneinanderzufügen, dass sie eine Szene ergeben. Und es ist ebenfalls ein gutes Zeichen, wenn man potenzielle Kinogeher dazu animieren muss, von lokalen Kinos zu verlangen, den Film zu zeigen. (76 Leute im Großraum Detroit! 79 Leute im Großraum Dallas! Das sind genug Leute, um einen kleinen Kinosaal einmal halb zu füllen!)
Der erste Trailer für „Atlas Shrugged: Part I“, die von Paul Johansson inszenierte Leinwandadaption von Ayn Rands Bestseller „Atlas Shrugged“, ist im Netz aufgetaucht. Ehrlich gesagt, das Ganze wirkt wie ein langweiligeres Remake von „Alarmstufe – Rot“, was gar nicht so schlecht wäre, denn ich würde mir „Atlas Shrugged“ mit Steven Seagal als John Galt (er wird im Film von Johansson selbst gespielt) ganz bestimmt ansehen.
Was auch immer sie von der Theorie des Objektivismus halten mögen, dieser Trailer ist alles andere als effektiv. Sicher, er strotzt nur so vor Dialogen, die sehr bedeutungsvoll sein mögen, wenn man die ungefähr 90,000 Seiten des Buches gelesen hat, doch für diejenigen, die Ayn Rand nicht von Emo Phillips unterscheiden können, wirkt das wie ein Film über irgendwelche Leute, die wütend auf Amtrak sind und/oder irgendetwas mit Metallverarbeitung zu tun haben. Was ist Ihre Meinung, liebe Leser? Kann das ein interessanter Film werden oder haben wir es eher mit einem an den „Fernsehfilm der Woche“ erinnernden Flop zu tun?
„Atlas Shrugged“ kommt am 15. April in die amerikanischen Kinos.
Flashpoint Entertainment hat einen Trailer für Francis Lawrences Leinwandadaption von Sara Gruens Romanbestseller „Water for Elephants“ veröffentlicht. Die Story dreht sich um einen Studenten der Veterinärmedizin, der „nach dem Tod seiner Eltern seine Studien abbricht, um sich einem Zirkus als Tierarzt anzuschließen“. In den Hauptrollen sind Robert Pattinson, Reese Witherspoon, Christoph Waltz und Hal Holbrook zu sehen.
Die offizielle Synopsis:
Jacob (Robert Pattinson), Student der Veterinärmedizin, lernt Marlena (Reese Witherspoon), den Star eines altmodischen Zirkus, kennen und verliebt sich in sie. Sie entdecken die Schönheit unter der Kuppel des Zirkuszelts und finden durch das gemeinsame Mitgefühl für einen besonderen Elefanten zueinander. Trotz aller Widerstände – da ist etwa der Zorn von Marlenas charismatischem, aber gefährlichem Ehemann August (Christoph Waltz) – finden Marlena und Jacob lebenslange Liebe.
Klingt nach einem echten Frauenfilm. „Water for Elephants“ kommt am 14. April 2011 in die deutschen und einen Tag später in die amerikanischen Kinos.
Freida Pinto wirkt in Julian Schnabels Film unsicher
Originaltitel:Miral Herstellungsland:FRA/ISR/ITA/IND 2010 Regie:Julian Schnabel Drehbuch:Rula Jebreal, basierend auf ihrem Roman Darsteller:Freida Pinto, Hiam Abbass, Omar Metwally, Alexander Siddig, Ruba Blal, Willem Dafoe, Vanessa Redgrave
Julian Schnabel, dessen „Schmetterling und Taucherglocke“ so herausragend war, hat sich mit seinem neuen Film „Miral“, basierend auf dem Roman der palästinensischen Autorin Rula Jebreal, in ein ziemliches Durcheinander verwickelt. Der Film ist nicht in der Lage, die Geschichte der Heldin auf eine verständliche und fesselnde Weise zu erzählen; stattdessen verheddert er sich zuerst in der (ermüdenden) Geschichte des Jerusalemer Kinderhauses, in dem Miral aufwuchs und das von jemand ganz anderem, einem gewissen Hind Hussaini (Haim Abbass) gegründet wurde. Von Anfang an fehlt die Konzentration auf das Wesentliche und es hilft auch nicht, dass sich Freida Pinto in der Rolle der Titelheldin sichtlich unwohl fühlt und eindeutig fehlbesetzt ist.
Fazit: Ein Film für Leute, die Langeweile für Kunst halten.
Der Film soll ja nicht so gelungen sein, aber trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) wird heftig für Rowan Joffes Adaption von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ geworben.
Das neue unterscheidet sich nicht großmächtig von dem vorherigen Poster, aber immerhin sind diesmal auch Sam Rileys Co-Stars Helen Mirren und Andrea Riseborough zu sehen. Andy Serkis und John Hurt wirken ebenfalls in dem Film mit, der ab dem 4. Februar 2011 in Großbritannien und ab dem 7. April 2011 in Deutschland zu sehen sein wird.
Falls Sie mehr über den Streifen wissen möchten, sehen Sie sich bitte den folgenden Trailer an:
Dies ist ein Beitrag für alle Beatniks da draußen. Playlist hat einige in Richtung Kunstphotographie gehende Bilder aus der Filmadaption von Jack Kerouacs enorm einflussreichem Romanklassiker „On The Road“ ins Netz gestellt.
Eine Filmversion dieses bahnbrechenden Buchs war schon einige Zeit in Arbeit, ehe Regisseur Walter Salles („The Motorcycle Diaries“) für das Projekt verpflichtet werden konnte. Der $25 Millionen teure streifen wurde von Francis Ford Coppola produziert (der übrigens vor langer Zeit einmal selbst eine Version inszenieren wollte).
„On The Road“ ist ein weitgehend autobiographisches Werk, das von mehreren Fahrten handelt, die Jack Kerouac in den 1950-er Jahren mit Freunden quer durch die USA unternahm, wobei er Kultur und Leute kommentierte.
Die Hauptfiguren Dean Moriarty und Sal Paradise, Kerouacs Alter Ego, werden von Garrett Hedlund (demnächst in „Tron: Legacy“ zu sehen) beziehungsweise Sam Riley („Control“) gespielt.
Salles hat sein Bestes getan, die Autoreise zu einem besonderen Ereignis zu machen. Kristen Stewart, Viggo Mortensen, Amy Adams, Kirsten Dunst, Steve Buscemi, Terrence Howard, Alice Braga und Elisabeth Moss werden dei beiden Helden auf ihren Reisen begleiten.
