Ich bin auf http://filmundco.com übersiedelt.

Das Neueste

Wie durch ein Wunder (Review)

Montag, 11. Oktober 2010

Bookmark and Share

 

Eine erbärmliche, rührselige Romanze, in der Zac Efron seine Teeny-Star-Wurzeln nicht abzuschütteln vermag

wie-durch-ein-wunder-poster

starslarge_1halb

Originaltitel: Charlie St. Cloud
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Burr Steers
Drehbuch: Craig Pearce, Lewis Colick, basierend auf dem Roman „The Death and Life of Charlie St. Cloud“ von Ben Sherwood
Darsteller: Zac Efron, Charlie Tahan, Amanda Crew, Augustus Prew, Donal Logue, Kim Basinger, Ray Liotta, Dave Franco, Matt Ward, Miles Chalmers

Gleich einem Hochspringer, der die Latte mit seiner Stirn in zwei Teile bricht, schafft es der frühere Teeny-Star Zac Efron nicht, sich mit diesem unerträglichen romantischen Drama, das in dem butterartigen Spätsommerlicht gedreht wurde, das man aus Filmen wie „Message in a Bottle“ und „Wie ein einziger Tag“ kennt, in die Liga der erwachsenen Schauspieler zu katapultieren. Efron spielt Charlie St. Cloud, einen talentierten Highschool-Segler aus bescheidenen Verhältnissen – seine Mutter, gespielt von Kim Basinger, ist Krankenschwester. Die reichen Yacht-Snob-Kinder verspotten ihn, aber er besiegt sie bei allen Regatten und hat soeben ein Segelstipendium für eine der besten Universitäten des Landes errungen. Aber das unerbittliche Schicksal wirft Charlies gesamte Lebensplanung über den Haufen und der Film bekommt eine lächerliche Ich-sehe-tote-Menschen-Prämisse übergestülpt, die mehr an Ricky Gervais´ „Wen Geister lieben“ erinnert als an M. Night Shyamalans „The Sixth Sense“.

Charlie-St-Cloud-Zac-Efron-Charlie-Tahan

Der rührselige Plot, in dem Charlie um seinen kleinen Bruder (Charlie Tahan) trauert, der bei einem Unfall von ihm verursachten Verkehrsunfall ums Leben kam, plagiiert hemmungslos Timothy Huttons Zwangslage in „Eine ganz normale Familie“ von vor 30 Jahren. Die metaphysische Liebesgeschichte zwischen Charlie und seiner Klassenkameradin Tess (Amanda Crew), die um ihren jüngst verstorbenen Vater trauert, zu einer Weltumseglung aufbricht und vom Radar verschwindet, lässt sich zu „Ghost – Nachricht von Sam“ zurückverfolgen. Und Charlies Visionen von toten Menschen sind, wie schon erwähnt, spätestens seit „The Sixth Sense“ nichts Neues mehr.

„Wie durch ein Wunder“ handelt vorgeblich von so großen Themen wie Schuld und Sühne und dem Sinn des Lebens, aber anstatt daraus ein ergreifendes Drama zu machen, lässt Regisseur Burr Steers das Ganze zu einem bittersüßen unaufrichtigen Mischmasch verkommen. Unaufrichtigkeit ist immer und überall zu spüren, etwa auch in der Art und Weise, wie der von Ray Liotta gespielte Rettungssanitäter einen ganz harmlosen Glauben beschwört, den Charlie in narzisstische Selbstverwirklichung umdeutet (Ich kann das schaffen!). Regisseur Steers ist mehr rührselig als moralisch. Charlie leidet unter der Schuld des Überlebenden, die ihn zwingt, Tess zu eröffnen: „The more I´m in your world, the less I can be in his.“ („Je mehr ich in Deiner Welt bin, desto weniger kann ich in seiner sein.“) „Wie durch ein Wunder“ ist so rührselig, dass einem Oscar Wildes gegen Charles Dickens gerichteter Ausspruch einfällt: One must have a heart of stone to not laugh at it. (Man muss ein Herz aus Stein haben, um nicht darüber zu lachen.)

Zac-Efron-in-Charlie-St-Cloud

Efron weint Tränen auf dieselbe Weise, wie ein Cheerleader mit den Pom-Poms wedelt. Fast vom Anfang bis zum Ende macht er aus den Problemen mit dem Erwachsenwerden ein Gimmick, mit dem er das Zielpublikum zu ködern trachtet. Seit dem ersten (guten) „High School Musical“ wurde Zac Efron im Labor zu einer Tween-Action-Figur umgemodelt und dann in lausige, beinhart kalkulierte Filme gesteckt. Wenn ab und zu ein Schauspieler versucht, sich hinter den blauen Augen und unter der modisch gestylten Frisur hervorzukämpfen, dann erinnert Efron an einen jungen Keir Dullea, aber leider fehlt es an einem glaubwürdigen dramatischen Kontext. Da ist nur Rührseligkeit mit einer schamlos schwärmerischen Sicht der Metaphysik. „Wie durch ein Wunder“ ist eine Art billiger Abklatsch von „Inception“ – für Mädchen.

Fazit: Nur etwas für blauäugige ZZac-Efron-Fans. Allen anderen wird angesichts dieses langweiligen sentimental-metaphysischen Eintopfs übel werden. Mit Sicherheit einer der schlechtesten Filme des Jahres.

0 comments

Kommentar veröffentlichen