Der Film wird derzeit noch gedreht, weshalb mit einem Kinostart nicht vor Herbst nächsten Jahres zu rechnen ist.
Was ist nur mit Colin Farrell passiert? Nach „Brügge sehen…und sterben?“ sah es so aus, als wäre er auf dem Weg zurück auf die Hollywood-A-Liste oder zumindest auf eine Liste ernstzunehmender Hauptdarsteller, falls jemand so eine Liste führt. Aber seit „Brügge sehen…“ hat er sich mit unbedeutenden Nebenrollen in guten Filmen und Hauptrollen in unbedeutenden Filmen begnügt. Und nun macht er „Brügge sehen…“ noch einmal, oder zumindest einen ganz ähnlichen Film.
Vor kurzem ist der erste Trailer für „London Boulevard“ im Internet aufgetaucht. Darin scheint Colin Farrell genau wie in „Brügge sehen…“ einen Gangster zu spielen, der seinen Platz in der Welt hinterfragt. Gerade erst aus dem Gefängnis entlassen, verliebt er sich in eine von Keira Knightley gespielte Filmschauspielerin und versucht, sich nicht wieder von Ray Winstone in kriminelle Machenschaften hineinziehen zu lassen.
„London Boulevard“ wurde von William Monahan inszeniert, der zurzeit die Nachbearbeitung überwacht. In weiteren wichtigen Rollen sind Jamie Campbell Bower („Twilight“), Anna Friel, David Thewlis und Eddie Marsan zu sehen.
„London Boulevard“ kommt am 26. November in die britischen Kinos. Weitere Starttermine sind noch nicht bekannt. Sollten Sie sich also demnächst zu unseren Freunden auf die Insel verirren, lassen Sie sich diesen Film nicht entgehen.
Eine erbärmliche, rührselige Romanze, in der Zac Efron seine Teeny-Star-Wurzeln nicht abzuschütteln vermag
Originaltitel:Charlie St. Cloud Herstellungsland:USA 2010 Regie:Burr Steers Drehbuch:Craig Pearce, Lewis Colick, basierend auf dem Roman „The Death and Life of Charlie St. Cloud“ von Ben Sherwood Darsteller:Zac Efron, Charlie Tahan, Amanda Crew, Augustus Prew, Donal Logue, Kim Basinger, Ray Liotta, Dave Franco, Matt Ward, Miles Chalmers
Gleich einem Hochspringer, der die Latte mit seiner Stirn in zwei Teile bricht, schafft es der frühere Teeny-Star Zac Efron nicht, sich mit diesem unerträglichen romantischen Drama, das in dem butterartigen Spätsommerlicht gedreht wurde, das man aus Filmen wie „Message in a Bottle“ und „Wie ein einziger Tag“ kennt, in die Liga der erwachsenen Schauspieler zu katapultieren. Efron spielt Charlie St. Cloud, einen talentierten Highschool-Segler aus bescheidenen Verhältnissen – seine Mutter, gespielt von Kim Basinger, ist Krankenschwester. Die reichen Yacht-Snob-Kinder verspotten ihn, aber er besiegt sie bei allen Regatten und hat soeben ein Segelstipendium für eine der besten Universitäten des Landes errungen. Aber das unerbittliche Schicksal wirft Charlies gesamte Lebensplanung über den Haufen und der Film bekommt eine lächerliche Ich-sehe-tote-Menschen-Prämisse übergestülpt, die mehr an Ricky Gervais´ „Wen Geister lieben“ erinnert als an M. Night Shyamalans „The Sixth Sense“.
Der rührselige Plot, in dem Charlie um seinen kleinen Bruder (Charlie Tahan) trauert, der bei einem Unfall von ihm verursachten Verkehrsunfall ums Leben kam, plagiiert hemmungslos Timothy Huttons Zwangslage in „Eine ganz normale Familie“ von vor 30 Jahren. Die metaphysische Liebesgeschichte zwischen Charlie und seiner Klassenkameradin Tess (Amanda Crew), die um ihren jüngst verstorbenen Vater trauert, zu einer Weltumseglung aufbricht und vom Radar verschwindet, lässt sich zu „Ghost – Nachricht von Sam“ zurückverfolgen. Und Charlies Visionen von toten Menschen sind, wie schon erwähnt, spätestens seit „The Sixth Sense“ nichts Neues mehr.
„Wie durch ein Wunder“ handelt vorgeblich von so großen Themen wie Schuld und Sühne und dem Sinn des Lebens, aber anstatt daraus ein ergreifendes Drama zu machen, lässt Regisseur Burr Steers das Ganze zu einem bittersüßen unaufrichtigen Mischmasch verkommen. Unaufrichtigkeit ist immer und überall zu spüren, etwa auch in der Art und Weise, wie der von Ray Liotta gespielte Rettungssanitäter einen ganz harmlosen Glauben beschwört, den Charlie in narzisstische Selbstverwirklichung umdeutet (Ich kann das schaffen!). Regisseur Steers ist mehr rührselig als moralisch. Charlie leidet unter der Schuld des Überlebenden, die ihn zwingt, Tess zu eröffnen: „The more I´m in your world, the less I can be in his.“ („Je mehr ich in Deiner Welt bin, desto weniger kann ich in seiner sein.“) „Wie durch ein Wunder“ ist so rührselig, dass einem Oscar Wildes gegen Charles Dickens gerichteter Ausspruch einfällt: One must have a heart of stone to not laugh at it. (Man muss ein Herz aus Stein haben, um nicht darüber zu lachen.)
Efron weint Tränen auf dieselbe Weise, wie ein Cheerleader mit den Pom-Poms wedelt. Fast vom Anfang bis zum Ende macht er aus den Problemen mit dem Erwachsenwerden ein Gimmick, mit dem er das Zielpublikum zu ködern trachtet. Seit dem ersten (guten) „High School Musical“ wurde Zac Efron im Labor zu einer Tween-Action-Figur umgemodelt und dann in lausige, beinhart kalkulierte Filme gesteckt. Wenn ab und zu ein Schauspieler versucht, sich hinter den blauen Augen und unter der modisch gestylten Frisur hervorzukämpfen, dann erinnert Efron an einen jungen Keir Dullea, aber leider fehlt es an einem glaubwürdigen dramatischen Kontext. Da ist nur Rührseligkeit mit einer schamlos schwärmerischen Sicht der Metaphysik. „Wie durch ein Wunder“ ist eine Art billiger Abklatsch von „Inception“ – für Mädchen.
Fazit: Nur etwas für blauäugige ZZac-Efron-Fans. Allen anderen wird angesichts dieses langweiligen sentimental-metaphysischen Eintopfs übel werden. Mit Sicherheit einer der schlechtesten Filme des Jahres.
Diese Bestseller-Verfilmung schleppt sich Meile für trostlose Meile dahin
Originaltitel:The Road Herstellungsland:USA 2009 Regie:John Hillcoat Drehbuch:Joe Penhall, nach dem Roman von Cormac McCarthy Darsteller:Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Robert Duvall, Guy Pearce, Molly Parker, Charlize Theron, Michael K. Williams, Garret Dillahunt, Bob Jennings,
Eine öde, mit Asche bedeckte Landschaft. Halbverrückte Überlebende wandern auf den leeren Straßen herum und suchen nach Nahrung, Frauen, Treibstoff. Und ein einzelner tapferer Mann, der sein bestes tut, um sich, und die Menschlichkeit, am Leben zu erhalten.
Wo haben wir das schon gesehen?
Nun, so ziemlich überall, seit die erste Welle der hier-kommt-die-Apokalypse-Thriller in den 1950-er Jahren über die Leinwände flimmerte.
Manchmal waren sie ernst („Five“, „Das letzte Ufer“). Manchmal waren sie reine Exploitation-Filme („In the Year 2889“, „Panik im Jahre Null“). Manchmal waren sie eine Mischung aus beidem („Mad Max“).
Aber sie waren nicht langweilig – bis zu „The Road“.
Dabei würde so manches für diesen Streifen sprechen: er verfügt über einen literarischen Stammbaum (er basiert auf dem sehr erfolgreichen Roman von Cormac McCarthy), der Regisseur (John Hillcoat, seit dem Erfolg des Western „The Proposition“ ein begehrter australischer Auteur) versteht sein Handwerk, es machen einige große Stars mit und er strotzt nur so vor Bedeutung mit einem riesigen „B“.
Wie bedeutungsschwer ist er? Viggo Mortensen ist „Der Mann“ (in dem anonymen, dem „Jedermann“-Sinn), Charlize Theron ist „Die Frau“. Kodi Smit-McPhee ist „Der Junge“.
Und ich bin Das Publikum, und ich bin verärgert.
Nicht, dass der Film nicht großartig aussähe. Der arrivierte spanische Kameramann Javier Aguirresarobe – der unter anderem „Goyas Geister“ und „New Moon – Biss zur Mittagsstunde“ photographierte – vollbringt wahre Wunder mit einer begrenzten Palette an Grautönen. Und die schauspielerischen Leistungen - allen voran der junge Smit-McPhee als Mortensens verängstigter und verstörter Sohn – sind hervorragend.
Aber was auch immer McCarthys Roman an literarischem Wert hatte, ist im Film (größtenteils) verloren gegangen. Und was übrig ist - die paramilitärischen Selbstschutzgruppen, die verzweifelten Kannibalen, die ständige fieberhafte Suche nach einem sicheren Plätzchen -, haben wir schon oft gesehen, und zwar in Filmen, die bei weitem nicht so hohe Ansprüche hatten, dafür aber mit Nervenkitzel aufwarteten.
„The Road“ schleppt sich jedoch nur Meile für Meile für Meile dahin und hält ab und zu für einen Rückblende (da taucht Charlize Theron auf, um anzudeuten, was uns hierher gebracht hat) oder einen Gaststar (Robert Duvall, der unterwegs als Charakter auftaucht, der selbstredend nur als „Alter Mann“ bekannt ist) inne.
Jeder Filmfan, der auch nur am Rande an Science-Fiction-Filmen interessiert ist, hat zumindest ein halbes Dutzend Filme wie diesen gesehen – und genau das ist das Problem. Denn der Regisseur und die Schauspieler scheinen keinen einzigen gesehen zu haben und meinen deshalb, Neuland zu betreten, obwohl sie nur ausgetretene Pfade entlang wandeln.
Niemand nimmt das alles ernster als Mortensen, der das Gesicht eines Heiligen auf einem Holzschnitt und die Ausstrahlung eines Märtyrers hat. Aber zu welchem Zweck? Es ist eine intensive, beklemmende Darstellung, aber der Rest des Filmes ist eintönig – bleierne Himmel, bleierne Gesichter, bleischwere Hoffnungen.
Mortensens Einsatz ist lobenswert, aber er verausgabt sich für einen aufgepeppten, verwässerten Genrefilm – Kevin Costners „Postman“ plus Cormac McCarthys Reputation minus Unterhaltungswert. Nur Schmerz und Krankheit, Gewalt und Verzweiflung.
Und dann kommt „The Road“ auch noch im Herbst in unsere Kinos, wo das Wetter draußen ohnehin zumeist trostlos genug ist. Wer möchte da nicht einen Film über ein zerstörtes Amerika und verhungernde Familien sehen?
Fazit: Der Film gibt zwar die kalte Stimmung des Romans gut wider, hat aber insgesamt viel zu wenig zu bieten, um das Interesse des Zuschauers wachzuhalten. Nur Menschen zu empfehlen, die gerne deprimiert sind und/oder ständig Blues hören.
Originaltitel:Eat Pray Love Herstellungsland:USA 2010 Regie:Ryan Murphy Drehbuch:Ryan Murphy, Jennifer Salt, basierend auf dem Buch von Elizabeth Gilbert Darsteller:Julia Roberts, Billy Crudup, James Franco, Javier Bardem, L. Gusti Ayu Puspawati, Hadi Subiyanto, Viola Davis, Welker White, Luca Argentero
Sitze, schaue an, stöhne. Gähne, rutsche herum, strecke mich. Esse Schokoriegel, bete für baldiges Ende des grässlichen Filmes über Julia Roberts´ emotionalen Reifeprozess, liebe Tatsache, dass er nicht ewig dauern kann. Zucke zusammen, tagträume, runzle Stirn. Hasse Drehbuch, hasse darstellerische Leistungen, hasse banale dreiteilige Struktur. Beiße Zähne zusammen, balle Fäuste, konzentriere mich auf Plot. Aufgewühlte Reisende Julia findet Erfüllung durch exotische fremdländische Speisen, exotische fremdländische Religion und Sex mit dem exotischen Fremden Javier Bardem. Film behandelt Italiener, Inder, Indonesier mit Herablassung. Julia findet Spiritualität, lehnt ständigen Konkurrenzkampf ab, borgt balinesischem Therapeuten $ 16.000 für Hauskauf. Balinesischer Therapeut ist dankbar, demütig. Seufze, zwinkere, schniefe. Blicke auf Uhr, stöhne, sacke zusammen.
Film geht weiter, dauert an, zieht sich hin. Mache mir Gedanken über Julia Roberts´ Haar, mache mir Gedanken über Julia Roberts´ Zähne, mache mir Gedanken über die Dauerhaftigkeit von Julia Roberts´ angeblichem Übertritt zum Buddhismus. Kratze mich am Bein, kratze mich am Arm, kratze mich am Kopf. Esse geräuschvoll Chips, bete für mehr Chips, liebe Chips. Schmatze, schmatze, höre plötzlich auf zu schmatzen, als Sitznachbar laut „Shhht!“ zischt. Esse Chips, indem ich sie einsauge, bete, dass das keine Geräusche macht, liebe den salzigen Geschmack. Das macht mich, nebenbei bemerkt, füllig, schwer, fett. Dennoch macht Julias lebensbejahende Pasta sie dünn, schlank, grazil. Sie dramatisiert, schluchzt, hat Mitgefühl. Sie hat Begegnungen, Treffen, Lernerfahrungen. Trifft alten Texaner, süßes indisches Mädchen, dynamischen, italienisch sprechenden Schweden, der glaubt, „Vaffanculo“ bedeute „fick dich“.
Roberts braucht den gesamten Sauerstoff auf, nimmt leichtgläubige Kinogeher aus, liebt, was sie im Spiegel sieht. Julia schläft mit Billy Crudup, James Franco, Javier Bardem. Ex-Ehemann, Lückenbüßer, wahre Liebe. Crudup ist oberflächlich und unreif, Franco ist albern und exzentrisch, Bardem ist attraktiv und heiligengleich. Wir hassen Crudup, mögen Franco, lieben Bardem. Der geschiedene Bardem ist hinreißend, sexy, großzügig. Seine Ex-Frau ist uns egal, gleichgültig, sie interessiert uns nicht. Sie ist abwesend, nicht auf der Leinwand, namenlos. Genau so mag, braucht, bevorzugt Julia es.
Film überschreitet Zwei-Stunden-Marke, geht weiter, ist nicht zu Ende. Wimmere, stöhne, schneide Grimassen. Winde mich, krümme mich, drehe mich. Schäume, knurre, rase. Esse eigene Faust, bete für baldigen Tod, liebe das Gefühl unmittelbar bevorstehender Finsternis. Schreie, stürze nach vorn, muss aus dem Kino getragen werden. Steigere mich in Lebenskrise hinein, fasse Entschluss, biete Chef um ein Jahr bezahlten Urlaub, um auf Reisen zu gehen. Chef steht auf, schüttelt Kopf, formt mit den Lippen das Wort „Nein“. Nicke, drehe mich um, gehe zurück an die Arbeit. Persönlichkeitsentwicklung, spirituelle Reisen, emotionale Bereicherung? Nicht so einfach wie 1-2-3.
Fazit: Ein fast zweieinhalbstündiges, als Spielfilm getarntes Reisevideo, das außer schönen Bildern und mehr oder weniger schönen Menschen nichts zu bieten hat.
Diese langatmige Bestsellerverfilmung ist arm an echten Gefühlen
Originaltitel:Dear John Herstellungsland:USA 2010 Regie:Lasse Hallström Drehbuch:Jamie Linden, basierend auf dem Roman von Nicholas Sparks Darsteller:Amanda Seyfried, Channing Tatum, Richard Jenkins, Henry Thomas, D. J. Cotrona, Cullen Moss
„Das Leuchten der Stille“ möchte eine moderne Version des besonders in der viktorianischen Zeit sehr beliebten Briefromans sein, in dem die Handlung durch lange, zwischen den Protagonisten ausgetauschte Briefe vorangetrieben wird.
Zu dumm, dass das Ganze soviel Substanz hat wie eine Postkarte.
Channing Tatum, der immer den Eindruck erweckt, als würde er- allerdings vergeblich - nach einem besseren Projekt Ausschau halten, das irgendwo in der Ferne auf ihn wartet, spielt John, einen Helden aus einer Spezialeinheit, der sich zwecks Erholung in der Heimat aufhält.
Amanda Seyfried, die aussieht wie ein leicht böser Engel, ist Savannah, eine wahre Traumfrau (ihr einziger Fehler? Sie denkt „schmutzige“ Wörter, wenn sie zornig wird), die die Frühjahrsferien zu Hause verbringt.
Die beiden treffen einander, sie umwerben einander, sie küssen einander auf äußerst photogene Weise.
Und dann ist plötzlich 9/11.
Um dem Film Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, er beutet diese amerikanische Tragödie nicht exzessiv aus. Es gibt keine Szene, die jener in „Pearl Habor“ vergleichbar wäre, in der Kate Beckinsale, nachdem sie sich über die kurz zuvor erfolgte Trennung von ihrem Freund ausgelassen hat, mit großer Geste auf die brennenden Ruinen weist und jammert. „Und dann passierte das!“
Aber als die Türme fallen, meldet sich John sofort wieder zum Dienst. Savannah sitzt allein zu Hause und verzehrt sich nach ihm. Und ihre perfekte Beziehung – nun ja, wenn sie die alten G.I.-Filme kenne, dann wissen sie, was jetzt kommt.
„Das Leuchten der Stille“ wurde von Lasse Hallström inszeniert, der einst ein interessanter Regisseur war („Mein Leben als Hund“, „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“), ehe er eine Art Liebling von Miramax wurde, als es noch ein Miramax gab und man dort einen gefügigen Filmemacher brauchte, der bereit war, unpersönliche Prestigeprojekte in die Kinos zu bringen.
Das bedeutete für ihn einen Schritt vorwärts in Sachen Ruhm, war aber seinem künstlerischen Schaffen nicht gerade zuträglich. Hallström wurde zur Anlaufstelle für langweilige Filme mit Oscarambitionen – „Gottes Werk & Teufels Beitrag“, „Chocolat“, „Ein ungezähmtes Leben“. Und genau wie die Preise, die sie anstrebten (und bisweilen gewannen), waren sie nur vergoldet.
Zuletzt war seine Karriere ins Stocken geraten, aber nun meldet er sich zurück mit dieser zuckersüßen Romanze, die - wie auch der jüngst angelaufene Film „Mit Dir an meiner Seite“ mit Miley Cyrus - auf einem Roman von Nicholas Sparks basiert. Und Regisseur Hallström wendet wieder seine alten, längst schon langweilig gewordenen Tricks an. Alles ist präzise in Szene gesetzt, nett ausgeleuchtet, perfekt gefilmt und unglaublich künstlich.
Obwohl es hie und da so etwas wie Anzeichen von Leben gibt, sind diese ausschließlich zwei Nebendarstellern zu verdanken.
Der eine ist Richard Jenkins, der sehr begabte alte Hase, der im vergangenen Jahr einen wunderbaren und hochverdienten Moment im Rampenlicht genießen durfte, als seine Leistung in „Ein Sommer in New York – The Visitor“ mit einer Oscarnominierung bedacht wurde. Hier spielt er Johns Vater, einen zurückgezogen lebenden Münzsammler, der an einer leichten Form von Autismus leidet. Jenkins versteht es, mit minimalem Aufwand – in einer Szene sind nur sein Hinterkopf und eine hand zu sehen – sehr viel zu vermitteln.
Der andere ist Henry Thomas, der sich, obwohl er immer als der kleine Junge in „E.T.“ in Erinnerung bleiben wird, im Laufe der Jahre zu einem hervorragenden Charakterdarsteller mit bisweilen verstörender Präsenz und einer Vorliebe für eigenwillige Figuren entwickelt hat. Leider wurde ihm hier eine weniger interessante Rolle übertragen, aber auch er macht das Beste daraus und besonders in einer Szene gegen Ende spielt er mit einer Intensität, die der Film ansonsten schmerzlich vermissen lässt.
Aber diese beiden Darsteller sind die einzigen Höhepunkte in einem Streifen, der sein Möglichstes tut, um sie auf sein Niveau hinunterzuziehen.
Die von Henry Thomas verkörperte Figur dient letztendlich nur dazu, die Handlung voranzutreiben; der von Richard Jenkins gespielte Vater ist die Inspiration für den mit Abstand erbärmlichsten Satz des ganzen Filmes, wenn Savannah ihrem John so etwas ähnliches sagt wie: „Weißt Du, ich interessiere mich jetzt wirklich für das Unterrichten von Behinderten, seit ich so viel Zeit mit Deinem Vater verbracht habe!“ Na dann, vielen Dank.
All die verschiedenen Handlungsstränge werden schließlich in einer Reihe von schönen Vollmonden und weit hergeholten Seifenopernmomenten zusammengeführt. Aber leider nicht früh genug, als dass es einen noch interessieren könnte – zu diesem Zeitpunkt möchte man den Film längst nur noch an den Absender zurückschicken.
Fazit: Eine weitere kitschige und langweilige Nicholas-Sparks-Verfilmung. Reine Zeitverschwendung.
Wirklich traurige Angelegenheit, und zwar nicht nur die Geschichte
Originaltitel:The Last Song Herstellungsland:USA 2010 Regie:Julie Anne Robinson Drehbuch:Nicholas Sparks, Jeff Van Wie, basierend auf dem Roman von Nicholas Sparks Darsteller:Miley Cyrus, Greg Kinnear, Bobby Coleman, Liam Hemsworth, Kelly Preston, Kate Vernon, Hallock Beals
Falls Sie sich gefragt haben sollten: Junge Mädchen kreischen noch immer beim Anblick von Miley Cyrus. Sie selbst werden wahrscheinlich auch das Bedürfnis zu kreischen empfinden, wenn auch aus anderen Gründen, sofern Sie das Pech haben sollten, einige von ihnen ins Kino begleiten zu müssen, um „Mit Dir an meiner Seite“ anzusehen, eine weitere rührselige Adaption eines Bestsellers von Nicholas Sparks.
Wie fast alle anderen Filme, die auf Büchern von Nicholas Sparks basieren – etwa „Nur mit Dir“, „Wie ein einziger Tag“ oder „Das Leuchten der Stille“ -, drückt auch „Mit Dir an meiner Seite“, wie unschwer aus dem Originaltitel zu ersehen, ziemlich auf die Tränendrüsen. Sofern Sie mitverfolgen, wie oft Wörter wie „Doktor“ und „Medikamente“ vorkommen, werden sie sehr schnell heraußen haben, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. Sparks, der auch „Message in a Bottle – Der Beginn einer großen Liebe“ und „Das Lächeln der Sterne“ geschrieben hat, ist offenbar nicht zufrieden, solange sein Publikum nicht schluchzt.
„Mit Dir an meiner Seite“ ist ein geringfügiger Fortschritt gegenüber „Hannah Montana – Der Film“, in dem Miley Cyrus damit ringt, ob sie die Hannah hinter sich lassen soll, von der sie so prächtig lebt. Diese Mal lassen das Herumschwenken der Arme, die Glupschaugen und die gekünstelte Wildheit darauf schließen, dass sich Miley noch keineswegs von der Kunstfigur Hannah Montana gelöst hat. Sie spielt Veronica „Ronnie“ Miller, eine mürrische 17-jährige New Yorkerin, die den Sommer im malerischen Strandhaus ihres komponierenden Vaters (Greg Kinnear) verbringen muss. Begleitet wird sie von ihrem jüngeren Bruder (gespielt von dem erbarmungslos lebhaften Bobby Coleman).
Ronnie lässt keine Gelegenheit aus, ihrem Vater Vorwürfe wegen seiner Trennung von ihrer Mutter (Kelly Preston) zu machen. Sie ist so gehässig, dass sie sich aufführt wie eine Dreizehnjährige und allen das Leben zur Hölle macht. Aber sie trinkt nicht, nimmt keine Drogen und hat keinen Sex. Sie ist lediglich so unerträglich, dass man sich schon nach wenigen Minuten wünscht, sie möge diejenige sein, die dem Tod geweiht ist.
Ronnie hat einen Ruf als musikalisches Wunderkind - sie spielte Klavier, hat es aber seit Jahren nicht mehr angerührt – und hat ein Stipendium für die renommierte Juilliard Akademie bekommen, weigert sich aber, dieses in Anspruch zu nehmen. Warum? Weil es das Drehbuch so will; es gibt keinen wirklichen Grund für ihre Entscheidung. Außerdem muss sie sich für den Schutz von Tieren interessieren und Tolstoi lesen. Sobald „Anna Karenina“ erwähnt wird, möchte man sich am liebsten selbst vor einen Zug werfen.
Der Kuss eines Jungen veranlasst sie jedoch, diese übellaunige Teenager-Masche bleiben zu lassen. Dieser Junge ist Will (Liam Hemsworth), und er spielt Volleyball. Er hat nur 1% Körperfett. Er repariert Autos in der örtlichen Werkstatt. Er rettet er rettet als ehrenamtlicher Mitarbeiter einer Tierschutzorganisation Meeresschildkröten. Er ist reich. Und auch er wird möglicherweise in New York aufs College gehen.
Ihre Romanze steht unter keinem guten Stern. Eine von Wills Exfreundinnen versucht, Ronnie eifersüchtig zu machen. Der Snobismus seiner Familie schmerzt. Er hält zu viele wichtige Informationen zu lange zurück. Ein normales Mädchen wäre in der Lage, mit all dem vernünftig umzugehen. Ein normaler Junge würde die Beziehung beenden, solange sie noch nicht allzu weit gediehen ist. aber Will ist alles andere als normal.
Regisseurin Julie Anne Robinson tut ihr Bestes, um zu verhindern, dass alle Szenen, die vielleicht etwas tiefgründiger werden und zu Reflexionen Anlass geben könnten, zu mit kitschiger Musik untermalten Montagen verkommen. Innerhalb von nur 90 Sekunden prügelt sich Will auf einer Hochzeit, gerade geschlüpfte Babyschildkröten watscheln Richtung Meer, und eine Figur bricht plötzlich zusammen. Nicholas Sparks ist wahrlich kein Mann leiser Zwischentöne. Selbst eine nur oberflächliche Bekanntschaft mit seinen Büchern lässt einen glauben, dass er ein rührseliger Todesbesessener ist. Der Originaltitel „The Last Song“ zeugt jedenfalls nicht gerade von Erfindungsreichtum. Wer da sein letztes Liedchen trällert, müssen Sie schon selbst herausfinden. Das Finale lassen jedenfalls darauf schließen, dass der Autor dabei die Duschszenen von Soft-Pornos vor Augen gehabt haben muss.
Indem erden Tod ritualisiert, wird Sparks, dessen altbekannte Formel von Stränden gekoppelt mit schlechten nachrichten hier Schiffbruch erleidet, in zunehmendem Maße banal. Seine Charaktere sterben, weil ihm nichts anderes einfällt, das sie tun könnten. „Mit Dir an meiner Seite“ ist einer von jenen kleinkarierten Filmen, in denen die Protagonisten für ihre Fehler bestraft werden, indem sie an Krankenlagern wachen oder bei opulenten Hochzeitsfeiern servieren müssen. (Ein Mädchen, das von Obdachlosigkeit bedroht ist, könnte einfach ihre $500 Designersandalen verkaufen, um für zumindest einen Monat ein Dach über dem Kopf zu haben.)
Eine etwas überzeugendere Schauspielerin könnte den Film erträglicher machen, allerdings, um Miley Cyrus Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, nur eine Spur. Sie ist niedlich, egal ob sie lacht, weint oder ein lavendelfarbenes Kleid trägt. Es wäre nett, sie auch schauspielern zu sehen, aber dass scheint bei diesem Film von eher untergeordneter Wichtigkeit gewesen zu sein. Angeblich ist das der Film, in dem Miley ganz dramatisch wird. Wenn man unter „dramatisch“ schmollend, mürrisch und niedlich versteht, dann stimmt das sogar. Aber man hat nie das Gefühl, das sich hinter diesen großen braunen Augen eine Tragödie abspielt. Viel eher denkt Miley Cyrus an die nächste Shopping-Tour.
Fazit: „Mit Dir an meiner Seite“ ist so seicht und rührselig, dass wohl nur halbwüchsige Mädchen und eingefleischte Miley-Cyrus-Fans Gefallen daran finden werden.
Angesichts dieses männerfeindlichen Pseudo-Sozialdramas erstarren die meisten Kritiker und Kinobesucher vor Ehrfurcht, obwohl der Film fast ausschließlich von den großartigen Leistungen dreier Darstellerinnen lebt.
Originaltitel:Precious: Based on the Novel Push by Sapphire Herstellungsland:USA 2009 Regie:Lee Daniels Drehbuch:Geoffrey Fletcher, basierend auf dem Roman „Push“ von Sapphire Darsteller:Gabourey Sidibe, Mo´Nique, Paula Patton, Mariah Carey, Sherri Shepherd, Lenny Kravitz, Stephanie Andujar
Nun kommt also einer der meistgepriesenen Filme des letzten Jahres endlich auch in unsere Kinos.
„Precious – Das Leben ist kostbar“ spielt im Jahre 1987 und handelt von einer massiv übergewichtigen, schweigsamen und analphabetischen afroamerikanischen Teenagerin namens Precious, die infolge wiederholter Vergewaltigungen durch den eigenen Vater zwei Kinder zur Welt gebracht hat. Eines dieser Kinder leidet unter dem Down-Syndrom, und Precious nennt ihn Mongo, kurz für „Mongoloid“. Diesen in Verruf geratenen Ausdruck hat sie irgendwo aufgeschnappt und verwendet ihn seither, ohne dessen wahre Bedeutung zu verstehen.
Ihre Mutter Mary, die Lebensgefährtin des Vergewaltigers, lässt ihren Selbsthass in grotesk anmutenden Zornausbrüchen an Precious aus, schlägt routinemäßig auf sie ein und beleidigt sie in einem fort: „Du bist ein Dummkopf, Schlampe! Du wirst nie auch nur irgendwas wissen, niemand mag Dich, niemand braucht Dich! Du hast herumgefickt und meinen verfickten Mann gefickt und hast zwei verdammte Kinder; eines von ihnen ist ein gottverdammtes Tier, das nur herumrennt und wie ein verrückter Motherfucker aussieht…Ich hätte Dich abtreiben sollen!“ Und ähnliche Nettigkeiten.
Gerade als Precious diese Misshandlungen und Kränkungen durch speziellen Förderunterricht zu überwinden beginnt - eine wohlmeinende und scharfsichtige Lehrerin, der ihre mathematische Begabung aufgefallen ist, hat sie dafür eingetragen - und sogar durch erwachendes Selbstvertrauen ein gewisses Maß an Artikulationsfähigkeit erlangt hat, brechen im letzten Teil des Films neue Probleme und Sorgen über sie herein.
Die darstellerische Leistung von Gabourey Sidibe, die die Rolle der Precious im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert, ist eher problematisch. Der umfangreichen, sich langsam bewegenden Schauspieldebütantin mangelt es einfach an Ausdruckskraft, um diese sehr komplexe Rolle mit Leben zu erfüllen. Ihre Mutter wird um einiges gekonnter von der Komikerin Mo´Nique gespielt, die ein brutales, ja geradezu sadistisches Monster kreiert und für einen frostig-humorvollen Moment sorgt, als jemand vom Wohlfahrtsamt vorbeikommt und sie sich in ein Muster an fürsorglicher Ehrbarkeit verwandeln muss.
Paula Patton spielt die unglaublich schöne und sich um Precious sorgende Lehrerin in der Förderklasse und Mariah Carey gibt ganz ohne Make-up und Glitzerschmuck Precious´ Sozialarbeiterin, eine übellaunige, skeptische Schreckschraube, die dennoch in der finalen Konfrontation mit Precious und ihrer Mutter in Tränen ausbricht. Carey überrascht dabei mit dem besten jüdischen Akzent seit Fran Drescher in der TV-Serie „Die Nanny“.
Die wichtigste Figur ist jedoch zweifellos eine, die nie auf der Leinwand erscheint: die ausführende Produzentin Oprah Winfrey, auf deren eigenes Spielfilmdebüt dieser streifen anzuspielen scheint, wenn Precious´ Lehrerin die Schülerinnen nach deren Lieblingsfarben fragt: ihre eigene ist Lila. Überall hängen motivierende Poster, die dazu aufrufen, sich zu engagieren und an sich selbst zu glauben, und wir bekommen sogar einen mit Oprah selbst zu sehen, der auf die enorme Bedeutung des Lesens hinweist.
Winfreys unterschwellige Eigenwerbung ist aber nicht das wahre Problem. Viel mehr schadet dem Film der extreme stilistische Bruch zwischen den extravagant alptraumhaften und den inspirierenden, den motivierenden Sequenzen. Der unendliche Alptraum aus Misshandlungen und Beleidigungen, in dem Precious lebt und der durch ihre schmerzhaft quälenden Tagträume von künftiger Berühmtheit noch verschlimmert wird, geht immer wieder abrupt über in entspanntere und mitunter sogar leicht Sitcom-artige Szenen im Klassenzimmer in der neuen Schule, wo sie von vorsortierten und garantiert nicht bedrohlich wirkenden Kolleginnen umgeben ist, die mit übertriebenem Gehabe einen auf farbige Künstlerin machen. Mit den vielen Akzenten, den Legwarmern und dem Streben nach Erfolg im Musikbusiness erinnert der Film plötzlich arg an „Fame“.
Precious kann sicher nichts für den Rassismus, dem sie aufgrund ihrer Hautfarbe ausgesetzt ist, oder die sexistischen Bemerkungen, die fiese Typen ihr auf der Straße nachrufen, und ganz sicher kann sie nichts für die Vergewaltigungen und die Misshandlungen, die sie ertragen musste. Aber wie sieht es mit ihrer Fettleibigkeit aus? Ist die nicht schlecht für sie? Warum klären sie die wohlmeinenden Lehrer nicht über Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf oder reden mit ihr über Essen als Sucht oder auch den Umstand, dass Fettleibigkeit oft ein Symptom erlittenen Missbrauchs ist? Irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr Body-Mass-Index stillschweigend als Bestandteil ihrer kulturellen Identität behandelt wird und deshalb nicht hinterfragt werden darf.
Die Hauptfigur soll durch die Hölle gegangen sein, und in so einer Situation mag es verständlich erscheinen, dass Lehrer und Sozialarbeiter vielleicht davor zurückschrecken, das Körpergewicht der Betroffenen zur Sprache zu bringen.
Einmal ist Precious im komfortablen Mittelklassehaus ihrer schönen Lehrerin zu Gast und wird von dieser sogar noch ermuntert, mehr zu essen – weil sie noch Hunger (eigentlich Appetit) hat!
Dem Film ist eine unverblümte Kraft nicht abzusprechen, auch besteht kein Zweifel an Mo´Niques überragender darstellerischer Leistung. Dennoch ist „Precious – Das Leben ist kostbar“ nicht das Meisterwerk geworden, das manche Bewunderer in ihm sehen wollen: es handelt sich eher um einen schwarzhumorigen Alptraum, der nicht unbedingt lustig sein soll. Interessant ist der Film auf jeden Fall.
Fazit: Trotz des allgemeinen Hype nur mäßig gelungene Aschenputtel-Geschichte in der alle Männer Schweine, alle Frauen Opfer und Lesben die Coolsten sind. Erträglich wird das Ganze in erster Linie durch die herausragenden darstellerischen Leistungen von Mo´Nique, Paula Patton und – kaum zu glauben – Mariah Carey.
Originaltitel:The Lovely Bones Herstellungsland:USA 2010 Regie:Peter Jackson Drehbuch:Peter Jackson, Fran Walsh, Phillippa Boyens, basierend auf dem Roman von Alice Sebold Darsteller:Saoirse Ronan, Mark Wahlberg, Rachel Weisz, Stanley Tucci, Rose McIver, Susan Sarandon, Michael Imperioli
Wie sehr ist ein Film dem Buch verpflichtet, auf dem er beruht? Weniger als Sie vielleicht denken. Es ist schön, wenn es den Machern gelingt, Handlungsstränge, wichtige Figuren und entscheidende Themen von einem Medium ins andere hinüberzuretten, aber Literatur und Kino sind einfach so verschieden – das eine unendlich geistig, ja vergeistigt, das andere nur auf das fixiert, was wir sehen und hören können -, dass es geradezu hoffnungslos erscheint, den Versuch auch nur zu wagen. Schlussendlich muss der Film als Film funktionieren, nicht mehr und nicht weniger.
Peter Jacksons Verfilmung des Bestsellers „In meinem Himmel“ von Alice Sebold ist ein ganz besonderer Fall: Ein spektakulärer Fehlschlag nicht nur als Film, sondern auch als Buchadaption. Die groben Fehlgriffe ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Streifen. Es hat fast den Anschein, als hätte der Regisseur angesichts der vielen kreativen Herausforderungen stolz und konsequent in jedem Fall dien falschen Weg eingeschlagen.
Aber vielleicht muss man ja unter Wahnvorstellungen leiden, um den Versuch zu unternehmen, aus so einem Buch einen geschmackvollen und ansprechenden Film zu machen. Schließlich wird die Geschichte aus der Sicht eines Mädchens erzählt, das, nachdem es bereits zu Beginn vergewaltigt und ermordet wurde, irgendwo zwischen Himmel und Hölle festsitzt. Susie Salmon (gespielt von der fünfzehnjährigen Saoirse Ronan, bekannt als junge Verräterin aus „Abbitte“ und mit Abstand das Beste an „In meinem Himmel“) schwebt in den 1970-er Jahren in einem surrealen Nachleben über ihrer kleinen Heimatstadt in Pennsylvania und beobachtet, wie ihre Familie und die Freunde mit ihrem Verschwinden zu Rande zu kommen versuchen. Der Erzählton des Romans ist wehmütig, elegisch, distanziert, in direktem Kontrast zu den quälenden Geschehnissen und Emotionen, die Susie beschreibt. Ohne diese Naivität – Susies Stimme – wäre die Geschichte nur schwer zu ertragen.
Peter Jacksons erster Fehler besteht darin, dass er glaubt, der Zuschauer wolle wissen, wie der Himmel aussieht. Da „Der Herr der Ringe“ und „King Kong“ den Regisseur als regierenden König der visuellen Effekte etabliert haben (allerdings dürfte ihn James Cameron mit „Avatar“ vom Thron gestoßen haben), führt er uns Susies Leben nach dem Tod als eine Reihe ausgedehnter, sich ohne Unterlass verwandelnder digitalisierter Landschaften vor Augen - Berge, die sich erheben, Monde, die sich abwärts drehen, Mandarinenbäume, Marmeladehimmel. Das Ganze sieht aus, als hätte man die 12 Blätter eines teuren New-Age-Kalenders animiert – und es ist Kitsch in Reinkultur. Und es geht völlig am Ziel vorbei. Susies Himmel ist unvollendet, weil ihr Leben unvollendet ist; selbst die fünfzehnjährige Hauptdarstellerin scheint das verstanden zu haben.
Jacksons zweiter, und viel schwerwiegenderer, Fehler ist, dass er gut die Hälfte der Figuren und Handlungsstränge, die das Buch erst interessant gemacht haben, über Bord wirft. Wenn Ihnen der Roman bekannt ist, dann wissen Sie sicherlich, dass unter „Lovely Bones“ (Originaltitel) die Beziehungen zu verstehen sind, die sich nach Susies Ermordung entwickeln. Es kommen immer mehr Figuren hinzu, weil sich das Leben nun einmal so entwickelt – als stets komplexer werdendes Geflecht menschlicher Beziehungen. Durch Susies jüngere Schwester Lindsay (Rose McIver) lernen wir ihren Freund Samuel Heckler (Andrew James Allen) sowie dessen launenhaften älteren Bruder Hal kennen; durch Ray Singh (Reece Ritchie, auf gruselige Weise um einiges zu alt für seine Rolle), den ersten Jungen, den Susie geküsst hat, kommen wir in Kontakt mit seiner Mutter (Anna George), einer vernachlässigten Einwanderer-Hausfrau, die die Güte in Person ist. Und so weiter.
Peter Jackson und seine Co-Autoren Fran Walsh und Phillippa Boyens kürzen oder eliminieren viele – zu viele! – dieser Charaktere und lassen sogar die Affäre zwischen Susies Mutter (Rachel Weisz) und dem ermittelnden Polizeibeamten (Michael Imperioli) unter den Tisch fallen. Die zwei werden darauf reduziert, einander sehnsüchtige Blicke zuzuwerfen, aus denen sich nichts entwickelt. Es wimmelt nur so von begnadeten Schauspielern, deren talente kaum genützt werden: Susan Sarandon in der Rolle der versoffenen Großmutter ist fast schon eine Parodie der weisen alten Frau im Buch, und der arme Mark Wahlberg erweckt den Eindruck, als hätte Susies Vater mit dem Baseballschläger einen kräftigen Hieb auf den Kopf erhalten, was er im übertragenen Sinn auch tatsächlich hat.
Jacksons dritter, und größter, Fehler ist, dass sich „In meinem Himmel“ in immer stärkerem Maß auf die die eine Person konzentriert, die keine menschlichen Beziehungen hat: George Harvey, den Mörder von Susie. Er wird von Stanley Tucci gespielt, und zwar als Durcheinander aus Haarstil und Make-up (grüne Kontaktlinsen und grässliche, über die Glatze gekämmte Haare) und verschwitzten nervösen Zuckungen; die Kamera klebt förmlich in seinem Gesicht, damit wir nur ja merken, dass er ein Monster ist. Hier haben wir es mit einem der seltenen Fälle zu tun, in denen es einem sehr guten Schauspieler gestattet wird, eine schlechte Leistung abzuliefern, ein weiterer Beweis dafür, dass Peter Jackson das Gespür für die Geschichte fehlt. Er macht aus „In meinem Himmel“ einen Serienkiller-Thriller, der die Spannung einzig aus der Frage bezieht, ob Lindsay Georges nächstes Opfer wird.
Doch Spannung und Suspense sind nicht die Dinge, über die Alice Sebold geschrieben hat, und kein filmisches Ummodeln vermag daran etwas zu ändern. Auch um Lösung des Falles und um Rache geht es nicht, was schon so manchen Leser an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Die Themen der Geschichte sind viel mehr Vergebung, Versöhnung und die Bewältigung eines Schicksalsschlags – Inhalte, die sich nicht gut mit dem epischen kommerziellen Kino vertragen, für das Peter Jackson steht. Der Regisseur arbeitet hier so weit außerhalb seines gewohnten Fahrwassers, dass er einen Fehler nach dem anderen begeht, so etwa, wenn er Holly (Nikki SooHoo), Susies kleine Freundin in der Zwischenwelt, in einen kindischen Dummkopf verwandelt, und sogar die gespenstische Quasi-Auferstehung, zugleich finaler Höhepunkt und unglaubwürdigster Moment des Buches, verbockt. (Jackson zeigt das Gesicht der falschen Person und begeht damit seinen eigenen unziemlichen Akt filmischer Pädophilie.)
„In meinem Himmel“ ist nicht eines dieser filmischen Desaster, die so schlecht sind, dass man sie schon wieder für gut halten kann. Es ist kein „Plan 9 From Outer Space“, sondern eine Katastrophe, vor der man so schnell als möglich flüchten möchte, angewidert, wenn man das Buch kennt, verwirrt und leicht beunruhigt, wenn man es nicht kennt. Kaum zu glauben, dass Peter Jackson einst mit „Heavenly Creatures“ ein hervorragendes, erschütterndes Phantasie-Drama über zwei weibliche Teenager drehte, aber das ist auch schon 16 Jahre her. Heute vermag er offenbar nur noch in großen Maßstäben zu denken, und deshalb hat er diese fragile kleine Geschichte genommen und geradezu zerbröselt.
Fazit: Eine intime und feinfühlige Geschichte wird in gewaltigen Bilderfluten ertränkt. Wer außer visuellen Effekten wenig von einem Film verlangt, wird auf seine Kosten kommen, Freunde des Buches sowie anspruchsvoller Unterhaltung sollten diesen filmischen Kitschbrocken meiden.